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19.08.2014

12:27 Uhr

Festnahme am Rande der Proteste

„Bild“-Journalist in Ferguson inhaftiert

Nachdem zwei deutsche Journalisten bei den Krawallen in der US-Kleinstadt Ferguson vorübergehend festgenommen wurden, wird nun noch ein „Bild“-Reporter festgehalten. In der Nacht gab es viele Verletzte.

Protestler in Ferguson: In der Nacht gab es mehr als 30 Festnahmen, auch deutsche Journalisten waren darunter. ap

Protestler in Ferguson: In der Nacht gab es mehr als 30 Festnahmen, auch deutsche Journalisten waren darunter.

Berlin/FergusonDer „Bild“-Reporter Lukas Hermsmeier ist bei einem Einsatz während der Proteste in der US-Kleinstadt Ferguson von der Polizei festgenommen worden. Hermsmeier (26) befinde sich an einem unbekannten Ort und solle in das Gefängnis von St. Louis gebracht werden, teilte „Bild“ am Dienstag mit.

Hermsmeier stehe bereits im Computer-System. „Wann genau er eintreffen wird, wissen wir aber nicht“, sagte ein Gefängnismitarbeiter der Zeitung. Der Journalist solle möglicherweise gemeinsam mit einer größeren Gruppe von Festgenommenen ins Gefängnis gebracht werden.

Am Montag waren der „Welt“-Korrespondent Ansgar Graw und der Reporter Frank Herrmann, der für mehrere deutsche Regionalzeitungen schreibt, inhaftiert und nach drei Stunden wieder freigelassen worden. Graw und Herrmann bestritten den Angaben zufolge den Vorwurf, sie hätten eine Aufforderung der Polizei missachtet, nicht auf der Straße stehen zu bleiben. Dort hätten nachts zwar Proteste stattgefunden, zum Zeitpunkt der Festnahme sei die Straße aber fast menschenleer und die Lage ruhig gewesen, hieß es.

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Ferguson wird seit Tagen von Protesten wegen der tödlichen Polizeischüsse auf den afroamerikanischen Teenager Michael Brown erschüttert. In der Nacht zum Dienstag lieferten sich Polizei und Demonstranten erneut gewaltsame Auseinandersetzungen. Mindestens zwei Menschen wurden nach Angaben der Polizei, die Tränengas einsetzte, durch Schüsse von Demonstranten verletzt. US-Präsident Barack Obama rief zur Ruhe auf.

Wie die Polizei mitteilte, setzte sie bei den Zusammenstößen keine Schusswaffen ein. Aus den Reihen der Demonstranten flogen demnach auch Molotowcocktails. Beamte in Schutzkleidung, begleitet von einem gepanzerten Fahrzeug und einem Hubschrauber, forderten die Demonstranten mehrfach auf, den Protest zu beenden. Später setzte die Polizei Tränengas ein.

Laut Polizei wurden bei den neuen Unruhen in dem Vorort der Millionenstadt St. Louis im Bundesstaat Missouri 31 Menschen festgenommen. Einige der etwa 200 Demonstranten seien aus weit entfernten Regionen wie New York oder Kalifornien angereist. Vier Polizisten seien durch Wurfgeschosse verletzt worden, teilte die Polizei mit. Der Zustand der beiden durch Schüsse Verletzten war unklar.

Kommentare (3)

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Herr Fred Meisenkaiser

19.08.2014, 12:44 Uhr

Naja, die BLÖD-Zeitung ist aber nicht gerade dafübekannt, Kritik am System zu äußern.

Aber offensichtlich ist man mächtig nervös in den USA.

Könnte ein Flächenbrand werden, und so einfach, wie im Ostblock wird das nicht abgehen. Die Machthaber werden sich mit ALLEN Mitteln vor den Bürgern schützen.

Herr Hikmet Özdemir

19.08.2014, 16:37 Uhr

Wenn die Journalisten bei Ausschreitungen in Gezi Park in der Türkei festgenommen und ins
Gefängnis gebracht worden wären, wäre der Aufschrei groß.

Die Bildzeitung und Kanzlerin Merkel würden die Verletzung der freien Meinungs- und Berichterstattung anprangern und sie als Angriff auf westliche Grundwerte und auf die freiheitlich demokratische Grundordnung durch die türkische Regierung bewerten.

Gleichzeitig würden sie Edogan autoritären Stil vorwerfen.

Aber natürlich nur im Falle der Türkei, weil die Partnerschaft mit der Türkei scon länger aufgekündigt worden sit.

In Sachen USA ist es nicht der Fall, deshalb gibt es an Militär- und Poliziegewalt, Verbot der Twitterseiten, Behinderung der freien Bersichterstattug, Verhaftung von Journalisten, nichts zu bemängeln.

Merkel schweigt und Bildzeitung bemüht sich um Zurückhaltung. Was für ein doppelte Moral und Heuchelei.

Herr Roman Tersano

19.08.2014, 18:40 Uhr

Ohne ein großer Fan von Erdogan zu sein, muss ich ihnen recht geben.

Das ist typisch Springer: "USA, USA (und Israel) über alles in der Welt." Daran ändert sich selbst dann nichts, wenn die Sicherheitsbehörden des verherrlichten Staates die eigenen Redakteure wie Dreck behandeln. Das zeichnet echtes Kriechertum aus.

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