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28.02.2016

17:27 Uhr

Feuerpause in Syrien

Die Menschen im Bürgerkriegsland atmen auf

Sie war von vielen herbei gesehnt worden, seit Samstag gilt nun die Waffenruhe im Bürgerkriegsland Syrien. Bisher hält sie sogar weitgehend, die Gewalt hat deutlich abgenommen. Doch viele Beobachter bleiben skeptisch.

Bewohner, die die Feuerpause für einen Spaziergang nutzen, erleben ihre Stadt als Ansammlung von Ruinen. Reuters

Aleppo nach fünf Jahren Bürgerkrieg

Bewohner, die die Feuerpause für einen Spaziergang nutzen, erleben ihre Stadt als Ansammlung von Ruinen.

Die am Samstag begonnene Waffenruhe in Syrien hat eine erste kritische Phase überstanden. Trotz ihrer weitgehenden Einhaltung warfen sich die Konfliktparteien aber gegenseitig Verstöße vor. Das wichtigste Oppositionsbündnis erklärte am Sonntag, die Regierung und ihre Verbündeten hätten die von den USA und Russland ausgehandelte Feuerpause in 36 Gebieten missachtet. Moskau - enger militärischer Verbündeter von Syriens Machthaber Baschar al-Assad - monierte seinerseits neun Verletzungen.

Gemessen an der Gewalt der vergangenen Wochen wurde die Waffenruhe allerdings größtenteils eingehalten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bewertete den Beginn überwiegend positiv: „Nicht überall wurde die vereinbarte Waffenruhe sofort und hundertprozentig eingehalten. Doch erstmals gibt es eine Chance auf eine wirkliche Atempause“, sagte Steinmeier der „Welt am Sonntag“. Die Hoffnung auf Frieden steige.

US-Präsident Barack Obama dämpfte Erwartungen: „Sogar unter den besten Umständen wird die Gewalt nicht sofort enden.“ Viel werde davon abhängen, ob das Regime, Russland und deren Verbündete sich an ihre Verpflichtungen hielten. Die erste Zeit sei entscheidend.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Der syrische Oppositionssprecher Ahmed Ramadan erklärte, in zwei Regionen hätten russische Flugzeuge Angriffe geflogen. Dabei sei ein zentralsyrisches Dorf acht Mal bombardiert worden. Gezählt worden seien nur Angriffe, die nicht der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder die Al-Nusra-Front, der syrische Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida, galten. Diese beiden Gruppen sind von der Feuerpause ausgenommen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, russische Maschinen hätten am Sonntag in acht verschiedenen Regionen zugeschlagen - vor allem im Norden nahe der Großstadt Aleppo. Dort hatten die Russen den Regimetruppen zuletzt mit massiver Luftunterstützung dem Weg für den Vormarsch geebnet. Unklar war jedoch zunächst, ob sich in den bombardierten Gebieten Stellungen der Al-Nusra-Front befinden.

Das russische Verteidigungsministerium beschuldigte die Türkei, die Terrormiliz IS bei einem Angriff auf die Kurdenmiliz YPG in der Grenzstadt Tel Abjad mit Artilleriefeuer unterstützt zu haben. Bei den Kämpfen wurden den Menschenrechtsbeobachtern zufolge mindestens 70 IS-Anhänger, 20 Kämpfer der Kurden und ihrer Verbündeten sowie 10 weitere Menschen getötet.

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