Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2015

03:45 Uhr

„Festival of Economics“

Wirtschaftsexperten fordern Steuerreform für Konzerne

VonDomenico Sciurti

Im italienischen Trient kommen am Dienstag Wirtschaftsexperten zusammen, um über die Steuertricks internationaler Konzerne zu sprechen. Unter ihnen: Nobelpreisträger Joseph Stieglitz. Er verlangt die Reform des Systems.

Nobelpreisträger Joseph Stieglitz verlangt eine Mindeststeuer für multinationale Unternehmen. AFP

Joseph Stiglitz

Nobelpreisträger Joseph Stieglitz verlangt eine Mindeststeuer für multinationale Unternehmen.

New YorkStarbucks tut es in den Niederlanden. Apple tut es in Irland. Google tut es besonders intensiv – ebenfalls in Irland. Internationale Konzerne nutzen die Steuersysteme in europäischen Steueroasen, um so wenig Abgaben wie möglich zu zahlen. Dem Fiskus entgehen dadurch Einnahmen in Milliardenhöhen.

Dem ICRICT, einem Zusammenschluss von Wirtschaftsexperten, ist das ein Dorn im Auge. Für Dienstag hat die unabhängige Kommission für eine Reform der internationalen Unternehmensbesteuerung eine Erklärung auf der Wirtschaftskonferenz „Festival of Economics“ in Trient angekündigt. Darin fordert sie eine Überarbeitung des veralteten Steuersystems für multinationale Unternehmen.
Die Organisation um Nobelpreisträger Joseph Stieglitz verlangt mehr Transparenz bezüglich der Steuermachenschaften von globalen Unternehmen. Die Staatsoberhäupter müssten mehr Mut aufbringen, um das alte System umzukrempeln, heißt es in der Erklärung, die dem Handelsblatt vorab vorlag. Eine außerstaatliche Institution, den Vereinigten Nationen unterstehend, solle Steuermissbrauch weltweit beobachten.

Luxemburgs Finanzminister

„Es ist legal, dass Unternehmen keine Steuern bezahlen“

Luxemburgs Finanzminister: „Es ist legal, dass Unternehmen keine Steuern bezahlen“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

„Globale Konzerne handeln wie einzelne Unternehmen, deswegen sollten sie auch wie solche Steuern zahlen“, schreibt die ICRICT. Das Steuersystem sei veraltet und wirkungslos gegenüber Steuermissbrauch durch internationale Konzerne.

Auch der Online-Händler Amazon stand wegen sogenannter Steueroptimierung über Luxemburg im Visier von Experten und Politikern. Der US-Konzern hat mittlerweile nachgeben und zahlt seit dem 1. Mai Steuern in dem jeweiligen Land, in dem die Gewinne erzielt werden. Starbucks, Apple oder Google halten derweil an der Vermeidungspraxis fest. Die Konzerne sparen dadurch erhebliche Steuerzahlungen.

Die Abmachungen zwischen Staat und Firmen sind legal. Doch der Unmut innerhalb der Staatengemeinschaft wächst. Die EU-Kommission hat längst Ermittlungen eingeleitet, erwägt wird beispielsweise einer Steuer-Untergrenze.

„Die Staaten sollten eine globale Mindeststeuer erheben“, meint auch Stieglitz. Der Ökonom glaubt, damit den „Wettbewerb nach unten“ stoppen zu können. „Die Debatte stellt Gerechtigkeit in den Mittelpunkt“, ergänzt der ICRICT-Vorsitzende und ehemalige Finanzminister von Kolumbien José Antonio Ocampo. “Die Reform der internationalen Unternehmenssteuer sollte der Weltöffentlichkeit zugutekommen, nicht den Unternehmen.“

Laut ICRICT werden vor allem der Steuerzahler durch die Absprachen zwischen Konzern und Staat belastet. Die betroffenen Unternehmen kämen damit ihren Pflichten gegenüber der Öffentlichkeit nicht nach. Außerdem würden sie Ressourcen stehlen, die die Staaten benötigten, um den öffentlichen Dienst zu finanzieren und gegen Armut anzugehen. Der Organisation zufolge verstärkten die Praktiken der Unternehmen die Ungleichheit bei Einkommen.

Zwar begrüßten die Wirtschaftsexperten die Anstrengungen von G20-Staaten und des OECD gegen Steuervermeidung als „Schritt in die richtige Richtung“. Doch seien sie unzureichend. Das Problem müsse global angegangen werden, um zu vermeiden, dass außerhalb des Systems agiert wird. Für die Institution liegt das Hauptproblem im herrschenden Rechtsrahmen, der es den Unternehmen erlaubt, Gewinne in andere Staaten zu verschieben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×