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06.05.2015

02:42 Uhr

Fähren-Lizenz

USA erlauben Schiffsverbindung nach Kuba

Nach dem Ende der Eiszeit zwischen Kuba und den USA sollen Reisende nicht nur mit teuren Charterflügen auf die Insel kommen. Nach Angaben eines Fährunternehmens vergeben die USA nun Lizenzen für den Seeweg.

Übers Meer nach Havanna: Die USA erlauben offenbar eine direkte Fährverbindung nach Kuba. dpa

Havanna

Übers Meer nach Havanna: Die USA erlauben offenbar eine direkte Fährverbindung nach Kuba.

Washington/HavannaErstmals seit Jahrzehnten soll es nach dem Willen der US-Regierung wieder eine direkte Fährverbindung nach Kuba geben. Das bestätigte eine Sprecherin des Finanzministeriums in Washington der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Zunächst würden von Fall zu Fall aber nur Lizenzen an einige Unternehmen und keine allgemeine Erlaubnis erteilt.

Die Firma Baja Ferries teilte mit, sie habe vom Finanzministerium in Washington eine Lizenz erhalten. Der Anwalt von Baja Ferries, Robert Muse, begrüßte die US-Erlaubnis für eine direkte Fährverbindung. Dies sei ein Zeichen, dass es der Regierung von Obama mit normalen Beziehungen zu Kuba ernst sei. Er erhoffe sich einen erheblich erweiterten Handel und Personenverkehr zwischen den beiden Ländern, sagte Muse.

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„Das sind gute Nachrichten für uns“, sagte der chef der Firma, Joe Hinson, auf dpa-Nachfrage. Die Genehmigung der kubanischen Regierung stehe noch aus, aber möglicherweise könne bereits im September oder Oktober die erste Fähre ablegen. Angedacht seien dann drei oder vier Übernacht-Fahrten pro Woche von Miami nach Havanna, was einer Entfernung von rund 400 Kilometern entspricht. Erstmals habe sich die Firma vor fünf Jahren um eine entsprechende Lizenz beworben.

Vor der kubanischen Revolution im Jahr 1959 legten täglich zwischen Florida und Kuba Fähren ab. Amerikanische Touristen besuchten Hotels und Casinos in Havanna, Kubaner unternahmen abendliche Einkaufstrips in die USA.

Nach fast 50 Jahren diplomatischer Eiszeit im Verhältnis zu Kuba hatte US-Präsident Barack Obama im Dezember eine Normalisierung der Beziehungen angekündigt. Das Handelsembargo gegen den Karibikstaat soll demnach eine Reihe von Schlupflöchern vorsehen, darunter den Import einiger Produkte aus Kubas Privatsektor.

Inzwischen sind die jährlich mehr als 600.000 Reisenden auf teure Charterflüge angewiesen. Rund 80 Prozent von ihnen sind US-Bürger kubanischer Herkunft, die in der Heimat Verwandte besuchen. Viele reisen mit großen Mengen an Konsumgütern, die im sozialistischen Karibikstaat nicht erhältlich sind. Wegen der hohen Preise der Charter-Unternehmen und strengeren kubanischen Zollregeln ist die Einfuhr solcher Fracht in den vergangenen Jahren jedoch schwieriger geworden. Die Fährdienste könnten einen günstigeren Personen- und Güterverkehr ermöglichen, sagte Anwalt Muse.

Die Zeitung „Sun-Sentinel“ berichtete, auch die in Florida ansässigen Firmen Havana Ferry Partners, United Caribbean Lines Florida und Airline Brokers hätten eine Lizenz für Fährdienste nach Kuba erhalten.

Unterdessen teilte der Vatikan am Dienstag mit, Papst Franziskus werde den kubanischen Staatschef Raúl Castro am Sonntag zu einer privaten Audienz empfangen. Castro (83) traf zuvor zu einem mehrtägigen Besuch in der russischen Hauptstadt Moskau ein. Dort soll er am Samstag an der Feier zum 70. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland teilnehmen.

Franziskus hat bereits angekündigt, dass er im September vor einer bereits geplanten Reise in die USA als dritter Papst Kuba besuchen will. Bei der jüngst eingeleiteten Annäherung zwischen dem sozialistischen Karibikstaat und den USA hatte der Argentinier eine wichtige Rolle als Vermittler übernommen.

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