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28.01.2011

23:41 Uhr

Fernsehansprache

Mubarak will mit Reformen an der Macht bleiben

Lange hat der ägyptische Präsident Husni Mubarak geschwiegen. Nun endlich hat sich Mubarak in einer Fernsehansprache an sein demonstrierendes Volk gewandt. Er will an der Macht bleiben, verspricht aber mehr Demokratie und Meinungsfreiheit - während draußen durch die Straßen Kairos die Panzer rollen.

Ein brennender Panzer in den Straßen Kairos. Reuters

Ein brennender Panzer in den Straßen Kairos.

HB KAIRO/ISTANBUK. Nach Tagen des Schweigens hat sich der ägyptische Präsident Husni Mubarak in der Nacht zum Freitag endlich zu Wort gemeldet. Während Plünderer und Demonstranten, die seinen Rücktritt forderten, durch die Straßen von Kairo zogen, sagte er im staatlichen Fernsehen: „Wir müssen vorsichtig ein, dass kein Chaos ausbricht, denn dadurch entsteht keine Demokratie.“ Ägypten müsse stabil und sicher sein.

Mubarak ging auch auf die Forderungen der Kritiker seiner Regierung ein, die seit Dienstag in mehreren Städten des Landes gegen ihn und seine Regierung protestieren. Er versprach den Ägyptern mehr Demokratie und größere Bemühungen zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit. „Wir bewahren, was wir erreicht haben, und wir bauen darauf auf“, fügte er hinzu.

Außerdem hat Mubarak nach den gewaltsamen Protesten der vergangenen Tagen die Bildung einer neuen Regierung angekündigt. Mubarak sagte: „Ich habe von den Regierungsmitgliedern gefordert, dass sie ihren Rücktritt einreichen, und morgen werde ich eine neue Regierung einsetzen“. Während er sprach, zogen Plünderer und Demonstranten, die seinen Rücktritt forderten, weiter durch die Straßen der Hauptstadt.

In seiner ersten Fernsehansprache seit Beginn der Unruhen verteidigte er zudem den Einsatz von Sicherheitskräften gegen die Demonstranten. Die Anti-Regierungsproteste seien Teil einer Verschwörung, Ägypten zu destabilisieren und die Legitimität zu zerstören.

Bei Einbruch der Dunkelheit rollten Panzerfahrzeuge durch die Straßen Kairos. Nach einem Tag der Unruhe und Gewalt versucht das Militär das nächtliche Ausgehverbot durchzusetzen, das Mubarak verhängt hat. Tausende scherten sich nicht darum; sie forderten weiterhin den Rücktritt von Mubarak. Demonstranten versuchten das Außenministerium und das Gebäude des Staatsfernsehens zu stürmen. Andere beteten auf der Straße.

Kommentare (7)

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corneliaschmidke

29.01.2011, 01:04 Uhr

Es wird ihm nicht gelingen,seine Zeit ist vorbei!

Eure Freiheit !

29.01.2011, 01:17 Uhr

Liebe arabischen Mitbürger,

solange der Saudischen König nicht fällt, werdet ihr eure Ketten tragen müssen.

Autonomos

29.01.2011, 02:19 Uhr

Despoten empfehlen sich zuletzt als Reformer

Wenn sie noch eine Chance für sich wittern, versprechen sie alles: die Despoten, auch in Ägypten. Vor allem Demokratie. Natürlich sind die Vasallen an den Mißständen schuld, die das Volk ausplündern, für dumm halten, dessen Kommunikationsnetze (internet) ausschalten und Demonstranten, die das nicht richtig finden, umbringen.

Sogar als Reformer ihrer eigenen Verkommenheit preisen sich die Despoten noch an. Nur die Wahlen zum befund fälschen sie regelmäßig und allzu gerne (DDR-Krenz sei zu erinnern). Jahrzehntelang. Auch zugunsten ihrer Familienbrut.

Mubarak muß weg. Damit die anderen arabischen Despoten (in Libyen, im Jemen, in Saudi-Arabien usw.) endlich auch ihren Abschied vom geliebten Volk nehmen können, das über sein Wohl noch nie selber bestimmen durfte. Damit nicht mehr die Despoten oder ihre brut ihr Volk wählen und kujonieren können, sondern das Volk ihnen und der brut sagt, wohin sie in Gottes und Allahs Namen gehen sollen. Was steht dagegen? Was, wenn die Despoten nur simple und nur aufgeblasene Diebe sind?

Von sich aus wählt kein Volk, wenn es nur frei wählen kann, seine Entmündigung, auch keine durch korrupte Familiencliquen. Nirgendwo auf der Welt. Diktaturen haben keine Chance, wo sie sich einer freien Wahl aller bürger, auch der Frauen, stellen. Kuba, Nordkorea, iran und das arabische Staaten-Elend tun dies aus genau diesem Grunde nicht. Alle aus den 'menschenfreundlichsten' Gründen, wenn es schon nicht Gottes persönliche Eingebung ins Ohr der Macht und ihren Hörfähigen ist.

Man kann nur hoffen: in der arabischen Welt findet derzeit ein grandioser Emanzipationsversuch des bürgers statt, dessen Fehlen der Westen immer beklagt hat, um dennoch die besten Geschäfte damit zu machen.

Hoffentlich nicht nur als Versuch! Und hoffentlich nicht unterlaufen von den Vereinigten Staaten und Europa, die nicht nur in Tunesien schon genügend Schaden angerichtet haben. Es leiden und hungern zu viele.

Arabien blutet sogar deswegen.

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