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16.06.2015

08:18 Uhr

Extremisten

USA töten Al-Kaidas Nummer zwei

Osama bin Ladens früherer Sekretär ist bei einem Angriff im Jemen getötet worden. Er führte den aus US-Sicht gefährlichsten Al-Kaida-Ableger. Doch sein Nachfolger steht anscheinend schon fest.

Nasir al-Wahishi soll von US-Drohnen getötet worden sein. dpa

Nasir al-Wahishi

Nasir al-Wahishi soll von US-Drohnen getötet worden sein.

Washington/SanaaDie Nummer zwei des Extremistennetzwerks Al-Kaida ist im Jemen getötet worden. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus örtlichen Quellen, die Al-Kaida nahestehen. Nasser al-Wahischi – Chef des Ablegers Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) - sei am Freitag bei einem Drohnenangriff in Mukalla im Südosten des Landes ums Leben gekommen, sagte eine Person aus der Stadt der dpa. Lokale und US-Medien berichteten ebenfalls vom Tod des Stellvertreters von Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Die US-Armee hat in den vergangenen Jahren in dem Land Dutzende Drohneneinsätze geflogen. Zu einem Angriff auf Al-Wahischi äußerte sich das Militär auf dpa-Anfrage nicht. Das Terrornetzwerk Al-Kaida im Jemen hat am Dienstag den Tod seines Chefs Nasser al-Wuhaischi bestätigt.

Al-Wahischi stand auf der US-Liste der meistgesuchten Terroristen. Aus Sicht der Regierung in Washington ist AQAP der gefährlichste Al-Kaida-Ableger. AQAP gilt unter anderem als Drahtzieher des Anschlags auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015. Die Gruppe nutzt den unruhigen Jemen als Rückzugsgebiet.

AQAP-Unterstützer schrieben laut dem US-Sender CNN bei Twitter ebenfalls vom Tod Al-Wahischis. Den Tweets zufolge soll ihm Kassim al-Rimi, der AQAP-Militärchef, an der Spitze der Extremisten nachfolgen. Er ist auch bekannt als Abu Hureira al-Sanaani.

Al-Wahischis Tod wäre der zweite große Schlag der USA gegen den internationalen Terrorismus binnen weniger Tage: In Libyen sollen US-Flugzeuge am Wochenende mit Mokhtar Belmokhtar einen weiteren weltweit berüchtigten Islamisten getötet haben. Der Algerier war lange ein wichtiger Anführer der Gruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM). Die USA bestätigten Berichte über seinen Tod bislang nicht.

Milizen in Libyen: Machtkampf unter Revolutionären

Sechs Millionen Libyer bewaffnet

Libyen steht drei Jahre nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi am Rande eines Bürgerkriegs. Wegen eskalierender Kämpfe verfeindeter Milizen verlassen immer mehr Ausländer das Land, auch einige Botschaften schließen. Die Lage ist hochgefährlich: Denn nach Einschätzung der International Crisis Group sind 125 000 der sechs Millionen Libyer bewaffnet.

Libysche Armee

Sie gehört zu den wichtigsten bewaffneten Gruppen in Libyen: Die offiziellen Streitkräfte mit etwa 35 000 Soldaten sind angesichts der bewaffneten Übermacht an Milizen nicht sehr effektiv. Viele dürften inzwischen aber auch auf der Seite von Kampfbrigaden stehen. Denn in der Vergangenheit hat die Armee stets auf die Hilfe von Milizen gesetzt. Viele Soldaten, die unter Gaddafi dienten, sind nicht mehr in den regulären Truppen aktiv.

Al-Saika

Die Eliteeinheit besteht aus bis zu 5000 paramilitärischen Kämpfern. Sie untersteht eigentlich dem Verteidigungsministerium, kämpft aber gemeinsam mit dem abtrünnigen Generalmajor Chalifa Haftar bei der Militärkampagne „Operation Würde“ ohne Befehl aus Tripolis im Osten des Landes gegen islamistische Gruppierungen. Das neu gegründete Militärbündnis aus abtrünnigen Soldaten nennt sich „Nationale Armee“.

Misrata-Brigaden

Der mächtigen Organisation gehören mehr als 230 Milizen mit 40 000 Kämpfern an. In der Stadt Misrata wurde einst der tote Machthaber Muammar al-Gaddafi in einem Kühlhaus zur Schau gestellt, bevor er in der Wüste begraben wurde. Milizen der Stadt sehen sich als Schutzmacht gegen Kräfte des alten Regimes. Sie sind derzeit in die heftigen Kämpfe am internationalen Flughafen Tripolis verwickelt.

Libyens Schutzschild

Der Miliz gehören bewaffnete Brigaden im Osten, Westen, Zentrum und Süden Libyens an – hier gibt es große Überschneidungen mit den Misrata-Brigaden. Die Gruppe wurde 2012 gegründet, um ehemalige Revolutionsgruppen einzubinden, die gegen Gaddafi gekämpft hatten. Die Brigaden mit 6000 bis 12 000 Mitgliedern stehen der islamistischen Muslimbruderschaft nahe; ihre Milizen arbeiteten zeitweise mit dem Verteidigungsministerium in Tripolis zusammen.

Operationszentrum der Revolutionäre in Libyen

Die zwischen 200 und 350 Mann starke Kampfbrigade wurde Anfang 2013 ursprünglich zum Schutz der Hauptstadt Tripolis gegründet und unterstand dem Parlamentspräsidenten. Doch dann beteiligten sich bewaffnete Mitglieder der Gruppierung an der Entführung des Ministerpräsidenten Ali Seidan. Das Operationszentrum wurde daraufhin dem Verteidigungsministerium unterstellt. Auch diese Gruppierung ist an den aktuellen Kämpfen in der Hauptstadt beteiligt.

Revolutionsbrigaden aus Al-Sintan

Mächtige Stammesmilizen kommen aus der Stadt Al-Sintan. Dort haben die Al-Kakaa-Brigade mit 18 000 Kämpfern und Al-Sawaig mit rund 2000 Kämpfern ihre Stützpunkte. International bekannt ist Al-Sintan, weil dort Gaddafis Sohn Saif al-Islam gefangen gehalten wird. Misrata und Al-Sintan rivalisieren um die Macht in Libyen. Milizen beider Städte führen derzeit eine Art Stellvertreterkrieg um den internationalen Flughafen in Tripolis.

Wächter der Erdöl-Einrichtungen

Die Brigade wurde einst vom Verteidigungsministerium bezahlt. Allerdings machten sich die Kämpfer unter Ibrahim Dschadhran selbstständig. Sie blockieren wichtige Ölverladehäfen und fordern die Autonomie Ostlibyens. Die Separatisten sollen mindestens 17 000 Kämpfer unter ihrem Kommando haben.

Ansar al-Sharia

Schätzungen über die Zahl der Mitglieder reichen von wenigen Hundert bis zu 5000. Die Salafisten der radikalsten islamischen Gruppe wollen einen Gottesstaat errichten. Die USA haben sie auf die Terrorliste gesetzt. Sie sollen an dem Angriff auf das US-Konsulat beteiligt gewesen sein, bei dem im September 2012 der Botschafter starb. Ansar al-Scharia kämpft im östlichen Bengasi gegen Truppen und Verbündete von Generalmajor Chalifa Haftar.

Märtyrer des 17. Februar

Die Islamistenmiliz aus Bengasi soll bis zu 3500 Kämpfer umfassen. Sie steht auf der Gehaltsliste des Verteidigungsministeriums.

Al-Wahischi, auch Abu Baschir genannt, stammt aus der Provinz Abjan im Südjemen. In den 90er Jahren hatte er in Afghanistan den inzwischen getöteten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden kennengelernt. Später wurde er dessen Privatsekretär.

In der Schlacht um die Bergfestung Tora Bora kämpfte Al-Wahischi an der Seite Bin Ladens. Beide entwischten dort 2001 den US-Truppen. Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan sperrten ihn die Behörden im Jemen in ein Hochsicherheitsgefängnis in der Hauptstadt Sanaa. Von dort aus baute er das Al-Kaida-Netzwerk in dem arabischen Land wieder auf. Nach seiner Flucht aus der Haftanstalt 2006 rückte Al-Wahischi im Jahr darauf an die Spitze von Al-Kaida im Jemen. Zwei Jahre später vereinigte er den jemenitischen und den saudischen Ableger des Extremistennetzwerks zu AQAP.

Im Jemen kämpfen schiitische Huthis derzeit gegen Anhänger des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der nach Saudi-Arabien geflüchtet ist. Seit Ende März bombardiert ein von Riad geführtes Bündnis Stellungen der Aufständischen in dem Land.

Zum Auftakt der ersten Friedensgespräche für den Jemen forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erste Schritte zu einer friedlichen Lösung. „Wir haben keinen Augenblick zu verlieren“, sagte er am Montag im schweizerischen Genf. Ban rief zu einer Feuerpause während des Fastenmonats Ramadan auf. Diese solle Hilfe für die notleidende Bevölkerung ermöglichen. Der Ramadan beginnt am Donnerstag.

Kommentare (3)

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Herr Teito Klein

16.06.2015, 08:48 Uhr

Glückwunsch USA
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Sie haben einen Terroristen "neutralisiert", und das ist auch gut so.
In Deutschland hätte er natürlich - im Gegensatz zu Edward Snowden - sofort Asyl bekommen.
Deutschland ist das "gelobte Land" für Terroristen. Hier können sie schalten und walten wie sie wollen. Hier können/dürfen sie auch neue "Kämpfer" anwerben.
Ihre "Hassprediger" von den Salafisten stehen bereit.

Herr Fred Meisenkaiser

16.06.2015, 08:56 Uhr

Ohne Anklage, ohne Prozeß - Rechtsstaat eben!

Die Gefahr wäre eben zu groß, daß er reden könnte.
Wenn man dann noch sieht, dass die USA nach eigenen Verlautbarungen (US-Senator Rand Paul in CNN) die IS unterstützt, dann hat das alles schon Geschmäckle!

Herr Teito Klein

16.06.2015, 08:59 Uhr

Er befehligte das "Charlie Hebdo"-Attentat
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Der Vize-Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida und Anführer des Ablegers im Jemen ist bei einem Drohnenangriff getötet worden. Den Tod von Nasser al-Wahischi bestätigte die Terrorgruppe in einem Video. Er gehörte zu den meistgesuchten Terroristen der Welt.
Die Gruppe - Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel - und ihr Chef Al-Wahishi gelten als Drahtzieher des Attentats auf die französische Zeitung "Charlie Hebdo" im Januar.

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