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25.09.2014

17:12 Uhr

Filmaufnahmen aus IS-Hochburg

Unter totaler Überwachung

VonMartin Pirkl

Seltene Einblicke in die Terrorherrschaft des „Islamischen Staat“: Eine Studentin hat Filmaufnahmen aus der IS-Hochburg Rakka veröffentlicht. Die Bilder zeigen, wie das Leben unter der Extremisten-Herrschaft aussieht.

DüsseldorfBewaffnete Menschen so weit das Auge reicht. Selbst eine Mutter, die ihren Sohn in den Kindergarten bringt, trägt eine Maschinenpistole über ihrer Schulter. Alle Frauen sind komplett verhüllt, tragen Burkas. Filmaufnahmen im französischen Fernsehen zeigen, wie das Leben in der syrischen Stadt Rakka aussieht. Die Stadt wurde 2013 im Bürgerkrieg von Rebellen eingenommen. Anschließend eroberten die Kämpfer des „Islamischen Staates“ (IS) Rakka. Seitdem gilt dort die Scharia, das islamische Recht.

Die Videoaufnahmen stammen von einer syrischen Studentin. Sie hat heimlich unter ihrer Burka gefilmt und Filmmaterial französischen Fernsehsendern zugespielt – und gibt so dem Westen einen Einblick in das Leben unter der IS-Herrschaft. Es ist ein Leben unter totaler Kontrolle. Wie streng der IS die Einhaltung der Scharia überwacht, muss die Studentin am eigenem Leib erfahren. Während sie heimlich filmt, halten Extremisten mit ihrem Auto an und rufen nach ihr. Ihre Burka ist etwas verrutscht und es ist ein Teil ihres Gesichts zu sehen. Schnell gelobt sie den Aufpassern Besserung.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Die meisten Menschen in Rakka sind unfreiwillig unter IS-Herrschaft geraten. In einem Internetcafé trifft die Studentin allerdings auf eine Gruppe von Frauen, die aus eigenem Entschluss nach Rakka gezogen sind, um im Islamischen Staat zu leben. Die Frauen stammen aus Frankreich und skypen mit ihren Eltern. Diese können nicht verstehen, wieso ihre Kinder sich den Extremisten angeschlossen haben. Eine der Französinnen stellt klar, dass es für sie keinen Weg zurück gibt: „Ich will hier bleiben, mir geht es gut hier.“

Am 29. Juni hatte die islamische Terrorgruppe IS ein Kalifat in Syrien und dem Irak ausgerufen. Der IS geht mit Brutalität gegen Andersgläubige wie die Jesiden oder die christliche Minderheit im Irak vor. Laut der Scharia müssen sich Frauen in der Öffentlichkeit komplett verschleiern. Außerdem sind Alkohol und Musik strikt verboten.

Kommentare (1)

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Herr Thomas Ungläubig

25.09.2014, 17:47 Uhr

»Bewaffnete Menschen so weit das Auge reicht. Selbst eine Mutter, die ihren Sohn in den Kindergarten bringt, trägt eine Maschinenpistole über ihrer Schulter.«

Genau das habe ich auch mal in Jerusalem auf einer meiner Reisen gesehen. Allerdings trug die Mutter keine Burka.

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