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26.08.2012

16:56 Uhr

Falsche Zauberer

Eine Medizin, die unverwundbar machen soll

VonWolfgang Drechsler

34 Bergleute der Marikana-Mine in Südafrika starben im Kugelhagel der Polizei. Einige hatten gedacht, die „Muti“-Medizin habe sie unverwundbar gemacht. Doch selbst nach dem Blutbad ist der Glaube daran ungebrochen.

Protestanten machen am 16. August ihrem Unmut Luft. Reuters

Protestanten machen am 16. August ihrem Unmut Luft.

KapstadtDer kleine Hügel über der Platinmine von Marikana liegt da wie ein Mahnmal. Jeden Tag beten die streikenden Bergarbeiter auf dem blanken Fels für jene 34 Kumpel, die vor ein paar Tagen gleich unterhalb der Stelle von der südafrikanischen Polizei erschossen wurden. Die Bilder der mit Macheten, Knüppeln, Speeren und Schusswaffen ausgerüsteten Bergleute und ihr fast selbstmörderisch anmutendes Vorrücken auf eine Phalanx schwer bewaffneter Polizisten haben sich tief in die Psyche von Südafrika eingebrannt – und Fragen nach der Verantwortung und den Umständen des Blutbades aufgeworfen.

Dass es zu einer solch blutigen Eskalation kommen konnte, hat sicher auch mit der schlechten Ausbildung der vielen jungen Polizisten zu tun, die der gefährlichen Situation nicht gewachsen waren und um das eigene Leben bangten. Schließlich hatten die Minenarbeiter zuvor bereits zehn Menschen umgebracht, darunter zwei Polizisten. Mitschuld trägt aber auch die erbitterte Rivalität zweier Gewerkschaften und das konfuse Krisenmanagement des Unternehmens.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Eskalation der Lage wird hingegen oft kaum erwähnt. Es ist der Gebrauch von „Muti“, traditioneller afrikanischer Medizin aus Pflanzen oder Tierteilen, die in ganz Afrika weit verbreitet ist und die den Menschen angeblich außergewöhnliche Kräfte und Fähigkeiten verleiht – die Minenarbeiter fühlten sich so unverwundbar gegen die Kugeln der Polizei.

Verabreicht wird die Medizin von einem traditionellen Heiler, dem Sangoma. Ein solcher Medizinmann war offenbar auch zu der bestreikten Platinmine westlich von Johannesburg gebracht worden, um dort ein Muti-Ritual zu veranstalten. Dies könnte erklären, warum viele Arbeiter mit schier wahnsinnigem Mut auf die schwer bewaffneten und zum Schießen entschlossenen Polizisten zumarschierten – und alle Warnungen ignorierten. Nach Aussagen von Teilnehmern an dem Ritual soll der Sangoma ihnen versprochen haben, dass sie durch das Muti für die Polizei entweder unsichtbar oder dass sich die Kugeln der Ordnungshüter in Wasser auflösen würden.

Kommentare (2)

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pascal

27.08.2012, 00:13 Uhr

Da muss man gar nicht nach Kapstadt fliegen um solches zu erleben. Millionen glauben und applaudieren auh bei uns, wenn irgend ein Polit-Schamane im TV seine Weiseheiten und Eingebungen verkündet. Es soll ja tatsächlich noch Leute geben, welche an den Euro glauben.

Volkerseitz

27.08.2012, 18:24 Uhr

Die französische Zeitschrift "Jeune Afrique" berichtete im Juli, dass auch afrikanische Führungsriegen in West-und Zentralafrika auf Zauberei setzen. Alle fürchten ein "böses Schicksal" das Ihnen neidische Konkurenten bereiten könnten. Jeder hat einen Fetisch.Afrikanische Wissenschaftler beschreiben die okkulten Praktiken in Benin, Kamerun, der Elfenbeinküste,Gabun, Mali und dem Senegal.(nachzulesen: www.Bonner-Aufruf.eu) Ohne die Anrufung unsichtbarer Kräfte kann offenbar niemand regieren.Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

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