Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.02.2013

13:46 Uhr

Fall Magnizki

Moskau prozessiert gegen Toten

Gegen den Willen seiner Familie wird der Prozess gegen den in Untersuchungshaft verstorbenen Anwalt Magnizki fortgesetzt. Er wurde festgenommen, nachdem er einen Korruptionsskandal staatlicher Stellen aufgedeckt hatte.

Der 2009 verstorbene Anwalt Sergej Magnizki. dpa

Der 2009 verstorbene Anwalt Sergej Magnizki.

MoskauDie russische Justiz treibt den Prozess gegen den 2009 in russischer Haft verstorbenen Anwalt Sergej Magnizki trotz Protests seiner Familie voran. Die nächste Anhörung sei auf Wunsch der Verteidigung auf den 4. März angesetzt worden, sagte eine Sprecherin des Moskauer Gerichts am Montag. Erstmals nahmen Pflichtverteidiger an einem Termin in dem Fall teil. Die Sprecherin wollte jedoch die Namen der Anwälte, die vom Gericht bestimmt wurden, nicht nennen. Bei der Anhörung war die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Laut Magnizkis früherem Auftraggeber, dem Investmentfonds Hermitage Capital Management, sollte bei dem Termin festgestellt werden, ob der Beschuldigte korrekt über den Prozess gegen ihn unterrichtet wurde und dies mit seiner Unterschrift bestätigt hat. Dies könne wohl nur an Magnizkis Grab geschehen sein, hieß es in einer Mitteilung des Fonds.

Magnizki hatte in Russland für die US-Anwaltsfirma Firestone Duncan gearbeitet und Hermitage Capital beraten. Er war inhaftiert worden, nachdem er einen Korruptionsskandal staatlicher Stellen aufgedeckt hatte. Er wurde 2008 wegen Steuerhinterziehung festgenommen und starb nach fast einem Jahr im Alter von 37 Jahren in Untersuchungshaft. Seine Familie hält den Prozess gegen den Verstorbenen für illegal und weigerte sich ebenso wie ihre Anwälte, an zwei vorangegangenen Anhörungen teilzunehmen.

Die Mutter des Juristen, Natalia Magnizkaja, bekräftigte ihre Auffassung am Montag in einem Schreiben, das von Hermitage Capital veröffentlicht wurde. Jeder Anwalt, der an einer Anhörung in dem Fall teilnehme, müsse wissen, dass er sich damit "unabsichtlich zum Komplizen dieses Verbrechens" mache, erklärte sie. Die Pflichtverteidiger sind neben Magnizki auch für den Chef von Hermitage Capital, William Browder, zuständig, gegen den der Prozess in Abwesenheit geführt wird.

Magnizkis Schicksal hatte den US-Kongress im Dezember zu Sanktionen gegen russische Funktionäre veranlasst, die für den Tod des Juristen verantwortlich sein sollen. Das russische Parlament beschloss als Reaktion darauf ein Gesetz zum Verbot von Adoptionen russischer Kinder durch US-Bürger. Der einzige wegen Magnizkis Todes angeklagte Beamte, der damalige Vize-Direktor des Gefängnisses, Dmitri Kratow, wurde Ende Dezember von einem Gericht in Moskau freigesprochen.

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Hagbard_Celine

18.02.2013, 14:21 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

USA

18.02.2013, 14:36 Uhr

Yes, we can!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×