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07.07.2012

08:56 Uhr

Familie im Nachbarland

Frankreich, einig Geburtenland

VonTanja Kuchenbecker

Frankreichs Erfolgsrezept in der Familienpolitik klingt simpel: Familie und Beruf vereinbaren. Dass dies auch in der Praxis funktioniert, liegt besonders am Staat - und an der Einstellung zu arbeitenden Müttern.

In Frankreich sind Mütter, die arbeiten, keine „Rabenmütter“. dpa

In Frankreich sind Mütter, die arbeiten, keine „Rabenmütter“.

ParisFrankreich ist seit Jahren mit durchschnittlich zwei Kindern pro Frau der Geburtenchampion von Europa. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Der Staat organisiert alles, von Krippen bis zu erheblichen Steuererleichterungen, damit die Frauen mindestens zwei Kinder bekommen. Vorschulen und Ganztagsschulen existieren schon seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Bei der Steuer wird nicht die Ehe gefördert, sondern die Kinderzahl. Das Einkommen einer Familie wird durch die Anzahl der Köpfe in der Familie geteilt, es gibt einen Familienquotienten und nicht nur Ehegattensplitting. Deshalb zahlt eine durchschnittlich verdienende Familie mit drei Kindern kaum Steuern. Kosten für Tagesmütter und auch Putzfrauen können bis zu 50 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Krippen gibt es für etwa 30 Prozent der Kinder. Daneben existiert ein staatlich organisiertes Netz von Tagesmüttern. In den Vorschulen haben alle Kinder ab drei Jahren einen gesetzlich garantierten Platz. Hier muss nur die Kantine bezahlt werden.

Beruf und Familie können dadurch gut vereinbart werden, weshalb auch Karrierefrauen sich häufig dafür entscheiden, mehrere Kinder zu bekommen. Zudem akzeptieren Unternehmen es in Frankreich oft, dass ein Elternteil, meist die Mutter, nur 80 Prozent arbeitet. Das Kindergeld ist dafür weniger großzügig. Erst ab dem zweiten Kind werden 127 Euro bezahlt. In Frankreich gibt es kein Elterngeld. Wenn ein Elternteil seine Berufstätigkeit unterbricht oder Teilzeit arbeitet, wird abhängig von der Kinderzahl Geld gezahlt, allerdings maximal knapp 800 Euro bei drei Kindern für ein Jahr. Wesentlich in Frankreich ist aber nicht nur die Politik, sondern die Einstellung. Weil der Staat schon so lange Familienpolitik aktiv betreibt, hat es sich in den Köpfen als normal durchgesetzt, dass Mütter arbeiten. Den Vorwurf, eine „Rabenmutter“ zu sein, hört man deshalb in Frankreich kaum.

Kommentare (10)

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07.07.2012, 09:40 Uhr

Zum Thema Familiensplitting:
Eine Familie mit einem Brutto-Arbeitseinkommen von 100.000 Euro (keine weiteren Einkommen, sonstige steuerliche Abzugsmöglichkeiten außer acht gelassen) zahlt in Frankreich gemäß Tarif für 2011 mit 0 Kindern Euro 15.867 Einkommensteuern, mit 1 Kind 13.084, mit 2 Kindern 10.301 und mit 3 Kindern 7.913. Alle anderen im Artikel genannten Maßnahmen zur Förderung der Familien sind dabei noch nicht berücksichtigt. Warum ist es nicht möglich, etwas Vergleichbares in Deutschland einzuführen?

Chris

07.07.2012, 09:48 Uhr

Der Kommentar ist so nicht richtig. Gefördert wird der Nationalismus. Schon vor dem 1. Weltkrieg wollte man viele kleine Franzosen haben und nun hat Frankreich sein Ziel gereicht: Es werden bedeutend mehr Franzosen als Deutsche geboren.

Account gelöscht!

07.07.2012, 10:04 Uhr

Das ändert aber nichts daran, daß man ein Familiensplitting hier einführen könnte und sollte.

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