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07.06.2017

08:54 Uhr

FBI soll Fake News vermuten

Die Katar-Krise – das Werk russischer Hacker?

FBI-Ermittlungen zufolge könnten russische Hacker für die Krise in der Golfregion verantwortlich sein. Das berichtet der US-Sender CNN. Die Nachrichtenagentur Katars habe einen gefälschten Artikel veröffentlicht.

Einem CNN-Bericht zufolge ist eine Fake-News-Kampagne russischer Hacker für die Eskalation in der Golfregion verantwortlich. dpa

Die Außenminister Russlands und Katar (Bild von 2015)

Einem CNN-Bericht zufolge ist eine Fake-News-Kampagne russischer Hacker für die Eskalation in der Golfregion verantwortlich.

Düsseldorf/DubaiDie Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Katar waren noch nie sonderlich einfach. Aber der Auslöser für die aktuell schwere Krise in der Golfregion schien verhältnismäßig klein: Katar unterstütze Terrorgruppen – ein Vorwurf, der seit Jahren bekannt ist – und habe zudem Iran-freundliche Aussagen getätigt. Mehrere Staaten unter Führung von Saudi-Arabien hatten daraufhin am Montag alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen.

Jetzt berichtet der US-Nachrichtensender CNN, die Iran-freundlichen Aussagen seien so nie gefallen. Einem FBI-Bericht zufolge sei eine Fake-News-Kampagne russischer Hacker für die Eskalation in der Golfregion verantwortlich.

Bereits vor zwei Wochen reisten CNN zufolge Experten der US-Bundespolizei nach Katar, um einen mutmaßlichen Cyberangriff zu untersuchen. Bei den Ermittlungen fanden FBI-Mitarbeiter heraus, dass russische Hacker eine Geschichte in der staatlichen Nachrichtenagentur platziert hätten. Darin standen laut der Regierung Katars falsche Informationen über positive Aussagen der katarischen Regierung gegenüber Iran und Israel.

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Die Wirtschaft ist besorgt wegen des Konflikts am Golf: Der bedeutende Investor Katar ist auch der weltgrößte Flüssiggasexporteur. Außenminister Gabriel spricht von der „Trumpisierung“ des Mittleren Ostens.

„Alles, was uns vorgeworfen wird, basiert auf falschen Informationen und wir denken, dass die gesamte Krise auf falschen Informationen basiert“, sagte der katarische Außenminister Sheikh Mohammed Bin Abdulrahman al Thani laut CNN. Das FBI habe den Angriff und die Platzierung der Fake News bestätigt. Aus Kreisen der US-Regierung heißt es, die russische Regierung versuche die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und seinen Verbündeten zu schwächen.

In den vergangenen Monaten gab immer wieder Berichte über Wahlmanipulationen russischer Hacker in den USA, Frankreich und anderen Ländern. Ob die russische Regierung selbst oder frei agierende Hacker für den möglichen Angriff auf Katars staatliche Nachrichtenagenturverantwortlich sind, ist noch unklar. Weder FBI noch CIA wollten sich gegenüber CNN dazu äußern. Eine Sprecherin der katarischen Botschaft in Washington sagte dem US-Sender, die Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, aber Ergebnisse würden bald veröffentlicht.

Am Montag hatte die von Saudi-Arabien angeführte Staatengruppe ihre diplomatischen Verbindungen zu Katar abgebrochen und alle Verkehrsverbindungen gesperrt. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain werfen Katar vor, Islamisten und den Erzfeind Iran zu unterstützen, was die Regierung in Doha zurückweist.

Nach harschen Worten von US-Präsident Donald Trump haben die Vereinigten Staaten Katar aufgefordert, seinen Kampf gegen den islamistischen Terror zu verstärken. „Es hat Fortschritte gegeben, aber es muss noch mehr getan werden“, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington.

Der Konflikt in Katar

Warum ist das Emirat Katar so wichtig?

Das Land hat nur rund 270.000 Staatsbürger - ist aber weltweit der größte Produzent von flüssigem Erdgas und teilt sich ein gewaltiges Unterwasser-Gasfeld mit dem Iran. Außerdem werden vom Luftstützpunkt Al-Udeid aus Angriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition gegen die Terrormiliz im Irak und in Syrien geflogen.

Die Rolle der Medien

Zudem ist in Katar das Nachrichten-Netzwerk Al-Dschasira ansässig, das in Verhandlungen mit Gruppierungen, von denen sich viele Regierungen lieber fernhalten, oft eine größere Rolle spielt. So half das Netzwerk beispielsweise dabei, Mitglieder der Herrscherfamilie aus einer Geiselnahme zu befreien. Außerdem sicherte Al-Dschasira die Freilassung von Geiseln im syrischen Bürgerkrieg.

Warum steht Katar im Konflikt mit den mächtigsten arabischen Ländern?

Spannungen zwischen Katar und Saudi-Arabien sind bereits vor zwei Wochen an die Oberfläche getreten. Katar gab an, dass die staatlich geführte Nachrichtenagentur und der offizielle Twitter-Account des Landes gehackt worden seien, um eine Falschnachricht zu verbreiten. Darin soll der katarische Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, den Iran eine „regionale und islamistische Macht, die nicht ignoriert werden kann“ genannt haben.

Kampagne in den Medien

Medien auf der arabischen Halbinsel ignorierten das Dementi Katars und verbreiteten weiterhin den Kommentar, während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten den Zugang zu Al-Dschasira und mit dem Netzwerk verbundenen Seiten blockierten. Saudische Medien starteten eine aggressive Kampagne, die Katar vorwarf, Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen - und damit die Region zu destabilisieren und Verbündeten in den Rücken zu fallen. Weitere Medien schienen sogar einen Machtwechsel in Katar zu befürworten und warfen dem Emir vor, ein Geheimtreffen mit den Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarde, Kassem Soleimani, abgehalten zu haben.

Vorwurf der Unterstützung der Muslimbruderschaft

Die Vereinigten Arabischen Emirate schienen wegen Katars Unterstützung von Islamisten in der Golf-Region und Libyen schon länger verärgert zu sein. Saudi-Arabien und Ägypten werfen Katar zudem vor, die als Bedrohung eingestufte Muslimbruderschaft zu unterstützen. Saudi-Arabien hält Katar außerdem vor, vom Iran gestützte Terroristengruppen in seiner Provinz Katif und dem angrenzenden Bahrain sowie Rebellen im Jemen zu fördern. Auch westliche Regierungen haben Katar vorgeworfen, sunnitische Extremisten wie den Al-Kaida-Zweig in Syrien zu dulden oder sogar zu fördern. Das Land unterstützt außerdem die Hamas im Gazastreifen.

Was sind die Konsequenzen des Streits?

Die Kappung der Verbindungen könnte für Katar längerfristige wirtschaftliche Konsequenzen haben - die sich wiederum auf Millionen von Wanderarbeitern und Auswanderern übertragen würden. Ein Großteil der Nahrungsmittel für Katar kommt aus Saudi-Arabien über die einzige Festland-Grenze Katars, die Saudi-Arabien nun aber geschlossen hat.

Risiko des Konflikts

Nach Angaben des Risiko-Beratungsunternehmens Eurasia Group ist die Gefahr eines Staatsstreiches erheblich gestiegen. Eine Änderung in der Regierung Katars könnte auch Fragen über die Zukunft des US-Luftstützpunktes aufwerfen und die Hamas ihren bisher größten Gönner kosten.

USA als Schlichter

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Parteien dazu auf, ihre Streitigkeiten beizulegen. Saudi-Arabien hat den sich im Land aufhaltenden Katarern eine Frist von 14 Tagen gegeben, um das Land zu verlassen. Zudem sollen Saudis Katar weder bereisen oder sich dort ansiedeln. Katar zog seine Truppen aus der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im Bürgerkriegsland Jemen zurück. Ägypten und Saudi-Arabien schlossen den Luft- und Seeraum für Katar - was vor allem die Fluglinie Qatar Airways betrifft, einen der größten Passagierbeförderer der Region. Die saudische Fluglinie Ethihad Airways, FlyDubai und die größte Fluggesellschaft im Nahen Osten, Emirates, stellten Flüge nach Katar ein.

Gibt Katar nach?

Katar bestreitet seine Unterstützung für Terroristengruppen in Syrien und anderen Länder. Und das, obwohl dem Land vorgeworfen wird, sunnitische Rebellengruppen zu fördern, die die syrische Regierung des Amtes entheben wollen. Offenbar ging katarisches Geld auch an Gruppen wie die Muslimbruderschaft. Die katarischen Herrscher zeigen sich von dem Konflikt bisher jedoch unbeeindruckt. Medien des Landes verbreiteten eine Karikatur, die sich darüber lustig machte, dass der saudische König Salman Fake News verbreite.

Katar gegen Saudi-Arabien

In der vergangenen Woche hatte Katars Emir den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani angerufen, um ihm zu Wiederwahl zu gratulieren - eine klare und offene Widerlegung saudischer Bemühungen, Katar auf Linie zu bringen. Der Emir Katars könnte sein Land aus dem Golf-Kooperationsrat zurückziehen.

Wie geht es weiter?

Bereits vor drei Jahren hatten mehrere Golfstaaten wegen Katars Unterstützung für die Muslimbruderschaft ihre Botschafter für neun Monate aus Katar abgezogen. Details des Abkommens, das den Konflikt damals löste, wurden nie offiziell bekannt - aber darunter waren Zusagen Katars, die Förderung der Bruderschaft einzustellen. Die aktuellen Forderungen an Katar sind derzeit noch verschwommen, es könnte jedoch zu einem ähnlichen Ablauf wie vor drei Jahren kommen - oder beide Seiten könnten sich noch mehr in ihre Positionen verbeißen.

Die Sprecherin beteuerte am Dienstag, die USA wollten in der jüngsten Auseinandersetzung Katars mit Saudi-Arabien und den anderen Golf-Staaten nicht Partei ergreifen. Außenminister Rex Tillerson habe angeboten, zu vermitteln. „Es hat ein Zerwürfnis gegeben und der Minister hat angeboten, dabei zu helfen, es zu kitten“, sagte die Sprecherin. „Wir werden weiterhin mit Katar und anderen Ländern in der Region kooperieren, um den Terrorismus zu bekämpfen.“

US-Präsident Trump hatte die Golf-Staaten im Mai bei einem Gipfel in Riad auf einen Pakt gegen den Terror eingeschworen. Zugleich kritisierte er den Iran scharf. Die USA sind mit allen Konfliktparteien eng verbündet. In Katar befindet sich der größte US-Militärstützpunkt in der Region. Zuletzt hatte sich Trump eindeutig auf die Seite Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten geschlagen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel war Katar im Konflikt mit seinen arabischen Nachbarn beigesprungen und hatte Trumps Politik im Mittleren Osten kritisiert. Am Mittwoch empfängt der SPD-Politiker seinen saudi-arabischen Amtskollegen zum Gespräch – einen Tag nach dem Chefdiplomaten Katars. Gabriel kritisierte im Handelsblatt, Katar solle offenbar isoliert und existenziell getroffen werden. „Eine solche Trumpisierung des Umgangs miteinander ist in einer ohnehin krisengeschüttelten Region ganz besonders gefährlich“, sagte er. Er sei „sehr besorgt über die dramatische Eskalation der Lage und die Folgen für die ganze Region“.

Kommentare (30)

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Anno Nymicus

07.06.2017, 09:32 Uhr

Natürlich. Der böse aggressive Russe kommt. Wie immer.
... dass sich "der Russe" zurückgezogen, und sich "der Ami" breit gemacht hat, wird dabei völlig außer Acht gelassen.

Bevor ich so eine Überschrift rauslasse, würde ich zunächst einmal analysieren:
A) wer hat was davon?
B) wer hat darauf wie reagiert?
...basierend darauf kann ich dann Mutmaßungen aufbauen, wer dahinterstehen könnte - und vor allem könnte herausgearbeitet werden, wohin die einzelnen Parteien so streben. (zB der "Putschversuch" in der Türkei: so schnell wie reagiert wurde, wusste die türkische Führung davon. Und in welche Richtung reagiert wurde, machte klar, wohin die türkische Führung will.)

Wenn ich mir A) und B) im Katar-Fall so anschaue, komme ich nicht auf die Russen. Dafür fallen mir aber 2-3 andere ein, welche (vielleicht sogar gemeinsam) dahinterstecken könnten ...



ps.: fangen Fake News nicht bereits mit solch einer Überschrift an?
Man stelle sich vor, die Datenspur würde über Russland in die USA oder nach Israel führen: stünde dann als Überschrift 1:1 das Pendant mit russischen / israelischen Hackern?

Herr Alex Lehmann

07.06.2017, 09:33 Uhr

Die russischen Hacker... Inzwischen sind die CIA Hackingtools geleakt, kann jeder hernehmen und es war ein Code dabei, die CIA-Aktivitäten anderen zuschieben zu können. Es ist anzunehmen, dass diesen Code jetzt viele nützen können. Wenn Hacker, dann hat keiner ne Ahnung woher...
Aber wenn die russischen Hacker so toll sind, brauchen wir wenigstens keine Angst mehr vor "Aliens" haben, weil die die supertollen russichen Superhacker, die ja anscheinend hinter allem stecken, die eh kaputthacken. O man, schließ mich da Putin an: Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Peter Kastner

07.06.2017, 10:01 Uhr

Der Russe ist auch daran schuld, das meine Nachbarin letzte Woche Durchfall hatte.
Trump Böse. Klimaleugner Böse. Russland Böse. AfD Böse. Deutsche Presse lieb. Aha

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