Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.06.2013

12:05 Uhr

EZB-Chef

Draghi sieht keine schnelle Erholung

Mario Draghi dämpft die Erwartungen an eine Erholung in der Euro-Zone. Die Mitgliedsstaaten müssten sich auf einen langwierigen Prozess einrichten. Grund zur Panik gebe es allerdings auch nicht mehr.

Keine rosigen Aussichten: Der EZB-Chef warnt vor falschen Hoffnungen. AFP

Keine rosigen Aussichten: Der EZB-Chef warnt vor falschen Hoffnungen.

Shanghai/BerlinWenige Tage vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank hat EZB-Chef Mario Draghi Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Rezession gedämpft. „Die wirtschaftliche Situation im Euro-Raum ist weiterhin schwierig, aber es gibt ein paar Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung”, sagte Draghi am Montag auf einer Konferenz in Shanghai. Die Europäische Zentralbank (EZB) gehe daher davon aus, dass eine Erholung gegen Ende des Jahres nur „sehr allmählich” einsetzen werde. Die Industrie in der Euro-Zone sorgt momentan zumindest für einen kleinen Lichtblick. Die Talfahrt in diesem Wirtschaftszweig war im Mai so langsam wie seit 15 Monaten nicht mehr, wie aus einer Umfrage unter 3000 Firmen hervorgeht.

Der entsprechende Markit-Einkaufsmanager-Index stieg zum April um 1,6 auf 48,3 Punkte. Das Barometer liegt damit allerdings weiter unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson sprach von einem positiven Signal. „Trotzdem ist der Industriesektor noch merklich von einer Stabilisierung entfernt und damit eine Belastung für die Gesamtwirtschaft.” Die Daten legten zudem nahe, dass die Wirtschaftskraft im Euro-Raum im laufenden Quartal um 0,2 Prozent schrumpft und damit zum siebten Mal in Folge.

Die große Mehrheit der von Reuters befragten Experten rechnet trotz der hartnäckigen Rezession in der Euro-Zone nicht damit, dass die Notenbanker am Donnerstag den Leitzins unter das bereits rekordniedrige Niveau von 0,5 Prozent senken werden. Allerdings dürfte die noch etwas verhaltener als zuletzt klingende Konjunktureinschätzung Draghis dafür sprechen, dass die Zentralbank ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone etwas nach unten korrigiert.

Draghi hatte nach der jüngsten Zinssitzung im Mai davon gesprochen, dass die Erholung in der zweiten Jahreshälfte „allmählich” einsetzen werde. Bereits im März hatten die EZB-Volkswirte der Euro-Zone eine Rezession vorausgesagt: Demnach soll die Wirtschaftskraft des Währungsraums dieses Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen. Für nächstes Jahr wurde ein Plus von 1,0 Prozent veranschlagt. Ihre Wachstumsprojektion dürfte die EZB vorwiegend wegen der aktuellen Entwicklung leicht nach unten anpassen, meint EZB-Beobachter Michael Schubert von der Commerzbank. Er rechnet damit, dass die EZB-Volkswirte für dieses Jahr nunmehr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent veranschlagen.

Draghi verteidigte zudem seine Ankündigung vom vergangenen Sommer, unter bestimmten Bedingungen notfalls unbegrenzt Staatsanleihen strauchelnder Euro-Mitglieder aufzukaufen. Dabei sollten aber nicht die Rendite-Abstände zwischen den Staatsanleihen einzelner Länder verringert, sondern Übertreibungen vermieden werden. Die durch die verschieden stark ausgeprägte Wirtschaftskraft bedingten Unterschiede sollten bestehen bleiben, ein Ansteigen auf „Panik-Niveau” aber verhindert werden. Seine Worte hätten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Finanzmärkte zu beruhigen. Davon hätten Unternehmen, Banken und Haushalte gleichermaßen profitiert. Gleichwohl ermahnte Draghi die Regierungen in der Euro-Zone, die gewonnene Atempause für Reformen zu nutzen.

EU-Krisenpolitik ist auf dem richtigen Weg

Video: EU-Krisenpolitik ist auf dem richtigen Weg

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

rtr

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wolf

03.06.2013, 13:49 Uhr

Wachstum für nächstes Jahr in der Eurozone?
Erholung langsam aber sicher?
Er möchte zu optimistische Erwartungen dämpfen?

Richtig optimistisch wäre folgendes Szenario:
Griechenland geht aus Protest nicht wie abgesprochen einen Monat nach sondern einen Monat vor der Bundestagswahl pleite.

Account gelöscht!

03.06.2013, 14:06 Uhr

3 kind of lies:
Lies, damned lies and ecb predictions.

Account gelöscht!

03.06.2013, 14:59 Uhr

EZB-Präsident lobt Krisenkurs zur Beruhigung der Schuldenkrise.

Na ja...und was passiert hinter den Kulissen ?
Da kommen Dinge die nicht besonders prickelnd sind...:

....Mit einem neuen Plan wollen die Euro-Retter den ESM still und leise als einen europäischen Banken-Rettungs-Fonds in Stellung bringen. Euro- Gruppenchef Jeoen Dijsselbloem spricht von einer sehr sensiblen Angelegenheit, über die die Öffentlichkeit besser nicht allzu viel erfahren soll.....
Die Euro-Gruppe plant, die europäischen Banken-Rettungen über den ESM abzuwickeln. Demnach soll der deutsche Steuerzahler für alle Banken-Rettungen in Europa haften. Die Euro-Zone will das Modell erstmals mit den griechischen Bank-Krediten ausprobieren. So werden die Defizite der Süd-Staaten künstlich gesenkt. Das Risiko trägt der deutsche Steuerzahler. Der Bundestag hat bei dem Plan keinerlei Mitsprache.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×