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30.10.2015

13:30 Uhr

Familien in China

„Endlich wird die Ein-Kind-Politik abgeschafft“

VonStephan Scheuer

Aus Ein-Kind- wird Zwei-Kind-Politik: Die Entscheidung der chinesischen Regierung lässt Aktien von Windelherstellern kräftig steigen. Wissenschaftler hoffen auf mehr Konsum. Und auch ein US-Konzern jubelt.

Ende der Ein-Kind-Politik

China: „Wir brauchen neue Babys“

Ende der Ein-Kind-Politik: China: „Wir brauchen neue Babys“

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HefeiUnternehmer Robert Cao lässt sich im Schnellzug auf dem Weg nach Schanghai in seinen Sitz fallen. Draußen zieht die dicht bebaute Landschaft vorbei. „Endlich wird die Ein-Kind-Politik abgeschafft“, sagt er. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökonomisch sei der Beschluss der Parteiführung eine Richtungsentscheidung, sagt der Chef eines Automobilzulieferers mit 100.000 Angestellten.

Über mehr als drei Jahrzehnte gehörte die Ein-Kind-Politik zu einer der drakonischsten und umstrittensten Entscheidungen der chinesischen Führung. Der Reformarchitekt Deng Xiaoping hatte China den Kurs Ende der 1970er Jahre aus Sorge um einen dramatischen Anstieg der Bevölkerung verordnet.

Ohne die strikte Familienpolitik würden heute in China nach offiziellen Angaben schätzungsweise 300 Millionen Menschen mehr leben. Doch Demografen hatten die Politik schon seit Jahren als überholt kritisiert, und vor einer Überalterung der Gesellschaft gewarnt. Jede Chinesin bekommt demnach im Schnitt weniger als 1,6 Kinder - zum Vergleich: in Deutschland liegt dieser Wert bei 1,4.

Mit der Entscheidung der Parteiführung soll sich die Lage für China bessern. Künftig dürfen alle Paare in China zwei Kinder haben. 2013 hatte die Kommunistische Partei die Geburtenkontrollen bereits entschärft, und Paaren ein zweites Kind gestattet, wenn die Eltern bereits Einzelkinder waren.

Künftig könnten jährlich bis zu 2,5 Millionen mehr Kinder geboren werden, prognostizierte Professor Liang Jianzhang von der Peking Universität. Das könne den Binnenkonsum um 75 Milliarden Yuan (elf Milliarden Euro) antreiben, sagte er der chinesischen Zeitung Securities Times.
Andere Wissenschaftler prognostizierten hingegen geringe Auswirkungen auf die Geburtenrate. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten entschieden sich vermutlich nur wenige Eltern für ein zweites Kind, argumentierten sie. Demografie-Forscher Gu Baochang von der Renmin Universität in Peking sagte, bislang hätten nur 13 Prozent der Paare von den im Jahr 2013 gelockerten Regeln Gebrauch gemacht.

Chinas Verhältnis zu den Akteuren im Syrien-Konflikt

Russland

China und Russland pflegen gute Beziehungen, vor allem um ein strategisches Gegengewicht zur Supermacht USA zu bilden. Im UN-Sicherheitsrat stimmen beide Veto-Mächte häufig ähnlich ab. Intensiv ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. China kauft große Mengen Öl und Gas aus Russland. Trotz der nach außen demonstrierten Partnerschaft herrscht aber Misstrauen auf beiden Seiten.

Syrien

Chinas Interessen und Einfluss in Syrien sind begrenzt. Kritiker werfen China vor, neben Russland und dem Iran das alte Assad-Regime bewaffnet zu haben. Mit Russland hat China sein Veto gegen sechs UN-Resolutionen eingelegt. China unterstützt den Kampf gegen die IS-Terrormiliz, plädiert aber für den Einsatz friedlicher Mittel und für eine internationale politische Lösung.

Irak

China fürchtet eine Ausdehnung des Einflusses des IS im Irak, wo seine großen Energieinteressen bedroht wären. Der Irak ist nach Saudi-Arabien die zweitwichtigste Quelle für Chinas Ölimporte. Mit der Entwicklung der Ölfelder im Irak ist China der größte ausländische Investor des Landes geworden und nimmt mehr als die Hälfte der irakischen Ölproduktion ab.

Iran

Chinas Einfluss auf Teheran half beim Kompromiss im Atomstreit mit dem Iran. Peking verfolgt auch im Iran starke Energieinteressen. Chinesische Ölkonzerne entwickeln Öl- und Gasfelder. China hilft dem Iran bei Infrastrukturprojekten, liefert Gebrauchswaren, aber auch Rüstungsgüter. Mit der Zusammenarbeit will China dem Einfluss der USA in der Region begegnen.

Pakistan

China ist der engste Verbündete Pakistans, sein größter Handelspartner und Rüstungslieferant. Ihre Beziehungen, die auch von der Rivalität mit Indien getragen werden, gehen bis in die 60er Jahre zurück. China hilft Pakistan bei großen Infrastrukturprojekten.

Afghanistan

China spielt wirtschaftlich eine wachsende Rolle in Afghanistan, ist durch den Konflikt nicht vorbelastet und könnte Lücken nach dem Rückzug der USA und anderer Länder füllen. Es fürchtet selber Instabilität in Afghanistan, die militanten, muslimischen Uiguren helfen und sich auf die benachbarte chinesische Unruheregion Xinjiang auswirken könnte.

In einer Online-Umfrage des Nachrichtenportals Sina gaben 43 Prozent der Befragten an, trotz der neuen Regelung kein zweites Kind zu wollen. 29 Prozent sagten, sie wollten ein zweites Kind.
Über einen Mini-Aufschwung konnten sich aber bereits Hersteller von Babyprodukten freuen. An der Börse von Shenzhen stiegen etwa die Kurse der Babynahrungsfirma Beingmate und des Windelproduzenten C&S Paper bis zum Mittag um jeweils zehn Prozent.
Auch der Chef des US-Unterhaltungsriesen Disney, Robert Iger, freute sich über die Lockerung der Geburtenkontrolle. "Kinder sind natürlich gut für Disney", sagte er laut Nachrichtenagentur AFP Disney will im kommenden Jahr gemeinsam mit der chinesischen Shanghai Shendi Group einen Vergnügungspark in Shanghai eröffnen. Die Bauarbeiten für das 5,5 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) teure Projekt hatten im April 2011 begonnen. Nun hoffe er auf noch mehr Besucher, sagte Iger.

Kommentare (8)

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Herr Franz Paul

30.10.2015, 14:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Markus Bullowski

30.10.2015, 14:37 Uhr

Normalerweise sind es ja die Länder, die extrem viele Kinder haben, von denen die Probleme ausgehen. Zwei Kinder wäre dagegen wohl der weltweite Idealfall.

Herr Marc Otto

30.10.2015, 14:44 Uhr

Ich bewundere China und bin dort immer wieder sehr gerne.

Es ist ein Land, was von (nur) Chinesen regiert und sehr weise gelenkt wird. Weisheit und das langfristige Denken sind Tugenden, die für uns ein Beispiel sein sollten. Was China vollbracht hat, das ist eine Mega-Leistung (...)

(...) Darum wird China auch seinen Weg des Erfolges weiter gehen und sich immer mehr zu einer Supermacht entwickeln, die mit sehr hohen ethisch, moralischen Werten nach oben kommt.

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