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16.11.2015

16:27 Uhr

Festnahmen in Brüssel

Haftbefehl gegen zwei Komplizen

Der Drahtzieher der Anschläge von Paris soll aus Belgien kommen. Er ist der meistgesuchte Islamist des Landes. Bei einer Großrazzia im Brüsseler Stadtteil Molenbeek nahm die Polizei mehrere Verdächtige fest – gegen zwei wurde Haftbefehl erlassen.

Spezialeinsatz der Polizei im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. ap

Straßensperre

Spezialeinsatz der Polizei im Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

BrüsselNach den Anschlägen von Paris hat die belgische Justiz gegen zwei Verdächtige Strafverfahren eröffnet. Den beiden werde ein „Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe“ vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Brüssel in einer Erklärung mit. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga saßen beide Verdächtigen am Samstag gemeinsam mit Salah Abdeslam in dem Auto, das von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai im Zuge der verschärften Grenzkontrollen überprüft worden war.

Die Beamten ließen den Wagen allerdings weiterfahren, die beiden Verdächtigen wurden später in Brüssel festgenommen. Laut Belga handelt es sich bei den Männern um den Besitzer und einen Passagier des grauen VW Golf.Fünf weitere Verdächtige, die am Wochenende festgenommen worden waren, wurden demnach auf freien Fuß gesetzt.

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Ermittler haben den Belgier Abdelhamid Abaaoud als Drahtzieher der Anschläge benannt. Unter den Todesopfern sind zwei Deutsche. Geplant wurde der Terror in Syrien. Präsident Hollande fordert eine Allianz gegen den IS.

Weiter fahndet die Polizei fahndet auch nach dem flüchtigen belgischen Terrorverdächtiger von Paris. Spezialeinsatzkräfte suchten am Montag in Brüssel bei einem vier Stunden dauernden Einsatz nach Salah Abdeslam – allerdings erfolglos. Der 26-Jährige ist der Bruder eines Selbstmordattentäters von Paris und zur Fahndung ausgeschrieben. Die Polizei nahm einen Mann fest, bei dem es sich aber nicht um Abdeslam handelt, berichteten belgische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

Ein Drahtzieher der Pariser Anschläge mit 129 Toten könnte nach Medienberichten der polizeibekannte belgische Dschihadist Abdelhamid Abaaoud sein. Das berichteten die belgischen Tageszeitungen „De Standaard“ und „Het Nieuwsblad“ unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von Abaaoud gewesen.

Die Schauplätze nach dem Terror

Paris

Frankreichs Hauptstadt trägt nach der brutalen Terrorserie vom Freitag, den 13. November, immer noch Trauer. Zur Erinnerung an die mindestens 129 Todesopfer stand am Montag um 12.00 Uhr mittags das öffentliche Leben fast völlig still. In der Konzerthalle „Bataclan“, wo die meisten Menschen starben, wird weiter nach Spuren gesucht. Die Cafés und Restaurants, in denen es weitere Opfer gab, sind ebenfalls noch geschlossen.

Molenbeek

Der Stadtteil von Brüssel mit seinen vielen muslimischen Einwanderern ist schon länger als Islamistenhochburg bekannt. Hier lebte Abdelhamid Abaaoud, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, der als Drahtzieher der Anschläge gilt. Heute wird der 28-Jährige in Syrien vermutet. Auch einer der Selbstmord-Attentäter hatte hier sein Zuhause. So war es für niemanden in Molenbeek eine Überraschung, dass es auch am Montag wieder Razzien gab.

Al-Rakka

Vor Beginn des Syrien-Kriegs zählte die Stadt am Euphrat 200 000 Einwohner. Heute hat sich Al-Rakka in eine der wichtigsten IS-Hochburgen verwandelt. Sie gilt als heimliche Hauptstadt des Islamischen Staats (IS) in Syrien. Die Extremisten kontrollieren offenbar das gesamte öffentliche Leben. In den Straßen patrouillieren IS-Polizisten. Frauen dürfen nur verschleiert auf die Straße gehen. So war Al-Rakka nach den Anschlägen nun das erste Ziel von massiven französischen Luftangriffen.

Belek

Der Ort an der türkischen Riviera, etwa 45 Kilometer entfernt von Antalya, lebt normalerweise fast ausschließlich von Urlaubern. In den Tagen nach den Anschlägen waren dort, wie schon länger geplant, die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) zu Gast. Frankreichs Präsident Francois Hollande blieb allerdings in Paris. Die anderen sagten dem Terrorismus den Kampf an. Dazu gehört, dass dem IS die Geldversorgung abgeschnitten werden soll.

Abaaoud gilt bereits seit längerem als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Der 28-Jährige Belgier mit marokkanischen Wurzeln soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten und dort für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gekämpft haben. Früher lebte er ebenfalls in dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek. In seiner Kindheit galt Abdelhamid Abaaoud als unbekümmerter Junge. Und er ging auf eine der angesehensten Schulen in Brüssel, das Collège Saint-Pierre d'Uccle. Doch inzwischen ist Abaaoud der berüchtigtste Dschihadist Belgiens – ein Fanatiker des islamistischen Terrors, der sogar seinen 13-jährigen Bruder für den Krieg in Syrien rekrutiert haben soll.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP soll Abaaoud auch hinter zwei anderen Terrorplänen stecken, deren Ausführung dieses Jahr in Frankreich vereitelt wurde: die im April gescheiterten Anschläge auf Kirchen nahe Paris und die im August von Passagieren gestoppte Attacke eines schwer bewaffneten Extremisten im Hochgeschwindigkeitszug Thalys nach Paris.

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