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16.01.2015

12:18 Uhr

EZB-Banker zum Anleihekaufprogramm

„Es muss groß sein“

Damit das Staatsanleihekaufprogramm der EZB wirkt, muss es groß sein, behauptet Benoit Coure. Das EZB-Direktoriumsmitglied machte in seinem Interview auch einen Schlenker zur kritischen Haltung der Deutschen.

Benoit Coeure sagte in einem Interview mit der „Irish Times“, dass das Anleihekaufprogramm der EZB nicht zu klein ausfallen dürfe. Reuters

Benoit Coeure sagte in einem Interview mit der „Irish Times“, dass das Anleihekaufprogramm der EZB nicht zu klein ausfallen dürfe.

Paris/FrankfurtEin Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen muss nach Einschätzung von EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure groß genug sein, um seine Wirkung zu entfalten. „Lassen Sie mich das extrem einfach formulieren: damit es wirkungsvoll ist, muss es groß sein“, sagte Coeure in einem Interview mit der „Irish Times“, das am Freitag auf der Webseite der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlich wurde. Zur kritischen Haltung der Deutschen Bundesbank zu einem solchen Programm erklärte der Notenbanker, deren Befürchtungen seien legitim und man müsse sich mit ihnen beschäftigen.

Investoren an den Märkten rechnen inzwischen fest damit, dass die europäischen Währungshüter am Donnerstag kommender Woche auf ihrer Ratssitzung ihre Geldpolitik weiter lockern und ein breit angelegtes Anleihenkauf-Programm - im Fachjargon „Quantitative Easing“ (QE) - auf den Weg bringen werden. Mit einem solchen Schritt nach dem Vorbild der US-Notenbank soll ein Preisverfall auf breiter Front in der Euro-Zone verhindert, die Kreditvergabe in der Euro-Zone beflügelt und der schwächelnden Konjunktur auf die Beine geholfen werden.

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Zur einem möglichen Volumen von 500 Milliarden Euro, über das nach früheren Informationen von Insidern gesprochen wurde, wollte sich Coeure nicht äußern. „Wir diskutieren das am 22. Januar und in dieser Frage ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagte der Zentralbanker.

Der französischen Zeitung „Liberation“ (Freitagausgabe) sagte Coeure unterdessen in einem separaten Interview: „Das Ziel von QE ist es, Vertrauen zu schaffen in die Fähigkeit einer Zenntralbank, die Inflation zu stabilisieren." Das Risiko einer Deflation - einer gefährlichen Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen - habe seit Sommer 2014 zugenommen. Alle Instrumente müssten von den politisch Verantwortlichen in Europa mobilisiert werden, um das Wachstum anzuschieben.

Von

rtr

Kommentare (7)

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G. Nampf

16.01.2015, 12:48 Uhr

EU heißt:

E-nteignung
U-nfreiheit

Herr Peter Noack

16.01.2015, 13:01 Uhr

Es geht der EZB und ihren Direktoriumsmitgliedern also nur noch um Hoffnung!

"... nach dem Vorbild der US Notenbank soll der Preisverfall in der Euro-Zone auf breiter Front verhindert, die Kreditvergabe in der Euro-Zone beflügelt und der schwächelnden Konjunktur auf die Beine geholfen werden."
Hier sind also die Ziele der EZB für das QE klar formuliert. Gesunkene Preise für Öl, Gas, Kupfer, Eisen Alu, Nickel, Zink usw. bei Agrarrohstoffen wie Weizen, Mais, Reis Baumwolle usw. müssen über kurz oder lang auch die Preise für Fertigprodukte sinken. Sind das dann die gefürchteten Zweitrundeneffekte? Was könnte die EZB wohl an sinkenden Rohstoffpreisen ändern?
Unorthodoxe Idee: Statt den Banken für 500 Milliarden Euro Staatsanleihen abzukaufen könnte man jedem EU Bürger vom Säugling bis zum Greis 1.000 Euro zuweisen. Die Summe wäre die gleiche. Die Wirkung eine völlig andere. Manche würden ganz schnell konsumiere. Andere würden Schulden abbauen und noch andere würden das Geld sparen, also zu den Banken bringen, die dann mehr Liquidität hätten. Die Zustimmung zum Euro und der EU würde dramatisch ansteigen. Das wäre dann die Initialzündung für dauerhaftes Wachstum. Der Euro würde stark steigen und teurere Rohstoffpreise würden keine Löcher in die Geldbeutel der Bürger reißen. Leider ist das nicht Ziel der EZB, oder? Wenn 1.000 Euro pro Kopf nicht reichen sollten, dürfen es gut und gerne auch 10.000 Euro für jeden sein. Man könnte Millionäre nicht beglücken, wenn man Geld sparen wollte. Das Geld könnte auf eine geprüfte Steuererklärung ausbezahlt werden.

Frau Ich Kritisch

16.01.2015, 13:07 Uhr

Wie kann der Ankauf von Staatsanleihen den Konsum steigern?

Durch den Ankauf hat keine Privatperson mehr Geld - also kann auch niemand mehr kaufen - also kann der Konsum nicht steigen.

Es sei denn - die Staaten verschulden sich mehr als jetzt - nehmen also zusätzliche Kredite auf - und stellen damit Leute ein oder pumpen das Geld z.B. in den Straßenbau. Dadurch wären mehr Menschen beschäftigt, würden mehr Geld in der Tasche haben und auch mehr Geld ausgeben.

Die zweite Möglichkeit wäre - der Eurokurs fällt noch weiter runter. Dadurch würden Importe in den Euroraum teurer - das würde statistisch dann so erscheinen, als ob der Konsum gestiegen sei. Nur, es würde tatsächlich weniger gekauft, denn viele könnten sich die teureren Importe nicht mehr leisten. Das heißt der Konsum würde Materialmäßig sinken. Ist es das was Draghi will? Die Schere zwischen arm und reich noch weiter öffnen?
Ich befürchte letzteres. Lohnsklaven brauchen eine Untterkunft (wird weiter in Euro bezahlt) und Essen (aus der EU wird in Euro bezahlt) und TV (billige TV-Shows reichen) mehr ist nicht notwendig.

Wir gehen vorwärts ins Mittelalter in eine Zeit die man die Dunkle nannte.

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