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10.01.2010

06:00 Uhr

Financial Stability Board

Top-Aufseher warnen vor Übermut

VonYasmin Osman, Michael Maisch , Klaus C. Engelen

Die wichtigsten internationalen Aufsichtsbehörden und Finanzminister haben die Banken vor übertriebenem Optimismus und einem Rückfall in alte Verhaltensmuster gewarnt. Die Geldinstitute sollten sich besser für ein Leben ohne Extra-Hilfen rüsten.

Vorsitzender des Financial Stability Boards: Mario Draghi. Quelle: Reuters

Vorsitzender des Financial Stability Boards: Mario Draghi.

FRANKFURT, LONDON. Die wichtigsten internationalen Aufsichtsbehörden und Finanzminister haben die Banken vor übertriebenem Optimismus und einem Rückfall in alte Verhaltensmuster gewarnt. So bezeichnete das Financial Stability Board (FSB), in dem die Notenbanken, Aufsichtsbehörden und Finanzminister der G20-Länder vereint sind, das Finanzsystem weiterhin als verwundbar. „Die allgemeine Lage ist viel besser, als wir es vor einem Jahr hätten erwarten können, aber zugleich ist sie nicht so gut, wie die Finanzmärkte es glauben“, sagte Mario Draghi, der FSB-Vorsitzende und Chef der italienischen Notenbank, am Wochenende.

Damit brachte er das Unbehagen vieler Top-Aufseher auf den Punkt. Sie fürchten, dass sich die Banken zu stark auf die lockere Geldpolitik der Notenbanken verlassen und dadurch mehr Risiken eingehen, als sie verkraften. Das könnte ein Problem werden, weil sich Notenbanken weltweit darauf einstellen, die extrem laxe Geldpolitik in diesem Jahr wieder etwas zu straffen. Dies ist einer der wichtigsten Punkte, über den Notenbankgouverneure und internationale Aufseher am Wochenende mit hochrangigen Bankchefs in Basel debattiert haben. Zuletzt hatte am Donnerstag eine Gruppe von US-Aufsichtsgremien die Banken dazu aufgefordert, sich besser gegen steigende Leitzinsen zu wappnen.

Draghi erinnerte daran, dass die Erholung im Bankensektor nicht allein aus eigener Kraft erreicht wurde: „Es ist richtig, die Banken haben wieder einen besseren Zugang zu privatem Kapital, und ihre Profitabilität, ihre Liquidität und Refinanzierung haben sich verbessert.“ Viele dieser Verbesserungen seien aber auf außerordentliche geldpolitische und staatliche Hilfen zurückzuführen. „Die Banken übernehmen wieder Risiken“, konstatierte er. Es gebe aber noch immer substanzielle Schwächen im Finanzsystem. Dies sollten die Banken im Hinterkopf behalten.

Ein besonders drängendes Problem ist für Draghi der künftige hohe Finanzbedarf von Unternehmen und Finanzinstituten. Damit spielte er auch darauf an, dass viele Banken in den nächsten Jahren hohe Volumina fällig werdender Anleihen umschulden müssen. Zugleich zwingt die massiv steigende Staatsverschuldung viele Länder, sich stärker an den Kapitalmärkten zu versorgen. Dies könne zu Verdrängungseffekten führen. Damit meint er, dass Anleger lieber Staatsanleihen statt riskantere Firmen- oder Bankanleihen kaufen könnten. Das FSB sprach sich zudem für zielgerichtetere Staatshilfen aus: „Es ist wichtig, dass Liquidität und Risikokapital dorthin gesteuert werden, wo sie die Kreditvergabe an die Sektoren der Realwirtschaft unterstützen, inklusive kleine und mittelgroße Unternehmen“, so das FSB.

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