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14.12.2015

18:53 Uhr

Falscher Terroralarm

Franzose erfindet angeblichen IS-Messerangriff

Ein Lehrer einer französischen Vorschule hat einen IS-Angriff auf sich erfunden. Ein islamistischer Terrorist sei mit einem Messer auf ihn losgegangen. Doch im Verhör stellte sich heraus, dass der Mann gelogen hatte.

Alles nur eine Lüge?

Frankreich: Lehrer hat laut Justiz IS-Messerangriff erfunden

Alles nur eine Lüge?: Frankreich: Lehrer hat laut Justiz IS-Messerangriff erfunden

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ParisEin Franzose hat am Montag mit einem erfundenen Messerangriff eines angeblichen Anhängers der Terrormiliz Islamischer Staat für Aufregung gesorgt. Die Staatsanwaltschaft teilte am Nachmittag mit, dass die Geschichte falsch sei. Das angebliche Opfer sei verhört worden.

Der Vorschullehrer hatte nach Angaben der Behörden erklärt, er sei im Vorort Aubervilliers bei Paris von einem Mann angegriffen worden, der sich auf den IS berufen habe. Der angeblich mit einer Skimaske vermummte Angreifer habe vor Schulbeginn in Aubervilliers mit einem Teppichmesser und einer Schere auf den Lehrer eingestochen, sagte der Präfekt der Region Seine-Saint-Denis, Philippe Galli. Zu diesem Zeitpunkt seien schon andere Lehrer, aber noch keine Kinder an der Vorschule gewesen.

Wegen der Vorwürfe hatten die Behörden eine Fahndung nach dem angeblichen Täter ausgelöst. Nun erklärte die Staatsanwaltschaft, die Angaben hätten sich auf Informationen des Lehrers gestützt. Französische Medien hatten bereits berichtet, der Lehrer habe keine lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten.

Die Schauplätze des Terrors in Paris im November 2015

Das Bataclan

Der Musikclub am Boulevard Voltaire gehört zu den bekanntesten Konzerthallen der Stadt. Ein Sichtschutz versperrt am Sonntag den Blick auf den Eingang des Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert. Auf der Anzeigetafel wird noch für das Konzert der US-Rockband „Eagles of Death Metal“ geworben, bei dem mindestens 80 Menschen getötet wurden. Journalisten aus aller Welt stehen aufgereiht an den Absperrgittern, ein Meer aus Teelichtern, Blumen und kleinen Zetteln erinnert an die Opfer. Auf dem Pflasterstein liegt auch ein Notenblatt von John Lennons „Imagine“, umrahmt von herzförmig gelegten Kerzen. „Hier wird nichts mehr so sein, wie es war“, sagt Hermano, ein italienischer Tänzer. Er kenne das „Bataclan“ von seinen Abenden, er hat Tränen in den Augen.

Rue Alibert

Eine kleine Kreuzung im 11. Arrondissement, fünf Straßen kommen hier zusammen, graue fünfstöckige Häuser ohne größeren Charme. Vor zwei kleinen Bars, zwei Schauplätzen des Terrors, dieselbe Szenerie: Blumen, Kerzen, Zettel. Der metallene Rollladen des beliebten Le Petit Cambodge ist verschlossen, gleich gegenüber stecken Rosen in den Einschusslöchern des Cafés Le Carillon, einer weiteren stark frequentierte Bar. Die Speisekarte hängt noch an der Türe. Es drückt eine schwere Stille auf den Platz, auf dem am Sonntagmittag Dutzende Menschen zusammengekommen sind. „Das Leben wird weitergehen, aber es wird nicht wiederzuerkennen sein“, sagt Alain (48), der in der Straße wohnt.

Rue de la Fontaine-au-Roi

Nur wenige Schritte sind es von der Rue Alibert zur nächsten Kreuzung, an der der Terror seine Spuren hinterlassen hat. Auch vor dem Café Bonne Bière und dem gegenüberliegenden Restaurant Bar Cosa in der Nähe des beliebten Kanal Saint-Martin haben sich Trauernde und Neugierige versammelt, sie lesen die Zettel, die Mut machen sollen. „Trotzdem keine Angst“, heißt es da und „Wir gehen nicht unter“. Im Bonne Bière stehen noch Gläser auf den Tischen, vor der Bar Cosa verdeckt feiner Sand die teils noch immer deutlichen Blutspuren. Der Blumenhändler an der Kreuzung verpackt hektisch einzelne Rosen. „Natürlich ist mehr los als sonst“, sagt er.

Stade de France

Der Bereich, in denen zwei Bomben gezündet wurden, ist weiter abgesperrt. Polizisten bewachen die etwa 150 Meter der Avenue Jules Rimet entlang der Eingänge C bis G. Vor der Brasserie gegenüber von Tor D liegen noch zusammengekehrte Trümmer. Berichten zufolge wollte mindestens einer der insgesamt drei Attentäter seine Bombe eigentlich im Stadion zünden. Aber auch so wirkt die Nähe zum Stade de France, das am Freitag mit fast 80 000 Menschen gefüllt war, zwei Tage später noch beklemmend. Nur ein paar Meter sind es zum Finalort der EM 2016. Dort, wo am Freitagabend Fans teilweise Schutz auf dem Rasen suchten, herrscht am Sonntag Leere.

Seit der Pariser Terrorserie vom 13. November herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand. Der IS hatte sich zu den Anschlägen bekannt, bei denen 130 Menschen ums Leben kamen. In Propagandabotschaften rief die Terrormiliz ihre Anhänger auf, Lehrer und Schulen anzugreifen, weil das säkulare französische Bildungssystem die Gedanken junger Menschen vergifte.

Für die französischen Schulen gelten bereits seit den Anschlägen auf das Magazin „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt im Januar strenge Sicherheitsvorkehrungen. So bleiben die Türen während des Unterrichts verschlossen. Besucher müssen sich ausweisen. In Stichproben werden auch Taschen durchsucht.

Nach dem angeblichen Angriff vom Montag kam Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem nach Aubervilliers und versprach, die Sicherheit an allen Schulen des Landes weiter zu erhöhen.

Von

ap

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