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16.01.2012

11:00 Uhr

Experte Ansgar Belke

Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist möglich

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie jüngste Herabstufung der Bonität könnte der Euro-Zone einen schweren Schlag versetzt haben. Der Ökonom Ansgar Belke hält nun sogar ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für möglich.

Der Bestand der Euro-Zone ist durch die Staatsschuldenkrise bedroht. dapd

Der Bestand der Euro-Zone ist durch die Staatsschuldenkrise bedroht.

DüsseldorfNach Einschätzung des Direktors des Instituts für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft (IBES) und Forschungsdirektors für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke, könnte die Euro-Zone infolge der jüngsten S&P-Herabstufungen von neun Euro-Ländern auseinanderbrechen. „Ohne ein top geratetes Frankreich und auch wegen des Downgradings anderer Partnerländer kommen auf Deutschland vermehrte Lasten im Rahmen der EFSF zu. Damit könnte auch eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands drohen“, sagte Belke Handelsblatt Online.

Diese Entwicklung lasse die Märkte zunehmend an der Nachhaltigkeit der Euro-Zone zweifeln. Selbstverstärkung werde von Märkten antizipiert, Aktienkurse fielen, was den Prozess beschleunige. „Folglich erhöht sich hierdurch im Extremfall auch die Wahrscheinlichkeit für das Auseinanderbrechen der Euro-Zone“, warnte der Professor für Makroökonomik an der Universität Duisburg Essen.

So bewertet S&P die Euro-Länder

Belgien

Aktuelles Rating: AA

Ausblick: negativ

Deutschland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: stabil

Estland

Aktuelles Rating: AA-

Ausblick: negativ

Finnland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Frankreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Irland

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Italien

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Luxemburg

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Malta

Aktuelles Rating: A-

Ausblick: negativ

Niederlande

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Österreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Portugal

Aktuelles Rating: BB

Ausblick: negativ

Slowakei

Aktuelles Rating: A

Ausblick: stabil

Slowenien

Aktuelles Rating: A+

Ausblick: negativ

Spanien

Aktuelles Rating: A

Ausblick: negativ

Zypern

Aktuelles Rating: BB+

Ausblick: negativ

Belke schätzt, dass vor allem mit der Herabstufung Frankreichs der Euro-Rettungsschirm EFSF die für die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise nötige Schlagkraft eingebüßt hat. Frankreich stehe für den EFSF mit der mit Abstand zweithöchsten Garantiesumme grade. „Mit dem Verlust des AAA-Ratings ist nun eine tragende Säule des EFSF ins Wanken geraten“, sagte das Mitglied des „Monetary Expert Panels“ im Europa-Parlament.

„Entweder ergibt sich jetzt bald ein Anlass zu einem Ausscheiden Frankreichs als Garantiegeber des EFSF oder Frankreich bleibt aus Furcht vor Reputationsverlusten dabei, was aber zu einem schlechteren Rating des EFSF insgesamt und zu höheren Kosten der Kapitalaufnahme durch den Fonds führen würde. Damit würden alle bisherigen Versuche, die Euro-Schuldenkrise zu beruhigen, konterkariert, den sie beruhen ja zentral auf dem AAA-Rating einer hinreichen großen und wirtschaftlich potenten Zahl an Volkswirtschaften.“

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

16.01.2012, 10:18 Uhr

Das Auseinanderbrechen der Eurozone wäre ein Segen für Europa. Der Euro ist das mit großem Abstand dümmste "politische Projekt" der EU gewesen, das alles in den Abgrund reißen kann. Der deutsche Größenwahn und die deutsche Überheblichkeit (rot-grün, blau-schwarz) verhindert die Abwicklung des Euro. Der Euro bringt nur Unfreiheit, Aggression und Spaltungstendenzen.
Nur können die Politiker sich nicht hinstellen und sagen: "Wir haben einen Fehler gemacht. Und Billionen verzockt!" Wenn ich gerade noch die Grünen höre, wie Cohn-Bendit und Fischer... "das europäische Projekt wird gefährdet; es muss weitergehen..." Das entlarvt diese Politiker als gnadenlose Ideologen, von denen es in der Geschichte genug gab!

djerod

16.01.2012, 10:23 Uhr

In verantwortlicher Position ist es empfehlenswert von derart einseitigen Darstellungen abzusehen und insbesondere mit großen Unsicherheiten behaftete Interpretationen und Zukunftsprognosen differenzierter angehen.
Konstruktive Kritik in Form von Handlungsvorschlägen oder Aufzeigen von Alternativen sind (neben einer nüchternen Analyse) von einem Wirtschaftsforschungsinstitut zu erwarten und keine pauschale Untergangsstimmung in einem bereits schwierigen Umfeld!

Rapid

16.01.2012, 10:39 Uhr

"Auseinanderbrechen, Spalten" und dergleichen mehr. Schon allein semantisch "Unerqickliches".
Sagen wir doch einfach, die Euro-Zone stellt sich neu auf, indem zwei Währungsräume definiert werden, ein Kern-Euro und ein Peripherie-Euro, die zusammen in einem Währungskorb ein vernünftiges Verhältnis austarieren und so eine Modifikation des überholten Einheitseuro auf die Beine stellen, die nachhaltig , tragfähig und erfolreich sein wird.

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