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23.10.2012

16:17 Uhr

Finanzhilfen für Airbus

Bundesregierung weist Kritik aus Frankreich zurück

ExklusivDeutschland hält 600 Millionen Euro an Hilfen für den A350 zurück. Das kritisiert der französische Ministerpräsident Ayrault bei der Eröffnung des Endmontagewerks. Die Reaktion aus Berlin folgt prompt.

Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault (r.) kritisiert die Bundesregierung. dapd

Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault (r.) kritisiert die Bundesregierung.

Berlin/ColomiersDie Bundesregierung hat Forderungen des französischen Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault, Deutschland solle seine Blockade von Finanzhilfen für den Flugzeugbauer Airbus aufgeben, zurückgewiesen: „Aus haushaltsrechtlichen Gründen ist diese Förderungszusage mit klaren Erwartungen verbunden“, erfuhr das Handelsblatt aus informierten Kreisen im Bundeswirtschaftsministerium.

„Der Airbus-Konzern muss seine Zusage einhalten und Forschung, Entwicklung und Produktion an den deutschen Standorten bei laufenden und zukünftigen Programmen stärken und ausbauen“, heißt es im Wirtschaftsministerium. Dies gelte auch vor dem Hintergrund, dass das A350XWB-Programm federführend in Frankreich angesiedelt sei.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Jean-Marc Ayrault hatte am Dienstag bei der Eröffnung eines Montagewerks für die neuen Maschinen in Toulouse betont, es sei wichtig, dass die europäischen Airbus-Partnerländer ihre Verpflichtungen für das neue A350-Modell vollständig erfüllten, ohne Deutschland beim Namen zu nennen.

Das Handelsblatt hatte jedoch vergangene Woche aus Regierungskreisen in Berlin erfahren, dass Deutschland 600 Millionen Euro Hilfen für das geplante Langstreckenflugzeug zurückhält. Bei den Hilfen geht es um den zweiten Teil einer vereinbarten Anschubfinanzierung von 1,1 Milliarden Euro.

A350: Bundesregierung verärgert über Airbus

A350

exklusivBundesregierung verärgert über Airbus

In der Bundesregierung wächst der Ärger über nicht eingehaltene Zusagen. Mit der Anschubfinanzierung für den A350 sei die Stärkung der deutschen Standorte verbunden gewesen, heißt es. Airbus schweigt dazu.

Zwei Wochen nach dem Scheitern der Fusionspläne der europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems hat sich die französische Regierung demonstrativ hinter EADS-Chef Tom Enders gestellt. Er habe „volles Vertrauen“ in die Strategie des von Enders geführten Konzerns, sagte Regierungschef Jean-Marc Ayrault am Dienstag bei der Einweihung des Endmontagewerks für den neuen Langstreckenjet A350 der EADS-Tochter Airbus in Colomiers bei Toulouse. Er wünsche Enders „viel Mut und Erfolg“ bei den von ihm angegangenen Projekten.

Die Fusion von EADS und BAE Systems war vor zwei Wochen am Widerstand der Bundesregierung gescheitert. Ein Streit um die Anteile der Regierungen an dem neuen Konzern und um Produktionsstandorte hatte zu einer Blockade der Verhandlungen geführt.

Airbus-Chef Fabrice Brégier sagte in Colomiers, es gebe eine „sehr gute Unterstützung“ der französischen Regierung für Forschung und Entwicklung. „Ich hoffe, wir bekommen das gleiche auch in Deutschland, denn wir machen auch große Sachen in unseren deutschen Fabriken.“ Mit dem A350, für den Teile auch in Hamburg und Bremen hergestellt werden, will Airbus den US-Langstreckenfliegern Boeing 777 und Boeing 787 Dreamliner Konkurrenz machen.

Der neue Airbus soll etwa ein Viertel weniger Treibstoff verbrauchen als herkömmliche Flugzeuge. Der Termin für die ersten Auslieferungen wurde aber mehrfach verschoben, die ersten Maschinen sollen nun in der zweiten Hälfte 2014 an die Kunden geliefert werden.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

23.10.2012, 16:35 Uhr

"...Er wünsche Enders „viel Mut und Erfolg“ bei den von ihm angegangenen Projekten."

Ist mir klar - vor allem bei Tom's Lieblingsprojekt, den DoppelFirmensitz von EADS mit Toulousse und Ottobrunn/München abzuschaffen, in Toulousse komplett zu zentrieren und zwecks moralischer Alibikompensation noch n' kleines Forschungslabörchen als Erinnerungswert zu hinterlassen.

Diese Sauerei darf nicht geduldet werden, Deutschland muss die Parität in der praktischen Umsetzung EINFORDERN!

Auch wenn der Franzenmann Staune-Runzeln kriegt...

Funin

23.10.2012, 16:54 Uhr

- Warum laufen alle deutschen Abgesandten in internationalen Clubs immer sofort von Deutschland zum in ihren Augen mächtigeren Europa (oder Frankreich) über, während ihre Kollegen aus anderen Ländern immer noch an ihre Heimat-Nationen denken?

- Warum verfolgen die Politiker aller deutschen Parteien nicht die Interessen Deutschlands sondern des in ihren Augen künftig mächtigeren Europas?

- Warum stehen die deutschen Bürger, Wähler und Parlamentarier in Gegensatz zu den Bürgern und Wählern anderer Länder zu allen Zeiten unkritisch zur jeweils stärksten politischen Führungsgestalt?

Da gibt's doch wohl nur einen Grund: Tragischerweise ist die Mehrzahl der Deutschen unverbesserlich kritiklos obrigkeitshörig (das sind die Leute "unten") oder begierig an der Macht der Mächtigsten teilzuhaben (das sind die Leute "oben"). Das erklärt übrigens auch die deutsche Standard-Tugend Disziplin.

Und genau aus diesem Grund wird Deutschland auch in regelmäßigen Abständen von einer Katastrophe in die nächste stürzen – wie die Lemminge hinter ihren Leit-Tieren.

Micha

23.10.2012, 17:14 Uhr

Mutti macht den Franzosen bestimmt ein für den Deutschen Michel als "alternativlos" verkauftes Weihnachtsgeschenk! Wetten?

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