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28.05.2015

15:45 Uhr

Fifa-Skandal

Putin bangt um die WM in Russland

Kremlchef Putin mischt sich in die Fifa-Korruptionsaffäre ein. Er wirft den USA vor, Russland die WM wegnehmen zu wollen. Deshalb stärkt er Fifa-Präsident Blatter den Rücken. Doch auch in Deutschland wächst die Kritik.

Ballübergabe: Fifa-Präsident Joseph Blatter und Russlands Präsident im vergangenen Sommer. In drei Jahren soll die nächste WM in Russland ausgetragen werden. dpa

WM 2018 Russland

Ballübergabe: Fifa-Präsident Joseph Blatter und Russlands Präsident im vergangenen Sommer. In drei Jahren soll die nächste WM in Russland ausgetragen werden.

Der Korruptionsskandal beim Fußball-Weltverband stellt vieles infrage: Auch die Vergabe der Weltturniere 2018 und 2022 an Russland und Katar. Schon die russische Ukraine-Politik hat Kritiker auf den Plan gerufen – nun muss Präsident Wladimir Putin umso mehr um das Weltereignis im eigenen Land fürchten.

So lässt Putin die aktuelle Affäre, die in der Festnahme von hochrangigen Fifa-Funktionären gipfelte, nicht kalt. Vielmehr wittert er eine Verschwörung des Westens. So wirft Putin den USA vor, seinem Land durch Einmischung in Fifa-Angelegenheiten die Weltmeisterschaft 2018 wegnehmen zu wollen. Es sei eigenartig, dass die Untersuchung auf Antrag von US-Behörden aufgenommen worden sei, obwohl es sich um Verbrechen handele, in die keine US-Bürger verwickelt und die nicht in den USA passiert seien, sagte Putin am Donnerstag. „Das ist schon wieder ein offenkundiger Versuch der USA, ihr Rechtssystem auf andere Staaten auszuweiten.“

Er fügte hinzu, er sei sich bewusst über den Druck, den Fifa-Präsident Sepp Blatter wegen seiner Unterstützung für die WM in Russland aushalten müsse. Am Mittwoch hatte Putin bereits gesagt, die Festnahme der sieben Fußball-Funktionäre in Zürich seien lediglich ein weiterer Versuch, Blatters für Freitag geplante Wiederwahl zu verhindern.

Die Schweizer Behörden hatten am Mittwoch auf Antrag von US-Behörden sieben hochrangige Fußballfunktionäre in einem Luxushotel in Zürich unter dem Verdacht festgenommen, von 1990 bis heute mehr als 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld angenommen zu haben. Sie sollten in die USA ausgeliefert werden. Insgesamt verfolgt die US-Staatsanwaltschaft 14 Personen – neun derzeitige und ehemalige Fifa-Funktionäre sowie vier Sport-Marketing-Direktoren und einen Vermittler.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

Zudem hatte die schweizerische Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar eröffnet. Beide Verfahren laufen aber getrennt voneinander.

„Alle Fußballfans haben ein Recht darauf zu erfahren, was besonders im Vorfeld der WM-Vergaben wirklich passiert ist“, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) der „Saarbrücker Zeitung“ mit Blick auf mögliche Bestechung bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland und Katar. Der Fifa warf er mangelndes Engagement bei der Aufklärung des Korruptionsverdachts vorgeworfen. „Die Fifa muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Korruption in den eigenen Reihen seit Jahren nicht wirklich untersucht hat.“

Für die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckhardt, muss eine Reform der Fifa daher auch bei den Finanzen ansetzen. „Bei der Fifa fließt zu viel Geld unkontrolliert durch zu wenige Hände“, sagte sie dem Handelsblatt. 29 Prozent der Fifa-Einnahmen kämen über das Sponsoring, 45 Prozent über Fernsehrechte, die sich auch zu einem guten Teil aus deutschen Gebührengeldern speisten. „Jedes verkaufte Bier beim Public Viewing spült Geld in die Taschen von Blatter und Co. – es braucht deshalb Druck von Seiten der Sponsoren und Druck der nationalen Verbände, damit sich im System Fifa Grundsätzliches ändern kann.“ Adidas, Coca Cola, McDonalds und Visa dürften dem Treiben der Fifa nicht länger tatenlos zusehen, so die Grüne. „Jetzt, wo die Verbrecherbande auffliegt und mit dem Finger aufeinander zeigt, fällt auch das korrupte System Fifa auseinander. Nach der Vendetta ist aber nicht automatisch vor der Erneuerung.“

Kommentare (12)

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Herr Vitorio Query

28.05.2015, 12:43 Uhr

>> Der Fifa warf er mangelndes Engagement bei der Aufklärung des Korruptionsverdachts vorgeworfen. „Die FIFA muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Korruption in den eigenen Reihen seit Jahren nicht wirklich untersucht hat.“
>>

Dass ist so , als wenn man einem Dieb sagen würde, der hat sich mit seinen diebischen Veranlagungen nicht entsprechend auseinandergesetzt........:-)

Lachnummer eines Pseudo-Justiz-Ministers !


Herr Fred Meisenkaiser

28.05.2015, 13:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Ulrich Kottke

28.05.2015, 13:31 Uhr

Zitat: "Der als Neocon bekannte US-amerikanische Senataor John McCain hatte schon seit geraumer Zeit die Fifa aufgerufen, Blatter wegen „seiner kontinuierlichen Unterstützung für Russland“ abzusetzen. Nach Aussagen des britischen Journalisten Neil Clark im Interview mit RT, ist der Fifa-Präsident in “die Schusslinien der US-Neocons geraten, da Herr Blatter vor nicht langer Zeit nach Moskau gereist war und betont hatte, dass es ausgeschlossen sei, dass die Fußball-WM Russland entzogen werde”. Zitat Ende. Quelle: rtdeutsch.com

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