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15.04.2012

21:10 Uhr

Festnahmen am Flughafen

Israel stoppt Palästina-Aktivisten

Israel bremst neue Proteste gegen die Blockadepolitik im Westjordanland. Pro-palästinensische Aktivisten sitzen auf dem Flughafen Ben Gurion in Abschiebehaft. Für andere endete die Reise bereits vor dem Abflug.

Mitglieder der Bewegung „Willkommen in Palästina“ am Flughafen Ben Gurion. AFP

Mitglieder der Bewegung „Willkommen in Palästina“ am Flughafen Ben Gurion.

Tel AvivIsrael hat Dutzenden pro-palästinensischen Aktivisten die Einreise verweigert. Am internationalen Flughafen Ben Gurion seien rund 30 ausländische Staatsbürger in Abschiebehaft genommen worden, sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld am Sonntag. Die meisten von ihnen seien Franzosen. Der israelische Rundfunk berichtete von 40 Festnahmen. Sie sollen so schnell wie möglich in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden.

Über das Vorgehen der Beamten in Tel Aviv regte sich Protest. Es handle sich um eine „erneute illegale Prozedur“, erklärten die Organisatoren der Protest-Aktion „Willkommen in Palästina“. Demnach mussten einreisende Passagiere eine Erklärung unterschreiben, dass sie „keinen Kontakt zu Mitgliedern pro-palästinensischer Organisationen haben und nicht mit solchen kooperieren“.

Doch genau aus diesem Grund kamen die Aktivisten: Sie wollten sich ein Bild von der Lage im Westjordanland machen. Ziel der Initiatoren ist es, auf die eingeschränkte Bewegungsfreiheit in dem Palästinensergebiet aufmerksam zu machen. Zu der Aktion, die noch bis zum 22. April läuft, hatten sich rund 1500 Aktivisten angekündigt, darunter allein 600 Franzosen. Sie wollen von Israel aus nach Bethlehem im Westjordanland gelangen, um dort eine internationale Schule einzuweihen. Eine ähnliche Aktion fand bereits 2010 und 2011 statt. Einer kleinen Gruppe war es dabei jeweils gelungen, ins Westjordanland zu gelangen.

Israel sieht die internationalen Aktivisten hingegen als Unruhestifter und hat sich seit Tagen sorgfältig auf die Protestaktion vorbereitet. Etwa 650 Polizisten waren schon in den frühen Morgenstunden am Flughafen im Einsatz, um sie abzufangen.

Zahlreichen Aktivisten wurde allerdings schon vor Abflug die Reise nach Israel verwehrt. In der Schweiz und in Frankreich wurden jeweils mehr als 50 Aktivisten daran gehindert, an Bord ihrer Maschinen zu gelangen. Am Genfer Flughafen veranstalteten einige von ihnen daraufhin einen Sitzstreik, wie die Schweizer Nachrichtenagentur sda berichtete. Auch in Rom hinderten die Behörden sieben Personen daran, an Bord ihres Flugzeuges zu gehen.

Ein französischer Aktivist hat es in die Stadt Bethlehem geschafft. AFP

Ein französischer Aktivist hat es in die Stadt Bethlehem geschafft.

Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Sonntag auf verschiedenen europäischen Flughäfen, darunter auch in Paris und Brüssel. Einige von ihnen warfen ihren Regierungen und nationalen Fluggesellschaften vor, mit Israel zu „kollaborieren“. Viele schwenkten Palästinenserflaggen und protestierten in Sprechchören gegen die israelische Blockadepolitik im Westjordanland.

Mehrere internationale Fluggesellschaften wie die Lufthansa hatten nach israelischen Medienberichten schon im Voraus Dutzende von Flugtickets storniert. Israel hatte ihnen eine Schwarze Liste mit den Namen von Personen übermittelt, die nicht einreisen dürfen.

Die israelischen Behörden hielten für die Aktivisten, denen dennoch die Ankunft auf dem Flughafen Ben Gurion gelang, einen ironisch formulierten „Willkommensbrief“ bereit. Darin fordert Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Aktivisten auf, sich lieber um die „richtigen Probleme in der Region“ zu kümmern. Als Beispiel nannte er die Krise in Syrien, die Unterdrückung der iranischen Opposition durch die dortige Führung sowie das Vorgehen der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen. „Danach könnt Ihr wiederkommen und eure Erfahrung mit uns teilen“, hieß es weiter.

Auch vier israelische Friedensaktivisten wurden am Flughafen bei Tel Aviv festgenommen. Sie hielten ein Schild in die Höhe, auf dem „Willkommen in Palästina“ stand. Israels Verkehrsminister Israel Katz hatte im Vorfeld zur Begründung gesagt, der jüdische Staat könne es sich „nicht erlauben, Provokateure ins Land zu lassen“. Bereits im Juli vergangenen Jahres hatte Israel mehreren hundert Aktivisten die Einreise verwehrt, war dafür jedoch kritisiert worden.

Kommentare (9)

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Peer

15.04.2012, 21:20 Uhr

Irgendwann wir die freie Welt diese Kriegsverbrecher ausstoppen. Mein Israel wirklich, dass sie anderen Menschen wie Dreck behandeln dürfen?

Wer hat ihnen das Land denn gegeben?
Ekelhaft, wie die sich verhalten

Veritas

15.04.2012, 21:49 Uhr

Da muss man garnicht viele Worte zu verlieren.
Die selbsternannte "einzige Demokratie im nahen Osten" ist doch in der Wahl ihrer innenpolitischen Mittel den "undemokratischen Regimen" sehr viel ähnlicher als ihr lieb ist.

peer

15.04.2012, 21:56 Uhr

Juden erheben den Anspruch auf Palästina, mit der Begründung: „Wir kommen nicht nach Palästina, wir kehren zurück“. Nach den obigen kurzen Ausführungen ist diese Behauptung bar jeder Bedeutung. Dies bekommt eine plastische Vorstellungsdimension, wenn man sich die Frage stellt:

„Kann Samy Davis jr., ein zum Judentum konvertierter berühmter (Sänger und Schauspieler) schwarzer Amerikaner, Anspruch auf Palästina erheben und behaupten, „er käme nicht nach Palästina, sondern er kehre dorthin zurück?“

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