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04.03.2016

16:06 Uhr

Fessenheim

Neue Fragen zu Störfall in Frankreichs ältestem Atomkraftwerk

Der Zwischenfall im französischen Kernkraftwerk Fessenheim war bekannt. Doch haben die Behörden damals ehrlich darüber informiert, wie groß das Risiko war? Das Umweltministerium sieht ein generelles Sicherheitsrisiko.

Das Kraftwerk in Fessenheim ist das älteste in ganz Frankreich. Hat die Atombehörde die Öffentlichkeit über den Vorfall im April 2014 falsch informiert? AFP; Files; Francois Guillot

Gravierende Mängel

Das Kraftwerk in Fessenheim ist das älteste in ganz Frankreich. Hat die Atombehörde die Öffentlichkeit über den Vorfall im April 2014 falsch informiert?

Bonn/BerlinEin Störfall im französischen Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze war gravierender als bislang bekannt. Die französische Atomaufsicht ASN habe den Vorfall im April 2014 vor der Internationalen Atomenergiebehörde heruntergespielt, berichteten WDR und „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag. Ein Wassereinbruch hatte damals die Elektrik beschädigt und zur Abschaltung eines Reaktors geführt. Ein Krisenstab entschied vorsichtshalber, den Reaktor durch Einleitung von Bor ins Kühlwasser notfallmäßig herunterzufahren.

Das Bundesumweltministerium bestätigte, die Steuerung der Anlage sei am 9. April 2014 durch einen Wasserschaden beeinträchtigt gewesen. Ein Experte des Ministeriums sagte, es habe einen Wasserschaden im Bereich der Schaltschränke gegeben. Eine „stufenweise Nachjustierung der Stellung der Steuerstäbe“ sei daher nicht mehr möglich gewesen. Er betonte aber: „Die Notfall-Abschaltung war nicht behindert.“

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Ein Ausfall von Steuerstäben in einem Kernkraftwerk sei in Westeuropa bisher nicht vorgekommen, sagte Christian Küppers, Experte für Nukleartechnik und Anlagensicherheit beim Öko-Institut, in einem Interview mit dpa-Audio. Die Schnellabschaltung sei vergleichbar mit einer „Vollbremsung beim Auto“, die zu gewissen Belastungen führe. Der Reaktor sei damals zu schnell abgekühlt worden, sagte Küppers. „Da gibt es Vorgaben, gegen die hat man offenbar verstoßen.“

Nach Informationen des Bundesumweltministeriums gelangte das Wasser über Lüftungskanäle und Kabel in den Raum, in dem die Schaltschränke stehen. Die Bundesregierung sei nicht erst seit diesem Störfall unzufrieden mit der Atompolitik des Nachbarlandes, sagte ein Sprecher. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) habe bereits vor einem Jahr die Stilllegung dieses ältesten französischen Atomkraftwerkes gefordert. Man könne den Franzosen aber keine Vorschriften machen.

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