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17.09.2014

03:11 Uhr

Extremistengruppe

Dutzende türkische Familien schließen sich IS an

Immer mehr türkische Staatsangehörige schließen sich laut dem Abgeordneten der größten Oppositionspartei CHP, Atilla Kart, der Terrormiliz Islamischer Staat an. Darunter sollen auch dutzende Familien mit Kindern sein.

Bei seinem Besuch in Zypern wiederspricht der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem Oppositionsmitglied Atilla Kart. Davutoglu glaubt, dass sich mehr Menschen aus anderen Ländern der IS-Miliz anschließen. ap

Bei seinem Besuch in Zypern wiederspricht der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem Oppositionsmitglied Atilla Kart. Davutoglu glaubt, dass sich mehr Menschen aus anderen Ländern der IS-Miliz anschließen.

AnkaraDie Terrormiliz Islamischer Staat bekommt offenbar viel Zulauf aus der Türkei: Allein vergangene Woche hätten mindestens 53 türkische Familien - einige von ihnen mit Kindern - die Grenze nach Syrien passiert, um sich der Extremistengruppe anzuschließen, sagte der Abgeordnete Atilla Kart von der größten Oppositionspartei CHP der Nachrichtenagentur AP. Erst wenige Stunden zuvor hatte der neue Ministerpräsident Ahmet Davutoglu vehement westliche Medienberichte zurückgewiesen, wonach die IS-Dschihadisten immer mehr türkische Staatsangehörige in ihren Reihen hätten.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Kart sagte, aus seinem Wahlbezirk Konya seien mindestens 16 Personen zu einem Rekrutierungslager an der türkisch-syrischen Grenze gereist. Dort hätten sie sich mit anderen Familien getroffen. Dann seien sie in kleinen Gruppen nach Syrien geschleust worden. Die Informationen fußten auf Aussagen einiger Angehöriger der 16 IS-Rekruten und auf Sicherheitsbeamten, die die Ausreise der Gruppe bestätigt hätten, sagte Kart weiter.

Regierungschef Davutoglu zeichnete jedoch ein anderes Bild. Es gebe weitaus mehr Menschen aus anderen europäischen Ländern, die sich der IS-Miliz anschließen würden, sagte er bei einem Besuch auf Zypern. Vielmehr tue Ankara alles Mögliche, um einen Zustrom mutmaßlicher ausländischer IS-Rekruten nach Syrien zu stoppen.

Kart wies dies zurück. „Die Beteiligung aus der Türkei ist so hoch, dass es keinen Vergleich mit anderen Ländern geben kann.“

Von

ap

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