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28.05.2011

15:49 Uhr

EZB-Volkswirt Stark

„Griechenland sollte ehrgeiziger sein“

EZB-Volkswirt Stark fordert von Griechenland, den Sanierungskurs konsequenter umzusetzen. Durch den Verkauf von Immobilien oder Unternehmen könne das Land bis zu 300 Mrd. Euro einnehmen.

Jürgen Stark, Mitglied im EZB-Direktorium, fordert von den Griechen stärkere Sparanstrengungen. Quelle: PR

Jürgen Stark, Mitglied im EZB-Direktorium, fordert von den Griechen stärkere Sparanstrengungen.

Berlin/AthenDas hoch verschuldete Griechenland könnte der EZB zufolge mit dem Verkauf von Tafelsilber weitaus mehr Geld einnehmen als bisher angepeilt. „Die griechische Regierung hält Anteile an börsennotierten Unternehmen, sie besitzt Immobilien“, sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark laut einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview der „Welt am Sonntag.“ Experten schätzten das Verkaufspotenzial auf bis zu 300 Milliarden Euro, sagte Stark. „Ein Teil dieser Werte muss mobilisiert werden, um den Schuldenstand zu senken.“ Bisher würden mit dem Privatisierungsprogramm 50 Milliarden Euro bis 2015 angestrebt. „Man sollte hier ehrgeiziger sein“, forderte Stark. 

Zudem bewirkten Privatisierungen mehr Effizienz in der gesamten Volkswirtschaft, betonte der EZB-Banker mit Blick auf Griechenlands Staatsbeteiligungen. Griechenland habe über Jahrzehnte eine falsche Wirtschaftspolitik betrieben und zuletzt über seine Verhältnisse gelebt. „Eine Kehrtwende ist unausweichlich und schmerzhaft.“ 

Stark attestierte der Athener Regierung erste Fortschritte bei der Umsetzung des Sanierungsprogramms, das EU und IWF zur Bedingung für Hilfen gemacht hatten. „Aber es bedarf einer Intensivierung der Anstrengungen.“ Griechenland sei kein Fass ohne Boden. Voraussetzung sei aber, dass die notwendigen Maßnahmen auf griechischer Seite umgesetzt würden. 

Forderungen nach einer Umschuldung Griechenlands erteilte Stark im Sinne der bisherigen Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) erneut eine Absage. „Die Annahme, es gebe für Griechenland eine einfache Lösung, die weniger schmerzhaft ist, halten wir bei der EZB für eine Illusion.“ An der Höhe der Schulden ändere sich wenig, die Reformbemühungen drohten aber zu erlahmen. „Mit einem harten Schuldenschnitt würde das Bankensystem dort kollabieren - die Wirtschaft auch“, warnte Stark. Er stellte sich zudem hinter Forderungen nach einer unabhängigen Privatisierungsagentur ähnlich der Treuhandanstalt in Deutschland. EU-Vertreter hatten Griechenland eine Privatisierung von Staatsbesitz nach dem Vorbild der Treuhand empfohlen, die den Verkauf des DDR-Vermögens geleitet hatte. 

Kommentare (47)

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Koboldo

28.05.2011, 16:40 Uhr

Es mag ja sein, dass das Tafelsilber 300 Mrd Euro wert ist. aber wenn es verscherbelt ist, sinken die Staatseinnahmen noch mehr und die Schulden Griechenlands steigen noch schneller! Solange keine radikalen Reformen des Steuer- und Sozialversicherungsrechts dort umgesetzt werden, sollte Griechenland keine weitere Unterstützung erfahren, denn das Geld ist verloren! Was bleibt, sind die 300 Mrd Euro Schwarzgeld, die die Oberschicht Griechenlands in der Schweiz gebunkert haben. Es soll bloß kein Politiker auf die Idee kommen und in dieser Situation Solidarität, die Geld kostet, von dt. Steuerzahlern einfordern!

imao

28.05.2011, 16:50 Uhr

Interessant bleibt indes, wie ausgewiesene Europa-Skeptiker hier Europa einheizen wollen, um zugleich auf ganz anderen payrolls zu stehen.

Kemal

28.05.2011, 16:50 Uhr

Dieses Land muß unter Kuratel.Zur Zeit des Imperium Romanum hat man wenigstens ordentliche Tributzahlungen aus dieser Provinz holen können.Dies wäre auch heute möglich !! Man könnte z.B. die Steuerhoheit für einen gewissen Zeitraum international versteigern lassen.Ein Investor hätte schon die Möglichkeiten Geld aus diesem Land zu ziehen.Notfalls müssten griechische Arbeitnehmer an chinesische Fabriken zur Leiharbeit vermietet werden.

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