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11.02.2016

17:02 Uhr

Fairtrade

Geplante EU-Biostandards gefährden fairen Handel

Strengere Kriterien beim Import von Bio-Produkten – das strebt die EU mit einer neuen Verordnung an. Bei Importen aus Entwicklungsländern könnte der Schuss nach hinten los gehen, befürchtet die Organisation Fairtrade.

Weil viele Bauern aus Entwicklungsländer die von der EU geforderten Produktionsstandards nicht halten können, fürchten Fairtrade-Organisationen Einbußen für den fairen Handel. dpa

Fairtrade-Produkte bei der Messe „BioFach“

Weil viele Bauern aus Entwicklungsländer die von der EU geforderten Produktionsstandards nicht halten können, fürchten Fairtrade-Organisationen Einbußen für den fairen Handel.

NürnbergDie von der EU geplanten Standards für die Importe von Bioprodukten drohen nach Einschätzung der Organisation Fairtrade die Einfuhr fair gehandelter Produkte aus Entwicklungsländern zu gefährden. Gerade Kleinbauern-Kooperativen könnten sich die künftig verlangten teuren Zertifizierungsverfahren nicht leisten, befürchtet die Organisation, die sich für fairen Handel mit Erzeugern in Asien, Afrika und Lateinamerika einsetzt.

Dabei könne schon jetzt der Bedarf bei einigen fair gehandelten Produkten nicht voll gedeckt werden. „Bei Bio-Bananen mit dem Fairtrade-Siegel sind wir in Deutschland so gut wie ausverkauft“, sagte der Geschäftsführer von Fairtrade Deutschland, Dieter Overath am Donnerstag auf der Naturkostmesse Biofach in Nürnberg.

Erfolgreichste Fairtrade-Produkte (Umsatz 2012)

Kaffee

251 Millionen Euro (+6 Prozent gg. 2011)

Blumen

81 Millionen Euro (+ 173 Prozent)

Eiscreme

48 Millionen Euro (plus 214 Prozent)

Textilien

42 Millionen Euro (plus 157 Prozent)

Bananen/Südfrüchte

38 Millionen Euro (plus 76 Prozent)

Schokolade

15 Millionen Euro (minus 38 Prozent)

Süßwaren

14,5 Millionen Euro (plus 47 Prozent)

Sollte die EU-Kommission an ihren derzeit diskutierten Vorschlägen festhalten, würden viele Kleinbauern in den Entwicklungsländern den Zugang zum europäischen Markt verlieren, warnte der stellvertretende Chef von Fairtrade Italien, Antonio Compagnioni. „Das würde auch Fairtrade-Kleinbauernorganisationen hart treffen – vor allem in kleineren Entwicklungsländern“, ist er überzeugt.

Die EU-Import-Regelungen müssten zwar verbessert werden, sie sollten aber auf die besondere Situation von Kleinbauern in Afrika und Asien stärker Rücksicht nehmen. Die neuen EU-Standards sollen nach seinen Angaben vor allem in solchen Anbauländern gelten, die bislang noch keine bilateralen Verträge mit der EU über Bio-Standards abgeschlossen haben.

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Unterdessen wächst in Deutschland weiter die Nachfrage nach Fairtrade-Produkten. Bereits in den ersten drei Quartalen 2015 habe sich die der Absatz um 10 bis 15 Prozent erhöht. In einer ähnlichen Größenordnung dürfte sich das Wachstum im Gesamtjahr bewegen, sagte Overath. Am häufigsten griffen Verbraucher zu Kaffee, Bananen, Rosen und Kakao mit dem Fairtrade-Siegel. 2014 hatte die Organisation rund 102.000 Tonnen fair gehandelte Produkte in Deutschland abgesetzt.

Von

dpa

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