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20.03.2013

14:43 Uhr

Finanzaffäre

Razzia in Privatwohnung von IWF-Chefin Lagarde

Eine Finanzaffäre um Bernard Tapie holt IWF-Chefin Christine Lagarde ein. In ihrer Zeit als Finanzministerin soll der Skandalunternehmer eine riesige Entschädigungszahlung aus der Staatskasse erhalten haben.

Christine Lagarde sieht in der Razzia die Chance, alle Vorwürfe auszuräumen. dpa

Christine Lagarde sieht in der Razzia die Chance, alle Vorwürfe auszuräumen.

ParisIhre Zeit als Frankreichs Finanzministerin ist für Christine Lagarde noch längst nicht abgehakt. Das bekam Lagarde, mittlerweile Chefin des Internationalen Währungsfonds, heute mehr als deutlich zu spüren. Ermittler durchsuchten die Räume ihrer Privatwohnung in Paris nach Hinweisen im „Fall Tapie“. In der Finanzaffäre geht es um umstrittene Millionenzahlungen an den Skandalunternehmer Bernard Tapie. Lagardes Anwalt Yves Repiquet betonte am Mittwoch, seine Mandantin habe in der Affäre „nichts zu verbergen“ und begrüße die Razzia als Möglichkeit, ihre Unschuld zu beweisen. Sie sei in der Angelegenheit auch noch nicht befragt worden.

Bei den Ermittlungen geht es um Entscheidungen, die dazu führten, dass Tapie vor knapp fünf Jahren eine hohe Entschädigungszahlung aus Staatsgeldern zugesprochen bekam. Während Lagarde als französische Finanzministerin amtierte, hatte es 2008 eine Einigung einer staatlichen Bank mit dem Geschäftsmann Bernard Tapie im Umfang von umgerechnet knapp 300 Millionen Euro gegeben. Im August 2011 waren im Zusammenhang mit der Affäre Ermittlungen gegen Lagarde eingeleitet worden. Die Ermittlungen gegen sie werden vom Gerichtshof der Republik geleitet, der einzigen Instanz in Frankreich, die zu mutmaßlichen Vergehen von Regierungsmitgliedern während ihrer Amtszeit ermitteln darf.

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Außerdem fordert IWF-Chefin Lagarde eine finanzielle Absicherung im Krisenfall.

In der Tapie-Affäre geht es um den Verkauf des deutschen Sportartikelherstellers Adidas an die französische Bank Crédit Lyonnais im Jahr 1993. Tapie hatte der verstaatlichten Bank vorgeworfen, ihn beim Verkauf des Unternehmens übervorteilt zu haben, und auf Entschädigung geklagt. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen dem Geschäftsmann und der Bank beauftragte die frisch ins Amt eingeführte Finanzministerin Lagarde im Jahr 2007 ein Schiedsgericht, den Fall zu lösen. Tapie bekam daraufhin Schadenersatz in Höhe von 285 Millionen Euro – mit Zinsen sogar 400 Millionen Euro – zugesprochen.

Lagarde hatte zuletzt Ende Januar beteuert, die Anrufung des Schiedsgerichts sei „damals die beste Lösung“ gewesen. Separat zu den Ermittlungen gegen Lagarde untersuchen auch Pariser Untersuchungsrichter den Fall. Dabei wurden zuletzt unter anderem die Wohn- und Büroräume von Claude Guéant durchsucht, der zum Zeitpunkt der Affäre unter dem damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy Generalsekretär im Präsidentenpalast war.

Kommentare (11)

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Schneeflittchen

20.03.2013, 16:34 Uhr

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Account gelöscht!

20.03.2013, 16:46 Uhr

Das Schlimme ist, daß die Sonnenbank auch leider die einzige Bank ist, von der die Lagarde jemals etwas verstanden hat.

Account gelöscht!

20.03.2013, 16:54 Uhr

Kann mir jemand eine Politiker oder Bänker nennen, der nicht kriminell ist?

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