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09.03.2012

15:39 Uhr

Facebook-Kampagne „Kony 2012“

Das Internet jagt einen Massenmörder

VonNils Rademacher

Entführung, Vergewaltigung und Mord: Seit 26 Jahren leiden die Menschen in Uganda unter dem Rebellenführer Kony. Aber wer kennt Kony schon? Eine Gruppe von Aktivisten will nun mit einer Web-Kampagne den Verbrecher an die Weltöffentlichkeit zerren.

Der „Messias“ Joseph Kony ist Rebellenführer in Uganda. Die von Kony angeführte Lord’s Resistance Army hat geschätzte 66.000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht und ist für die interne Vertreibung von 2 Millionen Menschen verantwortlich. dapd

Der „Messias“ Joseph Kony ist Rebellenführer in Uganda. Die von Kony angeführte Lord’s Resistance Army hat geschätzte 66.000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht und ist für die interne Vertreibung von 2 Millionen Menschen verantwortlich.

Düsseldorf„Ich wäre lieber tot, als in dieser Welt zu leben“, sagt Jakob ein Teenager aus Uganda. Der Junge musste mit ansehen, wie Soldaten der Rebellenarmee Lord’s Resistance Army (LRA) seinen Bruder umbrachten. Er bricht in Tränen aus und das Bild wird schwarz, während der Filmemacher Jason Russell versucht, ihn zu beruhigen. Jakob ist nur eins von tausenden Kindern, das vor der LRA auf der Flucht ist. Sollten sie gefangen werden, droht den Jungen ein Leben als Kindersoldaten - die Mädchen werden zu Sexsklavinnen.

Seit 26 Jahren terrorisiert der selbsternannte Gotteskrieger Joseph Kony auf einer Fläche von rund 100.000 Quadratkilometern zwischen Uganda, Zentralafrika, dem Kongo und dem Süden des Sudan die Menschen. Seit 2004 liegen mehrere internationale Haftbefehle gegen ihn vor - und dennoch betreibt er bis heute ungestraft sein erschreckendes Handwerk.

Über das Internet - allen voran Facebook, Twitter und Youtube - läuft zur Zeit eine beispiellose Kampagne: Ein Film gegen die Gräueltaten des „Messias“, der versucht die Augen der Weltöffentlichkeit auf die Situation in Uganda zu lenken. Und nebenbei Werbung für die gute Sache macht und zu Spenden aufruft.

„Die Technologie, die unsere Welt zusammengebracht hat, hilft uns auf die Probleme unserer Freunde zu reagieren”, sagt Jason Russell. Er und Laren Poole, zwei amerikanische Filmemacher, waren 2003 zum ersten Mal nach Afrika gereist, um dort den Völkermord in Darfur zu dokumentieren. Sie wurden Zeugen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gründeten ein Jahr später die Non-Profit-Organisation „Invisible Children“.

Diese Organisation steckt hinter der Internetkampagne „Kony 2012“, die den Rebellenführer bis Ende diesen Jahres hinter Gittern und zur Rechenschaft gezogen sehen will.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

09.03.2012, 21:02 Uhr

"Das Internet jagt einen Massenmörder"
Aha, wie darf ich mir das vorstellen? 20 Server meines Providers bewaffnen sich mit ein paar Firewalls und hüpfen lüfterheulend nach Uganda?

"Dabei überhöhen sie die Zahl der von der LRA verübten Morde und Entführungen und porträtieren Kony als das leibhaftige Böse selbst."
Oho, das ist schlimm! Wirklich schlimm! Da haben sie aus 20000 getöteten Kindern 30000 gemacht. Mensch, da ist dieser Kony ja gleich gar nicht mehr so böse, wie er im Video dargestellt wird. Eigentlich ein richtig netter Typ. Und jetzt hetzen diese blöden Amerikaner diesen armen Afrikaner.

"Ein Thema, das sich fast dreißig Jahre abseits der Öffentlichkeit befand, wird binnen zweier Tage ans Licht gezogen."
Wer verdreht denn jetzt hier bitte schön die Fakten?!

Casanova

09.03.2012, 23:24 Uhr

Die wohl pietätsloseste Marketing-Kampagne, die sich Facebook hat einfallen lassen können...
...kurz vor dem IPO ist offenbar jedes Mittel recht, das Unternehmen so öffentlichkeitswirksam wie möglich zu platzieren.

Ich verstehe den Erfolg bis heute nicht...als hätte selbst die westliche Welt in ihrer Historie noch nicht genug totalitäre Systeme erleben dürfen, deren mächtigstes Instrument immer die Kontrolle über weitreichende persönliche Informationen war. Und heute geben über 800 Millionen Menschen diese freiwillig preis.....

Mit besten Grüßen
Casanova

Ruediger-Kladt

10.03.2012, 09:51 Uhr

Es wird mit Übertreibungen weltweit für eine Menge Mist geworben. Und fast niemand regt sich darüber auf. In der Zielsetzung finde ich diese Kampagne völlig richtig und zeitgemäß - Öffentlichkeit nutzen, zur Meinungsbildung beitragen, Massenmörder vor den Kadi bringen. Und vielleicht gelingt es ja irgendwann auch, den Profiteuren von Krieg, Völkermord und Vertreibung das Handwerk zu legen. So simpel ist das.

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