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04.11.2011

15:05 Uhr

EZB-Chefvolkswirt

„Es drohen uns einige negative Überraschungen“

VonChristian Panster, Thomas Bauer

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark verteidigt die Leitzinssenkung der Notenbank – und dämpft gleichzeitig die Inflationssorgen. An Griechenland gewandt sagt er, dass Solidarität keine Einbahnstraße sei. 

Jürgen Stark, der Chefvolkswirt der EZB, verteidigte die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank. Reuters

Jürgen Stark, der Chefvolkswirt der EZB, verteidigte die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

FrankfurtFür die Stimme könne er nichts, sagt Jürgen Stark. Eine Erkältung sei schuld daran – und nicht, wie mancher jetzt vielleicht denken möge, die gestrige Sitzung bei der Europäischen Zentralbank. Obwohl, sagt der Chefvolkswirt, es wurde auch sehr viel geredet bei der EZB. Stark klingt heiser.

Eigentlich soll der Ökonom auf der 57. Kreditpolitischen Tagung im Hermann-Josef-Abs-Saal über Solidarität und Solidität im Euroland reden. Das tut er auch, aber erst später. Zunächst einmal rechtfertigt er die Leitzinssenkung der EZB. Viele Tageszeitungen hätten geschrieben, dass diese überraschend gekommen sei. „Das war es aber nicht“, sagt Stark.  Wer Herrn Trichet, dem früheren EZB-Chef, Anfang Oktober in Berlin genau zugehört hätte, dem wäre klar gewesen, dass einige Optionen möglich seien – auch eine Zinssenkung.

Stark, der sein Amt in den kommenden Wochen aufgeben wird,  will das klarstellen, gleich zu Beginn seiner Rede. Das ist ihm wichtig. Und das merkt man ihm auch an. Innerhalb der EZB kämpft Stark wie kein Zweiter für die Geldwertstabilität. Er verkündet lieber Zinserhöhungen als -senkungen. Doch diesmal muss es sein.

Die Entscheidung, den Leitzins auf 1,25 Prozent herab zu setzen, habe nichts mit Pragmatismus zu tun, sagt der Ökonom. Sie sei vielmehr nötig gewesen. Dies belegten aktuelle volkswirtschaftliche Daten. Uns drohten in den kommenden Wochen einige negative Überraschungen. Das Wirtschaftswachstum werde sich weiter verlangsamen.

Kommentare (14)

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Mazi

04.11.2011, 16:04 Uhr

Nachdem Deutschland jüngst eine um 55 Mrd. Euro erhöhte Verschuldung meldete, muss es jetzt erlaubt sein, zu fragen, ob die veröffentlichten Inflationsraten mit gleichem Sicherheitsgrad ermittelt und veröffetnlicht werden.

In des Bürgers Geldbeutel ermittelt sie sich die Infalationsrate jedenfalls anders.

AlfredEinstein

04.11.2011, 16:26 Uhr

Ist Stark nicht zurückgetreten?
Mein Wissensstand ist, dass Stark im September durch Asmussen ersetzt wurde.
Habe ich da etwas nicht mitbekommen?

gerhard

04.11.2011, 17:05 Uhr

…..In die Pflicht nimmt er vor allem aber die Griechen: Solidarität ist für Europa essentiell; sie dürfe aber keine Einbahnstraße sein. Die Hilfen dürften nicht zu einem Fass ohne Boden werden???

Bisher ist es aber eine Einbahnstrasse geblieben –und die EZB ist nicht ganz unschuldig gewesen- denn sie speicherte großzügig Griechenlands „bad Anleihen“ um angeblich die Eurostabilität dadurch zu erhalten?
Hier wurde also bereits mit der falschen „Straßenplanung“ angefangen. Es würde auch ohne Rettungsschirm gehen- die Lösung heißt Insolvenz – ohne diese kommt Griechenland nie auf die Beine. Insolvenz gab es schon häufiger bei Staaten – nur dort heißt es Inflation- die man durch eine Geldabwertung „heilt“. Mit einem "Fass ohne Boden" wurde so etwas noch nie gelöst.

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