Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2015

17:06 Uhr

EZB

Notkredite für Hellas-Banken um 1,2 Milliarden Euro aufgestockt

Die Europäische Zentralbank hat Kreisen zufolge die Notkredite für griechische Banken um 1,2 Milliarden Euro aufgestockt. Die sogenannten ELA-Hilfskredite sollen mittlerweile auf 73,2 Milliarden Euro angewachsen sein.

Die Notkredite für griechische Banken wurden angeblich deutlich aufgestockt. dpa

EZB in Frankfurt am Main

Die Notkredite für griechische Banken wurden angeblich deutlich aufgestockt.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat den griechischen Banken Kreisen zufolge deutlich mehr finanzielle Luft verschafft als in den Wochen zuvor. Die EZB habe die sogenannten ELA-Kredite („Emergency Liquidity Assistance“) um 1,2 Milliarden Euro aufgestockt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag und berief sich dabei auf eine mit der Entscheidung vertraute Personen. Die EZB erhöht in wöchentlichen Schritten die ELA-Hilfen, die laut dem Bericht auf mittlerweile insgesamt 73,2 Milliarden Euro angewachsen sind. Ein EZB-Sprecher wollte sich gegenüber Bloomberg nicht äußern.

In den Wochen zuvor waren die ELA-Hilfskredite in Tranchen von deutlich unter einer Milliarde Euro aufgestockt worden. Die griechischen Banken leiden unter Mittelabflüssen in Milliardenhöhe. Bürger und Unternehmen räumen wegen der ungewissen Zukunft des von der Pleite bedrohten Landes ihre Konten leer.

Die Reformliste der Griechen

Die Pläne

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur will die Regierungskoalition in Athen mit einem Mix aus Steuererhöhungen, Privatisierungen und Rückzahlungen von Steuersündern Geld in die leeren Staatskassen spülen. Die internationalen Geldgeber haben die Umsetzung konkreter Reformen zur Bedingung für die Auszahlung ausstehender Hilfsgelder gemacht.

Rentenreform

Zu den Plänen der griechischen Regierung gehört auch eine Rentenreform. Wichtigste Maßnahme: Arbeitnehmer sollen künftig erst im Alter von 67 Jahren in Rente gehen können. Eine Rente mit 62 Jahren soll es nur für jene geben, die mindestens 40 Jahre lang gearbeitet haben. Dieses Vorhaben gilt als besonders heikel, weil es zu den zentralen Wahlversprechen des Linksbündnisses zählte, dass die Renten nicht angetastet werden sollen.

Letzte Chance für Steuersünder

Zudem wollen die Steuerbehörden in den kommenden Tagen alle Griechen, die Schwarzgeld ins Ausland überwiesen haben, aufrufen, sich beim Finanzamt zu melden. „Wir wissen, wer sie sind, und geben ihnen eine letzte Chance, sich zu retten“, sagte ein hoher Beamter im Finanzministerium der Deutschen Presse-Agentur. In Athen liegen bereits die Listen Tausender Griechen vor, die in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 100.000 Euro ins Ausland überwiesen haben.

Finanzielle Erleichterungen

In Athen liegen bereits die Listen Tausender Griechen vor, die in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 100 000 Euro ins Ausland überwiesen haben. Bereits in der Nacht zum Samstag hatte das griechische Parlament erhebliche Erleichterungen für Personen und Unternehmen beschlossen, die mit ihren Steuern und Zahlungen an Sozialkassen im Rückstand sind. Steuerzahlern, die noch im März ihre Schulden begleichen, werden Bußgelder und Verzugszinsen erlassen. Auch sind zeitlich gestreckte Ratenzahlungen möglich.

So hoch sind die Ausstände

Athen hofft darauf, auf diese Weise bis zu 8,9 Milliarden Euro in die Kassen zu spülen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen bereits mehr als 100.000 Steuerzahler elektronisch bei den Steuerbehörden angemeldet haben, dass sie von dem neuen Gesetz Gebrauch machen wollen. Die tatsächlichen Außenstände sind allerdings viel höher: Laut Finanzministerium schulden rund 3,7 Millionen Griechen und 447.000 Unternehmen dem Staat etwa 76 Milliarden Euro.

Höhere Mehrwertsteuern

Darüber hinaus will Athen die Mehrwertsteuer für Touristeninseln in der Ägäis erhöhen - wie beispielsweise Mykonos und Santorin. Diese Pläne will Finanzminister Varoufakis aber offenbar doch nicht umsetzen. Auch für Hotels sollte die Mehrwertsteuer angehoben werden, ebenso wie die Steuern auf Tabakwaren und Alkohol. Unklar ist noch, wie die Regierung ihr Versprechen erfüllen will, die Reichen zur Kasse zu bitten.

Seit dem 11. Februar können sich griechische Banken bei der EZB kein frisches Geld mehr besorgen, weil die Notenbank Hellas-Staatsanleihen sowie staatlich garantierte Bankanleihen nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert. Die Institute sind daher auf die teureren Notkredite angewiesen, die die griechische Zentralbank vergibt. Der Umfang muss aber von der EZB genehmigt werden.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn

„Jeder rechnet mit dem Grexit“

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Ifo-Chef Sinn: „Jeder rechnet mit Grexit“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Ich Kritisch

09.04.2015, 17:56 Uhr

inzwischen ist es wirklich göttlich :-)

ist das nicht exakt der Betrag, zu dem griechische Banken gestern dem griechischen Staat T-Bills abgekauft haben?

und haften müssen dafür nun alle EU-Steuerzahler [...]

EU-Staatsfinanzierung auf griechisch. Nur noch schön - wenn es nicht so verdammt teuer wäre.

Meine Enkel haben Schulstundenausfall weil sich unser Staat nicht genug Lehrer leisten kann.
Am Auto meines Bekanten machen die Stoßdämpfer schlapp - Grund - zuviele Schlaglöcher auf dem Weg zur Arbeit.
Unsere Soldaten binden Besenstiele an die Wagen - Gewehre wären zu teuer.
Im Ort gibt es drei Rentner - die von der Hand in den Mund leben - die Rente ist zu niedrig und der Nebenjob dank Mindestlohn nun an jüngere gegangen

Aber die Griechen! Ja, die Griechen (zumindest die, die diese Parteien gewählt haben) leben weiter mit hohen Renten - fahren Auto auf von der EU subventionierten erstklassigen Straßen und liegen in der Sonne - wenn ich die Steuergelder für sie erarbeite.

Keine 10 Pferde bekommen mich jemals wieder in das Land!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Beo Bachter

09.04.2015, 17:56 Uhr

"Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den griechischen Banken Kreisen zufolge deutlich mehr finanzielle Luft verschafft als in den Wochen zuvor. Die EZB habe die sogenannten ELA-Kredite („Emergency Liquidity Assistance“) um 1,2 Milliarden Euro aufgestockt"

Naja somit ist zumindest das Rätsel gelöst, wie Griechenland seine IWF-Rate bezahlen konnte. Aber die EZB betreibt natürlich keine Staatsfinanzierung. Hoffe nur man zieht Mario Drucki die wissentlich nicht werthaltig rückzahlbaren, also sicher (teil-)ausfallenden Kredite von seiner Rente ab, wie uns, den normalen Dummbürgern, die für die EZB-Pleitepolitik ungefragt einstehen müssen.

Herr Manfred Zimmer

09.04.2015, 17:57 Uhr

Na, geht doch!

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir von unseren Politikern ganz schön für dumm verkauft werden.

Denken wir nur an unsere EZB, die sie gegründet haben und behaupten, sie nicht beaufsichtigen zu dürfen.

Was ist das für ein Spiel, das hier gespielt wird?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×