Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.11.2015

17:13 Uhr

Festnahmen

Die Terror-Spur führt nach Aachen

Die Polizei hat mittlerweile sieben Verdächtige in Alsdorf bei Aachen festgenommen. Sie stehen im Verdacht, etwas mit den Anschlägen von Paris zu tun zu haben. Der Ort ihrer Festnahme könnte mehr als ein Zufall sein.

Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Paris hat die Polizei am Dienstag in Alsdorf bei Aachen sieben Verdächtige festgenommen. dpa

Polizisten in Alsdorf bei Aachen

Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Paris hat die Polizei am Dienstag in Alsdorf bei Aachen sieben Verdächtige festgenommen.

AlsdorfDie Spur des verheerenden Terrors von Paris führt nun auch nach Deutschland. Im Zusammenhang mit den Anschlägen vom Freitagabend hat die Polizei bei Aachen sieben Verdächtige festgenommen. Sie wurden am Dienstag von Spezialeinsatzkräften in Alsdorf gefasst. Zudem wurde bekannt, dass der gesuchte 26-jährige Salah Abdeslam, Bruder eines der Selbstmordattentäter, vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich war.

Als erster EU-Staat überhaupt bat Frankreich offiziell um Beistand der übrigen Mitgliedstaaten. Gefragt ist dabei auch militärische Unterstützung, um den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak zu verstärken, wie Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in Brüssel sagte. Denkbar sei eine Entlastung französischer Streitkräfte in anderen Krisenregionen, etwa in Afrika. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU habe dazu „einstimmig ihre Bereitschaft erklärt“.

Der IS hatte sich zu der Terrorserie in Paris mit mindestens 129 Todesopfern bekannt. Am Morgen griffen zehn französische Kampfjets die Miliz erneut in Syrien an. Am Donnerstag soll zudem der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ ins östliche Mittelmeer verlegt werden, um die Schlagkraft zu verdreifachen. Frankreich hätte dann 36 Militärflugzeuge in der Region. Die Luftwaffe des Landes fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak und seit etwa zwei Monaten auch in Syrien.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

US-Außenminister John Kerry kündigte nach einem Treffen mit Präsident François Hollande in Paris an, sein Land werde die Angriffe auf die Terrormiliz verstärken. Es gehe darum, „sie im Kern zu treffen“. Hollande selbst will eine Allianz der Weltmächte gegen den IS schmieden. Er hatte angekündigt, deswegen den Uno-Sicherheitsrat anzurufen.

Auch im Inland geht Frankreich weiter massiv gegen militante Islamisten vor. Nachts gab es weitere Razzien in 128 Wohnungen. Landesweit sind nach Regierungsangaben 115.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz. Premierminister Manuel Valls sagte dem Sender France Inter, Frankreich sehe sich sowohl einer Bedrohung von innen als auch von außen gegenüber. „Wir können jederzeit weitere Angriffe erleiden.“

Der Pariser Eiffelturm wurde am Dienstag erneut geschlossen, nachdem das Wahrzeichen erst Montagnachmittag wieder geöffnet hatte. Trotz Bewachung durch Polizisten und Soldaten seien weitere „organisatorische Anpassungen“ nötig, teilte der Betreiber mit. Offenbar reichten den Angestellten die Absperrungen nicht – sie fühlten sich nicht ausreichend geschützt.

Frankreich will sich aber trotz der heiklen Sicherheitslage die Fußball-EM im kommenden Jahr keinesfalls nehmen lassen. Sportminister Patrick Kanner schloss eine Absage am Dienstag aus. „In keinem Fall darf der Sport vom Terrorismus gestoppt werden“, sagte er.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×