Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.09.2011

21:22 Uhr

Fatca

Finanzbranche zittert vor US-„Monstergesetz“

VonFlorian Zerfaß

Mit einer Strafsteuer will der US-Fiskus Finanzinstitute weltweit zwingen, Steuerdaten zu erheben und direkt an das Finanzamt zu übermitteln. Die Branche wird zum Handlanger der Steuerfahnder – und fürchtet hohe Kosten.

Finanzminister Timothy Geithner verschreckt die Finanzbranche mit Fatca. Reuters

Finanzminister Timothy Geithner verschreckt die Finanzbranche mit Fatca.

FrankfurtDer amerikanische Fiskus nimmt Steuerhinterzieher weltweit ins Visier: Mit neuen Vorschriften für Banken, Versicherungen und Fonds wollen die USA im Ausland versteckte Vermögen von US-Steuerpflichtigen aufspüren. „Fatca“ (Foreign Account Tax Compliance Act) heißt das Gesetz, das schon im Namen ganz unverhohlen zeigt, wem es gilt: schwerreichen Amerikanern, im Volksmund „Fat Cats“ genannt.

Die globale Jagd des US-Fiskus auf die fetten Katzen stellt Finanzinstitute aus aller Welt vor ein dickes Problem: Nicht-amerikanische Institute müssen sich verpflichten, ihre Kunden umfangreich zu überprüfen und US-Steuerpflichtige direkt an das amerikanische Finanzamt zu melden – oder eine Strafsteuer von 30 Prozent auf jedes US-Geschäft zahlen. Die Umsetzung der Vorgaben wird aufwändig und teuer. „Die neuen Regelungen sind für die Finanzbranche eine echte Herausforderung“, sagt Marcus Frei, Experte für den Finanzbereich bei der Unternehmensberatung Accenture. „Das kostet die Institute eine Stange Geld, ohne dass sie irgendeinen Vorteil durch die neuen Vorschriften haben.“

Besonders Banken sind von Fatca betroffen, aber auch sämtliche anderen Finanzinstitute – Versicherungen, Anlagefonds, Hedgefonds, Private Equity-Firmen. Viele Experten glauben, dass das Gesetz die weltweite Finanzindustrie weit mehr kostet als die 8,7 Milliarden Dollar Steuermehreinnahmen, die sich der US-Fiskus erhofft. Die Neue Züricher Zeitung sieht in Fatca gar ein "Monstergesetz".

Wie die deutsche Finanzbranche sich auf Fatca vorbereitet

Banken

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sowie der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken arbeiten an Rahmenlösungen für die EDV, die sie ihren regionalen Mitgliedern anbieten. Auf sie kommt einiger Aufwand zu: Jedes regionale Institut muss einen eigenen Vertrag mit dem IRS abschließen. Großbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank untersuchen die Fatca-Umsetzung in Vorstudien. Die Commerzbank will sich nicht zum Status der Vorbereitung äußern, aus Kreisen der Deutschen Bank ist zu hören, dass die Vorstudien abgeschlossen sind und nun die konkrete Umsetzung geplant wird.

Versicherungen

Die Versicherer hängen ziemlich in der Luft. „Es gibt in den Veröffentlichungen der IRS bislang relativ wenige konkrete Regelungen zum Versicherungsbereich“, sagt Volker Landwehr, man wisse bislang weder, welche Versicherungsprodukte überhaupt betroffen seien, noch, welche Kundendaten in welcher Form an die US-Behörden übermittelt werden müssen. „Die Bedingungen sind noch weitgehend unklar.“ Erst in künftigen Veröffentlichungen wird der IRS sich zu den Versicherungen äußern - das Zeitfenster für die Umsetzung ist damit noch kleiner als für die Banken.

Investmentfonds

Entspannung gibt es dagegen an der Fonds-Front. Da die Fondsanteile der Anleger in der Regel in einem Bankdepot gehalten werden, setzt der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) darauf, die Kunden nicht zusätzlich überprüfen und melden müssen. Holger Sedlmaier vom BVI: „Dann würden die Auswirkungen von Fatca kaum einen Anleger betreffen. Denn wir gehen davon aus, dass nahezu alle Banken künftig die Fatca-Verpflichtungen erfüllen werden.“

Wer den Fatca-Vertrag mit dem US-Finanzamt Internal Revenue Service (IRS) abschließt, kommt zwar um die Strafsteuer herum – muss aber dafür als Handlanger des IRS agieren. „Finanzinstitute werden gezwungen, ohne Gegenleistung weltweit für den US-Fiskus Steuerinformationen einzusammeln“, kritisiert Michael Schneebeli, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Zürich.

Für die deutschen Institute entstehen durch die Umsetzung von Fatca Kosten, die laut Heinz-Udo Schaap vom Bundesverband Deutscher Banken (BDB) mehrere hundert Millionen Euro erreichen können. „Es muss dringend noch wesentliche Erleichterungen geben“, sagt Schaap. Derzeit hoffen die Banken manche Vorgaben noch kippen zu können. Beim Dachverband „Die deutsche Kreditwirtschaft“ - hier sind Bankenverband, Sparkassenverband, Volks- und Raiffeisenbanken, öffentliche Banken und Pfandbriefbanken organisiert – ist derzeit ein Acht-Punkte-Papier in Abstimmung, das spätestens nächste Woche an den IRS gehen soll.

Nach den derzeitigen Vorstellungen des IRS sollen Finanzinstitute zum Beispiel ihren Kundenbestand nach genauen Vorgaben auf Hinweise für eine mögliche US-Steuerpflicht überprüfen. Und das nicht bloß einmalig, sondern in regelmäßigen Abständen. Der IRS gibt sechs Kriterien vor, die die Banken zu überprüfen haben – dabei verfügen sie gar nicht über alle nötigen Daten. Zum Beispiel wissen die Banken nicht, ob ein Kunde eine Green Card hat. Frei: „Für die Banken bedeutet das, dass sie bei ihren Bestandskunden die elektronische Kundenverwaltung neu aufsetzen und ihre Prozesse zur Aufnahme von Neukunden anpassen müssen.“

Wenn ein Konto als möglicher US-Account identifiziert ist, müssen die Banken detaillierte Angaben melden, zum Beispiel Name, Adresse, US-Steuernummer (TIN), Kontostand zum Jahresende, Dividenden, Zinsen und Veräußerungserlöse. Das Bankgeheimnis ist passé. Wenn Datenschutzvorschriften entgegenstehen, sollen die Banken von ihren Kunden eine Einverständniserklärung einholen – und hartnäckigen Verweigerern das Konto kündigen.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.09.2011, 21:56 Uhr

Was sagt es aus ueber ein Land, das sich solche internationalen Peinlichkeiten geben muss, um an ihre eigenen Steuersuender heranzukommen? Verzweiflung? Panik? Hirntod?

broker1

27.09.2011, 21:59 Uhr

schau an , schau an , kleine bolschewiken wohin man schaut. was ist aus dem land of the free geworden ?

Baer-liner

27.09.2011, 22:23 Uhr

Fat cat,
wenn die US-Amerikaner glauben, so ihre Giga-Schuldenprobleme lösen zu können, dann sind sie mehr als naiv.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×