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11.01.2010

09:23 Uhr

Feste Wechselkurse

Chávez wertet den Bolivar ab

VonAlexander Busch

Mit einem gespaltenen Wechselkurs will Venezuelas Präsident Hugo Chavez die Öleinnahmen erhöhen. Die Abwertung des Bolivar habe das Ziel, die Wirtschaft Venezuelas zu stärken, Importe zu reduzieren und den Export zu fördern, sagte Chavez. Die Opposition ist empört.

Durch die Abwertung hat Präsident Chavez mehr Luft im Budget - das könnte auch im Hinblick auf die Wahlen im September von Nutzen sein. Quelle: Reuters

Durch die Abwertung hat Präsident Chavez mehr Luft im Budget - das könnte auch im Hinblick auf die Wahlen im September von Nutzen sein.

SAO PAULO. Nach der drastischen Abwertung der Landeswährung Bolivar haben die Venezolaner am Samstag die Geschäfte gestürmt, um einem starken Preisanstieg zuvorzukommen. Sie versuchten vor allem Fernseher, Computer und andere Importwaren zu kaufen. Präsident Hugo Chavez hatte am Vorabend ein System zweier fester Wechselkurse gegenüber dem Dollar bekannt gegeben. Die Nachricht von der damit verbundenen Abwertung des Bolivar verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Der offizielle Kurs zur US-Währung wurde von bislang 2,15 Bolivar für einen Dollar auf 4,6 Bolivar geändert. Nur für einige Importgüter des Grundbedarfs wie Lebensmittel und Medikamente sowie für Industriemaschinen wurde ein Kurs von 2,6 Bolivar je Dollar festgelegt. Die Abwertung habe das Ziel, die Wirtschaft Venezuelas zu stärken, nicht notwendige Importe zu reduzieren und den Export zu fördern, sagte Chavez: „Venezolaner werden künftig mehr Produkte konsumieren, die von Venezolanern für Venezolaner hergestellt wurden.“ Die Opposition reagierte empört: „Das ist ein Schlag in den Magen des Volkes und nichts anderes als eine Geldquelle für die Wahlen“, sagt Omar Barboza von der Un Nuevo Tempo (UNT).

Finanzminister Ali Rodríguez gab zu, dass die Abwertung die Inflation weiter in die Höhe treiben werde: „Sicherlich wird die Maßnahme Auswirkungen auf die Preise haben.“ Derzeit erlebt die Wirtschaft eine Stagflation: Während 2009 das Bruttoinlandsprodukt um rund drei Prozent schrumpfte, liegt Venezuela mit einer Geldentwertung von 25 Prozent an der Spitze der Inflationsländer in Lateinamerika. Auch für 2010 erwartet die Bank HSBC kaum Besserung: Die Inflation könnte bis auf 34 Prozent ansteigen, bei einem Wachstum von 1,5 Prozent.

Chávez will sich mit der Abwertung und dem dualen Wechselkurs mehr Einnahmen verschaffen: Die Einnahmen aus den Ölexporten, die mehr als die Hälfte des Etats finanzieren, verdoppeln sich durch die Abwertung. Damit hat der Präsident vor den für September anstehenden Wahlen mehr Luft im Budget, um seine Anhänger bei der Stange zu halten. Niedrige Ölpreise hatten Chávez bereits im letzten Jahr zu Sparaktionen gezwungen.

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