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12.01.2010

09:04 Uhr

Exportweltmeister China

Peking will weiter Kurs halten

VonAndreas Hoffbauer

Der Titel Exportweltmeister 2009 ist für China zum Greifen nah – damit wächst aber auch der Druck auf das Land, die massiven Programme zur Konjunkturankurbelung zurückzufahren. Die Führung in Peking will dennoch Kurs halten.

Mit Chinas wirtschaftlichem Erfolg wächst auch der Ruf nach weniger Staatshilfen und mehr Yuan-Flexibilität. ap

Mit Chinas wirtschaftlichem Erfolg wächst auch der Ruf nach weniger Staatshilfen und mehr Yuan-Flexibilität.

PEKING. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass Peking mit Blick auf die rasche Erholung neue Projekte des 400 Mrd. Euro-Konjunkturprogramms verzögern wird. Zudem werde Peking seine Währungspolitik lockern müssen. „Wir denken, der Yuan sollte und wird ab dem zweiten Quartal 2010 wieder beginnen aufzuwerten“, sagt Jun Ma, China-Chefökonom der Deutschen Bank.

Dagegen wehrt sich China seit langem. Denn die USA und Europa werfen Peking vor, den Yuan-Kurs künstlich niedrig zu halten. Das verteuert Einfuhren nach China und verbilligt chinesische Exporte. Chinas Führung hatte eine schrittweise Aufwertung im Juli 2008 gestoppt, seither ist der Yuan quasi an den Dollar gekoppelt.

Chinas Wirtschaft biete nun aber „einen außergewöhnlich stabilen Ausblick“, sagt Ökonom Ma, der mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von neun Prozent in diesem sowie im nächsten Jahr rechnet. Einige Volkswirte gehen sogar von zweistelligen Zuwachsraten aus.

Chinas Erholung war am Sonntag von den neuesten Exportzahlen untermauert worden. Danach sind die Ausfuhren im Dezember im Jahresvergleich unerwartet stark um 17,7 Prozent auf 130,7 Mrd. Dollar gewachsen. Das war das erste Monats-Plus seit über einem Jahr – was als deutliches Signal für die Erholung des Welthandels gewertet wird.

Damit dürfte die Volksrepublik Deutschland als weltgrößten Exporteur erstmals überholt haben. Sollten Chinas Exporte dieses Quartal erneut um 30 Prozent wachsen, müsse Peking die Zügel der Wirtschafts- und Finanzpolitik anziehen, sagt Tao Wang von UBS. Aber die Führung werde ihre Politik nur vorsichtig ändern. „Chinas Regierung wird nicht auf Monatsdaten reagieren, wie stark sie auch sind.“

Peking hat die neue Exportstärke so auch nicht als Erfolg gefeiert, sondern umgehend erklärt, man werde an der bisherigen Fiskalpolitik festhalten. Finanzminister Xie Xuren warnte, ein zu früher Ausstieg aus dem Konjunkturpaket könne der Wirtschaft des Landes schaden. Man werde 2010 die Unterstützung für die eigene Wirtschaft nicht reduzieren. Es solle „mehr Gewicht auf die Stärkung des heimischen Konsums“ gelegt werden. Der Konsum dürfte aber lediglich, so schätzt die Deutsche Bank, wie in den Vorjahren um rund 16 Prozent zulegen. Dagegen dürfte der Anteil der Exporte am Wachstum deutlich steigen.

Die größte Herausforderung für Chinas Wirtschaft sieht Deutsche Bank-Ökonom Ma indes in der drohenden Inflation. Die Deutsche Bank hält dieses Jahr bis zu fünf Prozent für möglich. Noch bremst Peking nicht die Kreditvergabe: Allein in der ersten Woche des Jahres sollen Chinas Banken neue Kredite im Wert von 60 Mrd. Euro vergeben haben.

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