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26.02.2013

13:30 Uhr

Exportgeschäft

Deutschlands größter Kunde bleibt Frankreich

Seit bald dreißig Jahren ist Frankreich für Deutschland der wichtigste Handelspartner. Doch die Entwicklung zeigt in zwei Richtungen: Während Frankreich mehr aus Deutschland importiert, sanken umgekehrt die Einfuhren.

Die französische Flagge: Frankreich ist seit 1975 Deutschlands wichtigster Handelspartner. Reuters

Die französische Flagge: Frankreich ist seit 1975 Deutschlands wichtigster Handelspartner.

WiesbadenFrankreich hat seinen Platz als Deutschlands wichtigster Handelspartner verteidigt. Das Handelsvolumen stieg 2012 auf 169,2 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Mit plus 1,1 Prozent zum Vorjahr entwickelten sich die Aus- und Einfuhren allerdings nur halb so dynamisch wie der Außenhandel insgesamt, der um 2,2 Prozent zulegte.

Auf den Rängen zwei und drei folgten die Niederlande mit einem Warenverkehr von 157,6 Milliarden Euro (+4,2 Prozent) und China mit einem Außenhandelsumsatz von 143,9 Milliarden Euro (-0,3 Prozent).

Vergleich: Deutschland vs. Frankreich

Wachstum

Frankreich: Die Wirtschaft wächst viel langsamer. Die EU-Kommission traut der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr lediglich ein Plus von 0,2 Prozent zu, das 2013 mit 0,4 Prozent nur einen Tick größer ausfallen soll. Grund dafür ist der maue Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren.
Deutschland: Jeweils 0,8 Prozent Wachstum sagt die EU-Kommission für 2012 und 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er wird nach der Prognose in beiden Jahren um jeweils ein Prozent zulegen. Dafür sollen die Rekordbeschäftigung und spürbare Lohnzuwächse sorgen.

Schulden

Frankreich: Frühestens 2015 wird die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder eingehalten. Das erwartet zumindest die EU-Kommission. Demnach wird das Defizit in diesem Jahr bei 4,5 Prozent liegen, 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent. Der Schuldenberg soll im kommenden Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.
Deutschland: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts rückt in greifbare Nähe. 2012 und 2013 soll das Defizit angesichts rekordhoher Steuereinnahmen jeweils 0,2 Prozent betragen, ehe 2014 ein Haushalt ohne neue Schulden stehen soll. Der Schuldenstand soll bis dahin auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, wie das World Economic Forum bei seinem weltweiten Standortvergleich befand. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der "Grande Nation". Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.
Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland im globalen Standortvergleich des World Economic Forum seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können - von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minus-Punkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde "Flexibilität der Lohnfindung": Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

Industrie

Frankreich: Zwar kann unser Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder der Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise im Euro-Raum durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

Arbeitskosten

Frankreich: 34,20 Euro kostet eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt. In der EU ist Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer. In der Industrie sind es sogar 35,91 Euro.

Deutschland: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro - das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

Frankreich ist seit 1975 Deutschlands wichtigster Handelspartner - dabei ist der Nachbar mit einem Anteil von 9,5 Prozent der wichtigste Einzelkunde der deutschen Exportindustrie. Im vergangenen Jahr stiegen die deutschen Exporte über den Rhein um 3,0 Prozent auf 104,5 Milliarden Euro.

Hingegen sanken die deutschen Einfuhren aus Frankreich um 1,8 Prozent auf 64,8 Milliarden Euro. Frankreich ist hinter den Niederlanden (86,6 Mrd Euro; plus 5,9 Prozent) und China (77,3 Mrd Euro, minus 2,8 Prozent) nur das drittwichtigste Herkunftsland deutscher Importe.

Auf Platz zwei der wichtigsten deutschen Exportländer lagen die USA (86,8 Mrd Euro) mit einem satten Plus von 17,7 Prozent. Dahinter rangierte das Vereinigte Königreich (72,2 Mrd Euro), in das 10,1 Prozent mehr Waren geliefert wurden als 2011. Insgesamt kletterten die Ausfuhren zum Rekordjahr 2011 um 3,4 Prozent auf 1,097 Billionen Euro.

Von

dpa

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