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15.05.2014

21:30 Uhr

Fiktive Syrien-Kampagne

Kunstaktivisten bringen Ministerin Schwesig in Bredouille

VonSami Joost

Eine Aktivistengruppe will den Bürgerkrieg in Syrien wieder ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit rücken. Mit einer fiktiven Kampagne bringen sie nun Familienministerin Manuela Schwesig in Bedrängnis.

Tausende wollen syrischen Kindern helfen

Künstleraktion stellt Ministerin bloß

Tausende wollen syrischen Kindern helfen: Künstleraktion stellt Ministerin bloß

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Der Bürgerkrieg in Syrien ist aufgrund anderer tagesaktueller Themen – wie beispielsweise der Ukraine-Krise – in der Öffentlichkeit fast in Vergessenheit geraten. Die Berliner Gruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ rund um den Aktivisten Philipp Ruch will das ändern. Sie hat eine Internetseite online gestellt, auf der die Gruppe im Namen von Familienministerin Manuela Schwesig für ein angebliches Projekt der Bundesregierung wirbt.

Auf der aufwändig gestalteten Page, die auf den ersten Blick tatsächlich vom Bundesministerium für Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stammen könnte, wird unter dem Motto „1 aus 100“ für die Aufnahme von 55.000 syrischen Flüchtlingskindern in deutschen Pflegefamilien geworben.

Syrische Kinder sind auf der Internetseite zu sehen, glücklich-lächelnd. Sie halten Plakate in den Händen, auf denen in dicken Lettern Danksagungen an Schwesig zu lesen sind. Denn die, so heißt es auf der Page, hat „eines der ambitioniertesten Projekte der jüngeren bundesdeutschen Geschichte“ auf die Beine gestellt und will tausende syrische Kinder aus der Gefahrenzone ins sichere Deutschland holen.

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Tatsächlich hätten sich bereits hunderte deutsche Familien gemeldet, um ein syrisches Kind bei sich aufzunehmen, vermeldet das „Zentrum für Schönheit“ in einer Pressemitteilung. Dabei gibt es keine Kampagne, die Kindern in Syrien helfen möchte, jedenfalls keine, die vom Familienministerium stammt.

Die Ministerin selbst ringt nun um eine passende Stellungnahme – Kindern schlägt man nicht gerne die Tür vor der Nase zu. In einer ersten offiziellen Äußerung einer Sprecherin des Bundesfamilienministeriums heißt es deshalb: Die Kampagne „1 aus 100“ sei „keine Aktion des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das BMFSFJ-Logo sowie Fotos und Unterschriften der Ministerin und des Staatssekretärs wurden ohne Wissen und ohne Genehmigung des Ministeriums genutzt.“ Allerdings, so beeilt man sich zu sagen, wolle man von rechtlichen Schritten gegen die Initiatoren absehen.

Für das „Zentrum für politische Schönheit“, das bereits in der Vergangenheit durch öffentlichkeitswirksame Aktionen zum Beispiel gegen Rüstungsexporte auf sich aufmerksam gemacht hat, ist das sicher schon ein Erfolg. Doch Kunstaktivist Philipp Ruch, treibende Kraft der Initiative, will noch mehr. Sein Ziel: Er möchte durch die Aktion das Leid und Schicksal der syrischen Flüchtlingskinder einer breiten Öffentlichkeit wieder ins Bewusstsein rufen.

„Die Zahlen sind apokalyptisch: 150.000 Tote, zehn Millionen Vertriebene, 5,5 Millionen hilfsbedürftige Kinder in Syrien. Aber die größte Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts droht in der deutschen Öffentlichkeit einfach unterzugehen”, sagt der Berliner.

Kommentare (1)

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16.05.2014, 07:43 Uhr

„Die Zahlen sind apokalyptisch: 150.000 Tote, zehn Millionen Vertriebene, 5,5 Millionen hilfsbedürftige Kinder in Syrien. Aber die größte Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts droht in der deutschen Öffentlichkeit einfach unterzugehen”, sagt der Berliner.

Warum soll man sich mit Syrien Krieg befassen. Es reicht wenn die Bundesregierung, EU Kommision und die Medien Erdogan- und Türkei Bashing betreiben.

Auch Militärputsch in Ägypten mit tausende von Toten und Massenhinrichtungen wird wohlwollend in Kauf genommen.

Die Wiege der Demokratie, das alte Kontinent, kritisiert Erdogan und die Türkei wegen Wasserwerfern und Tränengas gegen gewalttätige Demontsranten. In Ägypten sind Sie nur besorgt, wenn die Miliärs mit Panzer vorrücken, Massaker und Massenhinrichtungen am Volk ausüben, die Verfassung außer Kraft setzen, das demokratisch gewählte Parlament auflösen und den Präsidenten absetzen.

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