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24.02.2017

13:42 Uhr

Fall Kim Jong Nam

Kims Halbbruder mit Nervengift getötet

Der Verdacht hat sich jetzt bestätigt: Der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un, Kim Jong Nam, wurde mit einem Nervengift getötet. Auch eine verdächtige Frau leidet an Gift-Symptomen.

Der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators wurde am 13. Februar am Flughafen Kuala Lumpur vergiftet. Kurze Zeit später war er tot. AP

Kim Jong Nam

Der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators wurde am 13. Februar am Flughafen Kuala Lumpur vergiftet. Kurze Zeit später war er tot.

Kuala LumpurDer ältere Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un ist nach Angaben der malaysischen Polizei mit dem Nervengas VX getötet worden. An den Augen und auf dem Gesicht des Opfers Kim Jong Nam seien Rückstände des hochgiftigen chemischen Kampfstoffs gefunden worden, sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar am Freitag. Südkorea warf Nordkorea erneut vor, den Anschlag auf den erstgeborenen Sohn des früheren Diktators Kim Jong Il am 13. Februar auf dem Flughafen in Kuala Lumpur verübt zu haben. 

Das international geächtete VX gehört zu den „modernen“ Nervengasen wie beispielsweise Sarin. Schon geringste Mengen dieser Stoffe können zur Lähmung wichtiger Körperfunktionen und zu einem qualvollen Tod führen. Wie das Gift ins Land gelangen konnte, ist nach Angaben des Polizeichefs unklar: „Wir wissen es nicht, wir werden das untersuchen.“ 

Aufnahmen der Überwachungskamera

Dieses Video zeigt den mutmaßlichen Giftanschlag auf Kim Jong Nam

Aufnahmen der Überwachungskamera: Dieses Video zeigt den mutmaßlichen Giftanschlag auf Kim Jong Nam

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Auf die Frage, ob der Flughafen gemieden werden müsse, sagte er: „Ich weiß es nicht, ich bin kein Experte.“ Er kündigte an, dass Experten den Ort des Anschlags gründlich reinigen würden. 

Die Polizei verdächtigt zwei Frauen, bei dem Überfall den Kampfstoff auf das Gesicht ihres Opfers gesprüht oder gerieben zu haben. Hinweise auf einen Giftanschlag hatte es schon kurz nach dem rätselhaften Tod des 45-jährigen Kim Jong Nam in der vergangenen Woche gegeben. Doch eine Autopsie hatte zunächst keine Ergebnisse zur Todesursache geliefert.

Auch der Hintergrund der Tat ist noch ungeklärt. Südkoreas Vereinigungsministerium rief die kommunistische Führung in Pjöngjang am Freitag auf, sich zu der Tat zu bekennen. Das internationale Image des Landes werde sich durch den Fall weiter verschlechtern, sagte ein Sprecher. „Es wäre besser für Nordkorea, zu bekennen, dass es in den Mord an Kim verwickelt ist.“

Videos von Überwachungskameras im Flughafen zeigen, wie zwei Frauen sich einem Mann nähern, bei dem es sich um Kim handeln soll. Eine fasst mit ihren Händen von hinten um seinen Kopf herum, bevor sie sich entfernen. Der Überfall dauerte nur einige Sekunden, Kim brach Minuten später zusammen und starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Fall Kim Jong Nam: Ermittler verdächtigen Botschaftsmitarbeiter

Fall Kim Jong Nam

Ermittler verdächtigen Botschaftsmitarbeiter

Der Fall Kim Jong Nam erreicht die hohe Diplomatie: Malaysia verdächtigt einen Mitarbeiter der nordkoreanischen Botschaft, in den Tod des Halbbruders von Herrscher Kim Jong Un verwickelt zu sein.

Eine der beiden Verdächtigen hatte sich nach Angaben der Ermittler kurz nach dem Attentat übergeben müssen. Sie habe Symptome gezeigt, die durch die Einwirkung von VX entstehen könnten. Die beiden mutmaßlichen Täterinnen wurden festgenommen. Eine der Frauen kommt aus Vietnam, die andere aus Indonesien.

Der Fall sorgt seit Tagen für schwere diplomatische Verstimmungen zwischen Nordkorea und Malaysia. Pjöngjang hatte sich gegen den Verdacht gewehrt, in den Fall verwickelt zu sein und die Ermittlungen der malaysischen Behörden kritisiert. Auch warf es der Regierung in Kuala Lumpur vor, sich an einer von Südkorea ausgehenden Verschwörung zu beteiligen.

Die Ermittler verdächtigen unter anderen einen Angehörigen der nordkoreanischen Botschaft in Malaysia, mit der Tat in Verbindung zu stehen. Auch bat Malaysia Interpol darum, eine Warnung vor vier möglichen Tatbeteiligten aus Nordkorea auszugeben. Die vier Männer sollen Malaysia schon am Tag des Übefalls auf Kim Jong Nam verlassen haben. 

Von

rtr

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