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24.09.2015

19:15 Uhr

Farc-Rebellen und die Regierung

Der Frieden kommt auch nach Kolumbien

VonKlaus Ehringfeld

Farc-Rebellen und Kolumbiens Regierung schaffen den historischen Durchbruch beim gewalttätigsten Konflikt in Südamerika: Die Straffrage für Guerilla-Führer ist gelöst. Doch eine Hürde auf dem Weg zum Frieden bleibt noch.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (L) und der Chef der FARC-Rebellen Timoleon Jimenez, alias Timochenko (R), reichen sich die Hände, während Kubas Präsident Raul Castro (M) die Hände drüber hält. Der Frieden ließ seit Jahrzehnten auf sich warten. AFP

Kolumbien

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (L) und der Chef der FARC-Rebellen Timoleon Jimenez, alias Timochenko (R), reichen sich die Hände, während Kubas Präsident Raul Castro (M) die Hände drüber hält. Der Frieden ließ seit Jahrzehnten auf sich warten.

HavannaDie Reise zeigte die Tragweite der Übereinkunft: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und Farc-Chef Timoleón Jiménez alias „Timochenko“ reisten eigens nach Kuba, um den Frieden zu besiegeln. „Wir sind Kontrahenten und stehen auf verschiedenen Seiten, aber heute gehen wir in dieselbe Richtung, in Richtung Frieden", sagte Santos. Erstmals nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg scheint damit das Ende des Konflikts in dem südamerikanischen zum Greifen nahe.

„Spätestens in sechs Monaten von heute an heute werden wir den ältesten Konflikt in Kolumbien und auf dem ganzen Kontinents endgültig beenden“. Rebellen-Chef Timochenko betonte sogar, eine noch frühere Unterzeichnung sei möglich. „Dieser Sieg darf dem kolumbianischen Volk nicht mehr weggenommen werden“. Beiden Konfliktparteien war klar, dass es kein Zurück mehr gibt auf dem Weg zu einem Friedensvertrag, wenn in der Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit Einigung erzielt wurde.

Der Konflikt zwischen Regierung und Farc-Rebellen in Kolumbien

27. Mai 1964

Die Armee greift aufständische Bauern in den Anden an. Unter der Führung von Manuel Marulanda, genannt Tirofijo, gründen 38 Überlebende den Bloque Sur. Den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) gilt das als ihr Gründungsdatum.

1978

Als Führungsgremium der Guerillagruppe wird ein siebenköpfiges Sekretariat geschaffen. Mehr als tausend Farc-Kämpfer sind an sieben Fronten aktiv.

1984

Die Farc-Guerilla erklärt eine Waffenruhe und nimmt Verhandlungen mit dem kolumbianischen Staatschef Belisario Betancur auf.

1986

Die Patriotische Union (UP) tritt als politischer Arm der Rebellengruppe zur Parlamentswahl an und stellt den Juristen Jaime Pardo für die Präsidentschaftswahl auf.

1987

Rechtsextreme Paramilitärs ermorden Pardo und bringen in der Folge rund 3000 weitere UP-Mitglieder um.

1991

Regierung und Farc führen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas Gespräche bis Juni 1992.

1999

Beginn eines Dialogs mit Präsident Andrés Pastrana. Die Farc erhält die Kontrolle über ein 42.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Südosten.

2002

Die Farc-Guerilla verschleppt die grüne Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Präsident Alvaro Uribe kündigt ein hartes Vorgehen gegen die Guerilleros an.

2008

Kolumbianisches Militär tötet in Ecuador den FARC-Vizechef Raúl Reyes. Betancourt und 14 weitere Geiseln werden bei einem Einsatz des kolumbianischen Militärs aus der Hand der Guerilla befreit.

2010

Der ehemalige Verteidigungsminister Juan Manuel Santos wird zum Präsidenten gewählt. Er verspricht die Fortsetzung von Uribes Kampf gegen die Farc-Rebellen.

2011

Die Armee tötet den Farc-Kommandeur Alfonso Cano. Nachfolger wird Timoleón Jiménez alias Timochenko.

2012

Nach mehrmonatiger Vorbereitung werden in Havanna unter Vermittlung Kubas und Norwegens Verhandlungen aufgenommen.

2013

Einigung zur ländlichen Entwicklung, dem ersten der sechs Verhandlungskapitel sowie Einigung zur Beteiligung ehemaliger Farc-Mitglieder am politischen Geschehen.

2014

Einigung zum Kampf gegen illegalen Drogenanbau. Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Entwaffnung der Rebellen.

2015

Farc-Angriffe gegen Soldaten und Luftangriffe der Armee auf die Rebellengruppe weichen im Juli einer neuen einseitige Feuerpause seitens der Rebellen. Santos setzt daraufhin die Luftangriffe wieder aus.

Die Farc verkündet ihre Bereitschaft, sich in eine politische Bewegung umzuwandeln.

23. September 2015

Die Unterhändler einigen sich in Havanna auf den juristischen Rahmen zur Aufarbeitung des Konflikts. Binnen sechs Monaten soll es einen abschließenden Friedensvertrag geben. Santos trifft den Farc-Kommandeur Timochenko in der kubanischen Hauptstadt.

Die kolumbianischen Konfliktparteien haben den entscheidenden Durchbruch zu einem Friedensvertrag erzielt und sich in der Frage der strafrechtlichen Verantwortung für die Farc-Rebellen geeinigt. Zugleich verkündeten Santos, Rebellen-Chef „Timochenko“ und Kubas Präsident Raúl Castro am Mittwoch in Havanna den Fahrplan zur endgültigen Unterzeichnung des Abkommens. Dies soll spätestens am 23. März 2016 unterschrieben werden und damit den ältesten bewaffneten Konflikt auf dem amerikanischen Kontinent beenden.

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) hatten sich als Bauernguerilla gegründet und 1964 zu den Waffen gegriffen, um die ungerechte Landverteilung mit Gewalt zu ändern und eine Agrarreform durchzusetzen. Die Auseinandersetzungen, an denen auch andere Rebellengruppen sowie vor allem rechtsgerichtete Paramilitärs beteiligt sind, haben mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet. Bis zu sieben Millionen Kolumbianer hat der Konflikt zu Vertriebenen gemacht. Auch wenn sich Teile der Farc inzwischen dem Drogenhandel verschrieben haben, verfolgen die Linksrebellen noch immer eine politische Agenda.

Kolumbien: Friedensvertrag mit Farc in greifbarer Nähe

Kolumbien

Friedensvertrag mit Farc in greifbarer Nähe

Durchbruch bei Friedensverhandlungen: Kolumbiens Regierung und die Farc-Rebellen habe sich über den juristischen Umgang mit Verbrechen geeinigt. Unter anderem soll es eine Amnestie für Farc-Kämpfer geben.

Die Frage der strafrechtlichen Verantwortung für die Guerilleros war das größte Hindernis, das Rebellen und Regierung aus dem Weg zu einer dauerhaften Lösung des Konflikts aus dem Weg räumen mussten. Die FARC haben während der fast drei Jahre dauernden Unterredungen immer darauf bestanden, Opfer und nicht Täter zu sein. Die Rebellen-Führung und die Verhandlungsdelegation in Havanna beriefen sich auf ein im Völkerrecht verankertes Recht zur Rebellion und lehnten ab, für ihre Taten ins Gefängnis zu gehen.

Das nun erzielte detaillierte Abkommen zur sogenannten Übergangsjustiz sieht hingegen vor, dass für politische Straftaten eine weitreichende Amnestie gewährt wird. Für Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwere Kriegsverbrechen wird es hingegen keinen Straferlass geben.

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