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15.10.2016

10:12 Uhr

Festnahme von Extremisten

FBI verhindert Bombenanschlag auf Muslime

Mitglieder einer militanten Gruppe wollten Sprengsätze in Kansas zünden - und damit eine Wohnanlage samt Moschee zerstören. Ermittler konnten den Anschlag verhindern und nahmen drei mutmaßliche Extremisten fest.

Das FBI verhinderte einen Bombenanschlag auf Muslime. Reuters

Moschee in Kansas

Das FBI verhinderte einen Bombenanschlag auf Muslime.

WashingtonIm US-Bundesstaat Kansas ist nach Behördenangaben ein Bombenanschlag auf Muslime verhindert worden. Drei festgenommene Männer werden verdächtigt, einen Wohnkomplex mit einer Moschee ins Visier genommen zu haben, wie das US-Justizministerium in der Nacht zum Samstag mitteilte. Im Zuge achtmonatiger Ermittlungen der Bundespolizeibehörde FBI seien die 47 bis 49 Jahre alten Verdächtigen als Schlüsselfiguren einer militanten Gruppe namens „Die Kreuzritter“ („The Crusaders“) identifiziert worden. Ihnen werde Verschwörung zur Nutzung einer Massenvernichtungswaffe vorgeworfen.

Die mutmaßlichen Extremisten hatten den Angaben zufolge eine Wohnanlage in der Kleinstadt Garden City im Westen von Kansas als Anschlagsziel ausgewählt, in der viele Somalier leben und beten. In dem Komplex gebe es auch eine von den Anwohnern genutzte Moschee. Den Ermittlungen zufolge wollten die Beschuldigten vier mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge an den vier Ecken der Wohnanlage abstellen und durch Zündung der Autobomben eine gewaltige Explosion auslösen.

Waffen in den USA – Zahlen, Daten, Fakten

Meiste Waffen pro Einwohner

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt – von 100 Einwohnern haben statistisch 88,8 eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr. Zum großen Teil seien das weiße, verheiratete Männer über 55 Jahre, ergab eine 2015 im Fachjournal „Injury Prevention“ vorgestellte Studie.

Millionen Schusswaffen in Privathand

Nach Angaben der Organisation Action on Armed Violence sind landesweit rund 270 Millionen Schusswaffen in Privathand. Andere Statistiken gehen sogar von bis zu 310 Millionen aus.

Durcheinander der Gesetze

Das Waffenrecht ist von US-Staat zu US-Staat verschieden; es gibt ein Durcheinander nationaler, einzelstaatlicher und kommunaler Vorschriften. Seit dem 1. Januar 2016 ist in Texas sogar das sichtbare Tragen von Schusswaffen erlaubt, auch bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im Restaurant. Geschäfte und Restaurants dürfen allerdings Kunden mit offen getragenen Waffen den Zutritt verwehren.

Volksrecht Waffenbesitz

Das „Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen“ war 1791 im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft worden. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Auch der Oberste Gerichtshof sprach 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die Richter erklärten ein Gesetz in der Hauptstadt Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. 2010 kippte das Gericht auch das strikte Waffenverbot in Chicago (Illinois). Die Urteile wurden als Sieg der einflussreichen Organisation der US-Waffenbesitzer NRA gewertet.

Mächtige Lobby

US-Präsident Barack Obama machte 2013 nach dem Massaker an einer Schule in Newtown (Connecticut) schärfere Waffengesetze zu einem innenpolitischen Hauptanliegen. Entsprechende Initiativen aus dem Weißen Haus scheiterten aber bisher am Widerstand der Waffenlobby.

Laut der Mitteilung des Justizministeriums hatte ein Informant an den Treffen der „Kreuzritter“ teilgenommen und das FBI über die Pläne informiert. Demnach sollen die Männer neben Sprengstoff auch Schusswaffen und Munition gehortet haben. Einer von ihnen habe sich diese Woche mit einem verdeckten FBI-Ermittler getroffen und über Material zum Bombenbau gesprochen. Zusammen mit dem Anschlag sei die Veröffentlichung eines Manifests geplant gewesen, mit dem die Beschuldigten „die Menschen aufrütteln“ wollten.

Laut dem Sender KWCH, einem CNN-Ableger, leben in dem Wohnkomplex 120 somalische Flüchtlinge. Nach Auskunft der Justizbehörden hätten die Beschuldigten geplant gehabt, die Bomben am 9. November zu zünden - also einen Tag nach der US-Präsidentschaftswahl.

Die Verdächtigen seien bereits einem Richter vorgeführt worden, hieß es in der Mitteilung des Justizministeriums. Bis auf Weiteres gelte für sie die Unschuldsvermutung. Im Falle einer Verurteilung drohe ihnen lebenslange Haft.

Von

dpa

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