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21.08.2014

04:52 Uhr

Ferguson kommt etwas zur Ruhe

Pfefferspray statt Tränengas

Panzerwagen rollen wieder, doch zu schweren Zusammenstößen kommt es in Ferguson nicht. Statt Granaten und Molotowcocktails fliegen Wasserflaschen. Der US-Justizminister reist an und verspricht eine faire Untersuchung.

Auch am Mittwoch recken einige wieder ihre Schilder in die Höhe: Sie protestieren, mancher tanzt. Die Menschen hier sind wütend, aber nicht gewalttätig. AFP

Auch am Mittwoch recken einige wieder ihre Schilder in die Höhe: Sie protestieren, mancher tanzt. Die Menschen hier sind wütend, aber nicht gewalttätig.

FergusonWieder ein toter Afroamerikaner, wieder stirbt er durch Schüsse der Polizei, wieder liegt der Tatort in der Gegend von St. Louis im US-Staat Missouri. Eigentlich stand zu vermuten, dass die ohnehin explosive Lage in Ferguson durch den neuen Todesfall nun völlig aus dem Ruder läuft.

Doch es bleibt bei einem Scharmützel kurz vor Mitternacht: Eine Handvoll teils vermummter Protestler huscht schnell hinter der Menge zwischen ein paar Autos hindurch, Reporter jagen mit Kameras hinterher. Polizeitrupps stampfen über den Asphalt, Schutzschilde werden gehoben und Knüppel gezückt.

Ein weißer Polizist richtet sein halbautomatisches Sturmgewehr auf einen schwarzen Mann, der mit erhobenen Händen in den Lauf der Waffe blickt. Kameralampen leuchten in das Gesicht des Polizisten, der sich auf einmal von Demonstranten, Schaulustigen und Journalisten umzingelt sieht.

Er zielt mit seiner Waffe schnell nach links und rechts auf ein Dutzend Unbeteiligte, Kameras blitzen auf. Und gerade als man das Schlimmste vermutet, passiert etwas Außergewöhnliches: Ein zweiter Polizist drückt die Waffe herunter und zieht den eingekreisten Beamten beiseite. Im Handumdrehen löst sich die Gruppe auf.

Es bleibt einer der wenigen brisanten Momente. Der Vorfall zeigt, wie unterschiedlich die Polizeikräfte in Ferguson auf echte oder vermeintliche Bedrohungen reagieren.

Höchst unterschiedlich ist auch die Gruppe aus mehreren hundert Männern und Frauen, die für den getöteten schwarzen Jugendlichen Michael Brown auf die Straße gehen: Geistliche, Mütter, Brüder und einige vermummte Männer in Unterhemden.

„Ich weiß, dass vieles davon falsch war“, sagt einer von ihnen in Bezug auf die Gewalt der vergangenen Tage. Aber: Die Plünderungen, die Brände, die Ausschreitungen, das alles sei nötig gewesen, um eine Botschaft zu transportieren. Die Botschaft, dass die schwarze Bevölkerung von Ferguson es satt hat, unterdrückt zu werden.

Was er den Geschäftsbesitzern sagen würde, die ihre Läden mit Holzlatten zugenagelt haben und wegen der Unruhen in Ferguson nun Verluste machen? „Das passiert, wenn wir einen Aufstand machen!“ Er schlägt mit der Faust fest in seine linke Hand.

Kommentare (5)

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Herr Bernhard Wandernoth

20.08.2014, 20:39 Uhr

Ich hoffe Englisch ist ok- ich habe meinen U.S. Partner nach seiner Meinung zu den Vorgängen gefragt, und auch, ob es nicht grundsätzlich ein Naturgesetz sei, dass die Reichen immer Reicher würden und es irgendwann unweigerlich zu Revolution oder Krieg kommen müsse. Hier seine Antwort:

Science magazine recently had an article on an analysis by "econophysicists" of income distribution, and found it to be exponential. Such a distribution is what you expect when there is not one dominant "scale-setting" factor. Any other outcome would have to be engineered politically. And that has become unacceptable in the US. Germany is actually not far behind in actuality, although it is still poles apart in perception.

You never know just when the critical threshold of "spontaneous combustion" is reached, but every event like Ferguson just moves just moves us closer in the US.

The elites are just disconnected from ordinary life in the US.

Up to now, the middle class has been persuaded that the threat to their well-being comes from below.

They are coming to realize that things are rigged in favor of the 1%, and that they are being fleeced from the top, not the bottom.
The top that avoids paying taxes, off-shores its wealth, off-shores jobs, and retires in Costa Rica.

Now the spark has to come from those who have nothing to lose- as in the Los Angeles riots in 1965, and as in Ferguson now.

This country is as sharply divided as it was before the Civil War.
A revolt will not lead to a good outcome, but in the absence of a revolt nothing will fundamentally change, and the pressures will just continue to build. That is not sustainable either.

The US is already to a large extent a third-world country. It no longer matters to the top 1% whether the American workforce is educated, healthy, and employable.
As Thomas Jefferson said, "merchants have no country."
So once Wall Street took possession of Washington, the American public lost its recourse.

Musste es etwas kürzen

Frau Ich Kritisch

20.08.2014, 21:08 Uhr

es gibt ein Naturgesetzt:
Man kann immer nur das verbrauchen was man produziert.

Es mag eine zeitlang funktionieren einen Teil dessen zu verbrauchen was andere produzieren, solange man ihnen genug übrig läßt. Aber es kommt der Punkt an denen ihnen nicht mehr genug übrig läßt und dann kommt es zur Revolte. Dieser Punkt wird umso eher erreicht umso weniger man selbst produziert. Auf Volkswirtschaften umgemünzt: Eine reine Dienstleistungsgesellschaft muss zugrunde gehen.

Herr Bernhard Wandernoth

21.08.2014, 07:41 Uhr

Den Kommentar meines Kollegen in USA hatte ich gestern etwas gekürzt (2000 Zeichen Limit). Vielleicht ist der Aspekt des Naturgesetzes doch noch ein interessanter, daher hier der ganze Text dazu:

Science magazine recently had an article on an analysis by "econophysicists" of income distribution, and found it to be exponential (just as one might expect from physicists playing with economics).
If it is indeed exponential, then there is no problem of income inequality. I saw the problem with that immediately. They had done the analysis over only a small range, and even then the errors in the tails get lost in the linear plot that they showed. (One might ask, who is it that hires and pays 'econophysicists' if not the 1%?)
I went back to data from the Wall Street Journal and found the distribution to be clearly power-law rather than exponential. It leaves no doubt at all.
A power-law distribution is what you expect when there is not one dominant "scale-setting" factor, and in our economy we have many such factors. Different economic entities are not well-coupled.
Since we are in an era of minimal regulation, the power-law distribution probably does reflect the working out of "natural" forces.
Any other outcome would have to be engineered politically. And that has become unacceptable in the US. Germany is actually not far behind in actuality, although it is still poles apart in perception.

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