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09.04.2013

16:04 Uhr

EZB-Bericht

Euro-Krisenländer liegen beim Vermögen vorne

Menschen in Krisenländern der Euro-Zone und Steueroasen wie Luxemburg und Malta verfügen im Mittel über ein weit höheres Vermögen als die Deutschen. Das geht aus einem neuen Bericht der EZB hervor.

Euro-Geldscheine. Die EZB hat das Vermögen der Haushalte in der Eurozone untersucht. dpa

Euro-Geldscheine. Die EZB hat das Vermögen der Haushalte in der Eurozone untersucht.


Ausgerechnet die Haushalte in Krisenländern der Euro-Zone sowie in Steueroasen wie Luxemburg und Malta verfügen im Mittel über ein weit höheres Vermögen als die Deutschen. Das geht aus einer erstmals von der Europäischen Zentralbank (EZB) durchgeführten Studie über die finanziellen Verhältnisse der Bürger in der Währungsunion hervor, die am Dienstag in Frankfurt veröffentlicht wurde. Grund für das auffallend niedrige mittlere Vermögen zum Beispiel in Deutschland und Österreich ist die Zahl an Eigenheimbesitzern hierzulande und im Nachbarland: sie liegt bei unter 50 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau in vielen Länder Südeuropas, die besonders hart von der Schuldenkrise betroffen sind.

Den Daten zufolge besitzen Deutsche im Median 51.400 Euro, Österreicher 76.400 Euro. Im gerade erst vor der Staatspleite geretteten Zypern haben die Menschen im Mittel ein Vermögen von 266.900 Euro, in Italien von 173.500 Euro und in Spanien von 182.700 Euro. Allerdings geht hier nicht um das Durchschnittsvermögen - sondern um den Median, der den mittleren Haushalt in der Gesamtverteilung aller Vermögenswerte angibt.

Ganz oben auf der Liste stehen die Luxemburger, die im Mittel auf fast 400.000 Euro kommen. An der 2008 bis 2011 und damit lange vor den jüngsten Verschärfungen der Euro-Krise ausgeführten Studie hatten 62.000 Haushalte aus 15 der 17 Euro-Länder teilgenommmen. Nicht erfasst sind Vermögen in Irland und Estland.

Insgesamt genießen die Menschen in der Währungsunion trotz aller regionalen Unterschiede einen sehr hohen Lebensstandard: laut EZB besitzen 60 Prozent von ihnen ein Haus oder eine eigene Wohnung mit einem durchschnittlichen Wert von etwas mehr als 180.000 Euro. Fast ein Viertel hat zusätzlich mindestens eine weitere Immobilie mit einem Wert von etwas mehr als 100.000 Euro. Drei Viertel der Bürger der Euro-Zone verfügen zudem über ein eigenes Auto. Die Ungleichheit ist dennoch enorm: die zehn Prozent reichsten Haushalte besitzen die Hälfte des gesamten Vermögens.

Während fast alle Haushalte mindestens ein Bankkonto und viele auch einen kleinen Notgroschen haben, sieht es bei der privaten Altersvorsorge nicht annähernd so gut aus. Nur ein Drittel spart etwa in eine private Rentenversicherung oder Lebensversicherung fürs Alter. Wer es sich leisten kann, kauft zudem Wertpapierfonds und Aktien. Dies gilt vor allem für die reichsten 20 Prozent, von denen ein Viertel in Fonds investiert hat und ein Viertel Aktien sein Eigen nennt. Verschuldet sind 44 Prozent der Bewohner der Euro-Zone - entweder im Rahmen einer Hypothek auf das Eigenheim (23,1 Prozent) oder anderer Kredite, etwa Verbraucherkredite (29,3).

Von

rtr

Kommentare (8)

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Adam_Riese

09.04.2013, 16:15 Uhr

Sagen wir mal so, wer keine Steuern zahlt hat mehr netto und wer mehr netto hat, kann sich auch ein Eigenheim erlauben. Jetzt kann sich jeder selber ausrechnen, wieso z.B. in Italien oder Spanien jeder eine Hütte hat, aber der Staat pleite ist.

Account gelöscht!

09.04.2013, 16:31 Uhr

Wen überrascht das noch. Einerseits hat Deutschland eine ganz andere Sparkultur und wir waren nie gezwungen in Sachwerten zu sparen, weil wir ja eine vernünftige Währung hatten. Andererseits weiß jeder, dass bei Inflation diejenigen profitieren, die am dichtesten an der sprudelnden Geldquelle sitzen. Da die Kapitalzuflüsse/Geldmengenausweitung und Inflation im Süden viel stärker war als im Norden (schön vertuscht von der EZB mit einer mittleren Inflationsrate über alle Euro-Länder), blieb auch mehr dort kleben. Die verschiedenen Währunsgkulturen passen nicht zusammen und der deutsche Normalbürger wird entgegen der Propaganda der Verlierer sein. Die weichen Südeuros schwappen ja schon fleissig nach Deutschland und inflationieren die deutschen Immobilienmärkte.

Account gelöscht!

09.04.2013, 16:36 Uhr

Nun, das sind keine große Neuigkeiten, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Deutschland verarmt im Euro.

Jetzt würde ich aber gerne nochmal das große Mantra "Deutschland hat vom Euro profitiert" verifiziert wissen.

Wie schon ihr Schwesterblatt, die WiWo schrieb:
"Der Euro ist der größte nicht aufgezwungene Umverteilungsmechanismus, der je zu Lasten eines Landes (Anm. Deutschland) installiert worden ist. Eine politisch hochexplosive Langzeituntersuchung über die Vermögensverteilung in der Eurozone scheint das zu bestätigen."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Und Sie in der HB-Redaktion fragen sich, wieso die Menschen auf ihren Artikel "Deutsche finden den Euro gut" so aufgebracht reagieren.

Ich frage mich das nicht. Ich frage mich höchstens, wie die kalte Wut die in vielen Deutschen hochkommt, in demokratische Kanäle gelenkt werden kann. Sonst gibt es demnächst einen neuen Hitler.

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