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23.12.2011

14:03 Uhr

EZB-Spitzenbanker

Bini Smaghi würde die Geldpolitik lockern

Im Falle einer stärkeren Konjunkturflaute hält der scheidende EZB-Spitzenbanker Lorenzo Bini Smaghi eine Lockerung der Geldpolitik nach dem Vorbild der US-Notenbank für möglich. Vollzieht die EZB einen Kurswechsel?

Lorenzo Bini Smaghi befürwortet eine deutliche Lockerung der Geldpolitik. dapd

Lorenzo Bini Smaghi befürwortet eine deutliche Lockerung der Geldpolitik.

FrankfurtDer scheidende EZB-Spitzenbanker Lorenzo Bini Smaghi hat für den Fall einer Deflation eine deutliche Lockerung der Geldpolitik ins Spiel gebracht. Bini Smaghi deutete an, dass die Europäische Zentralbank bei einer stärkeren Konjunkturflaute ein Programm zum Kauf von Staatsanleihen nach dem Vorbild der US-Notenbank auflegen könnte.

„Ich würde keinen Grund sehen, warum solch ein Instrument, das maßgeschneidert ist für die Besonderheiten der Euro-Zone, nicht verwendet werden sollte“, sagte der Italiener im Interview mit der „Financial Times“ (Freitagausgabe). Dies wäre angemessen in Ländern, die wegen Liquiditätsengpässen in eine Deflation rutschen könnten, sagte Bini Smaghi, der zum Jahresende aus dem Direktorium der EZB ausscheidet.

Notenbanken-Experten rätselten, ob Bini Smaghis Aussagen auf einen Kurswechsel der EZB hindeuten. Denn bisher sträubt sich die Zentralbank der Euro-Zone, wie ihre Pendants in den USA oder Großbritannien der Wirtschaft durch Anwerfen der Notenpresse zu helfen. Die Frankfurter Währungshüter pochen auf ihr Mandat, das nur die Gewährleistung von stabilen Preisen vorsieht. EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark räumte ein, die EZB lerne viel von den Märkten.

„Aber dann müssen die Märkte auch mal von uns lernen und gefälligst registrieren, dass die US-Notenbank und die Wall Street nicht das Modell für Europa gewesen sind, sondern Europa seine eigenen Traditionen und Gesetze hat“, sagte Stark, der ebenfalls zum Jahresende die EZB verlässt, der Zeitung „Die Welt“.

Bini Smaghi betonte, er verstehe die „quasi religiös geführten Diskussionen über die quantitative Lockerung nicht“. Beobachter der Notenbank reagierten überrascht: „Es ist das erste Mal, dass ich solche Kommentare von der EZB höre“, sagte Analyst Christian Schulz von der Beerenberg Bank. Allerdings sei Bini Smaghi Italiener und verlasse schon bald die EZB. „Es gibt andere, die wir stärker beachten sollten“, ergänzte Schulz. Nick Matthews von der Royal Bank of Scotland sagte, Bini Smaghi habe seine Botschaft sicher gut überlegt und wolle in der Debatte für mehr Gleichgewicht sorgen.

Schulz räumte zudem ein, dass die EZB im Falle einer Deflation - also beim Preisverfall auf breiter Front - auf Maßnahmen angewiesen sein könnte, die bisher als Tabu galten. Ähnlich war es beim umstrittenen Kauf von Staatsanleihen, mit dem die EZB hoch verschuldeten Ländern wie Spanien und Italien faktisch Luft bei der Refinanzierung verschafft.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

23.12.2011, 14:46 Uhr

Eine Kleinigkeit-die USA haben ein Finanzminister und er kontrolliert das Budget für die ganze Nation.Die EZB ist die Zentralbank einer Konföderation von Staaten und nicht die eines Bundestaates.Somit ist dieses Instrument für die Eurozone nicht geeignet.

Account gelöscht!

23.12.2011, 14:57 Uhr

Zum Glueck ist Bini Smaghi weg aus der EZB, auch wenn es da immer noch einen Italiener gibt, der seine Gedanken weiterfuehren koennte.

Hinsichtlich Deflation - im ganzen Elektronikbereich beispielsweise haben wird staendig Deflation. Und kein Bereich waechst staerker als dieser. Niemand kauft sich nichts, weil er es spaeter billiger kaufen koennte. Der Bereich boomt wie kein anderer.

Diese ganzen Deflations-Beschwoerer wollen nur endlos Geld drucken und beschwoeren damit eine noch groessere Krise herbei. Weg mit ihnen - sie sind die groesste Gefahr fuer unsere Finanzwirtschaft. Wir brauchen keine Leute, die staendig gratis Geld fordern und dafuer endlos drucken wollen.

www.steuerembargo.co.de

23.12.2011, 15:06 Uhr

Offensichtlich will niemand begreifen, dass es die Bev ölkerung langsam satt hat, sich dem Konsumzwang weiter zu unterwerfen!
Immer neue Ware zu kaufen, die sie in Anerkennung der Realität absolut nicht brauchen und das für Geld, das sie gar nicht haben, also auf Schulden! Und genau das führt zur Deflation, weil diese unsinnigen Waren viele nicht mehr haben wollen!

Da nützt es auch nichts, noch mehr Geld zur Verfügung zu stellen, denn ein immer größerer Teil der Bevölkerung wird sich nicht weiter verschulden wollen, nur um dem Kapital zu dienen! Die Banken, die das Geld haben werden, werden dafür keine Waren kaufen, sondern es in ihren Spielbanken einsetzen. Nur wenn da auch nur noch das Großkapital zockt, dann macht auch dieses Spiel keinen Sinn mehr!

Man muss langsam realisieren, dass ein Umdenken nötig ist auf ganzer Front, denn "Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind!"

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