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14.04.2018

07:45 Uhr

Die syrische, staatliche Nachrichtenagentur Sana veröffentlichte dieses Bild. Reuters

Rakete am Samstagmorgen über Damaskus

Die syrische, staatliche Nachrichtenagentur Sana veröffentlichte dieses Bild.

Explosionen in Damaskus

USA und Verbündete bombardieren Ziele in Syrien

US-Präsident Donald Trump hat Angriffe auf Ziele in Syrien ausführen lassen. Dessen Luftabwehr will 13 Raketen abgefangen haben. Russland droht mit Konsequenzen.

WashingtonUS-Präsident Donald Trump hat Militärschläge gegen Syrien angeordnet. Die Angriffe erfolgten am frühen Samstag syrischer Zeit in Zusammenarbeit mit Großbritannien und Frankreich.

Dies sei eine Reaktion auf den Einsatz von Chemiewaffen der syrischen Regierung gegen das eigene Volk, sagte Trump am Freitagabend in Washington. „Dies sind nicht die Taten eines Menschen. Es sind die Verbrechen eines Monsters“, so Trump in einer Ansprache.

Die etwa acht Minuten lange Rede des US-Präsidenten, in der er über den Angriff informierte, war nur wenige Minuten vor Beginn (21.00 Uhr Ortszeit) angekündigt worden. Dies habe dem Schutz der an dem Einsatz beteiligten Soldaten gegolten, hieß es. Die Regierungen in Großbritannien und Frankreich bestätigten die Angaben aus Washington.

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, dass keine weiteren Schläge geplant seien. Die Militäroperation sei begrenzt gewesen.

Augenzeugen berichten von Explosion in und um Damaskus

Der US-Präsident während der Pressekonferenz am späten Freitagabend (US-Zeit). AFP

Donald Trump

Der US-Präsident während der Pressekonferenz am späten Freitagabend (US-Zeit).

Laut Reuters meldeten gegen 3.00 Uhr morgens deutscher Zeit Beobachter schwere Explosionen aus dem Ostteil von Damaskus. Ein dpa-Korrespondent meldete, angegriffen worden sei unter anderem eine Forschungseinrichtung nordöstlich von Damaskus. Dort sollen in der Vergangenheit Chemiewaffen entwickelt worden sein.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Luftabwehr des Landes bekämpfe die „amerikanisch-britisch-französische Aggression“. Es seien 13 Raketen abgefangen worden. Aus Armeekreisen hieß es, es seien Dutzende Abwehrraketen abgefeuert worden, unter anderem vom Militärflughafen Al-Schairat. Diesen hatten die USA vor rund einem Jahr nach dem Giftgaseinsatz in der Stadt Chan Scheichun angegriffen.

USA: Schlag gegen Chemiewaffen-Infrastruktur

Der Militäreinsatz ist nach Mattis' Angaben ein Schlag gegen die Infrastruktur der chemischen Waffenproduktion des Landes gewesen. Der Einsatz von Chemiewaffen könne unter keinen Umständen geduldet werden, sagte der US-Verteidigungsminister in der Nacht zum Samstag im Pentagon.

Der Schlag sei härter gewesen als der im Vorjahr. Drei militärisch-wissenschaftliche Ziele seien getroffen worden, zwei davon in und um Damaskus, eines in Homs. Eine Abstimmung oder Koordination mit Russland habe es nur im normalen Rahmen gegeben, um Zwischenfälle zu vermeiden.

Zuvor am Tag hatte Trump seine Militärberater nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ zu deutlich härteren Schlag gegen Syrien aufgefordert als von diesen zunächst vorgesehen. Unter Berufung auf mehrere Quellen in der Regierung schrieb die Zeitung am Freitag (Ortszeit), Trump sei mit den ihm bisher präsentierten eher zurückhaltenden Optionen nicht zufrieden gewesen.

Trump habe sich in Treffen mit Verteidigungsminister James Mattis dafür stark gemacht, mit einem Militärschlag nicht nur die syrische Regierung zu treffen, sondern auch Russland und den Iran „bezahlen zu lassen“. Davon scheint er offenbar dann doch wieder abgerückt zu sein.

Russland droht mit Konsequenzen

Trotzdem ist Russland ungehalten: Der russische US-Botschafter Antonow warnt die USA nach Beginn der Luftschläge. In einer Mitteilung hieß es, dass „solche Aktionen nicht ohne Konsequenzen bleiben“. Zudem sei die Beleidigung des russischen Präsidenten nicht akzeptabel. Die USA hätten keinen Grund, andere Länder zu beschuldigen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstützt dagegen den Angriff gegen mutmaßliche Giftgaseinrichtungen. Stoltenberg erklärte am Samstag in Brüssel am Sitz des Bündnisses: „Das wird die Fähigkeiten der Führung einschränken, weiter die Menschen in Syrien mit chemischen Waffen anzugreifen.“

Die Nato habe wiederholt Syriens Einsatz von Chemiewaffen als klaren Bruch internationaler Regeln verurteilt. „Der Gebrauch von chemischen Waffen ist nicht zu akzeptieren, und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, so Stoltenberg weiter.

Hintergrund ist ein mutmaßlicher Giftgasangriff in der damals noch von Rebellen kontrollierten Stadt Duma mit Dutzenden Toten. Die USA machen die syrische Regierung dafür verantwortlich und Trump drohte daher bereits vor Tagen mit einem Militärschlag. Russland spricht dagegen von einer Inszenierung und weist den Vorwurf ebenso zurück wie Syrien.

An die Adresse Russlands und Irans gerichtet, fragte Trump jetzt: „Was für eine Art Nation will im Zusammenhang mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern stehen?"

Das „Wall Street Journal“ schrieb, das US-Militär hatte bereits mehrere Zeitfenster für einen Angriff vorbereitet gehabt, unter anderem eines in der Nacht zum Freitag. Dem Bericht zufolge setzte sich auch Trumps neuer Sicherheitsberater John Bolton für ein härteres Zuschlagen in Syrien ein als das Pentagon.

Bolton, der vor kurzem den eher gemäßigten Herbert Raymond McMaster abgelöst hatte, sei für einen „verheerenden Schlag“ gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad und dessen Infrastruktur.

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