Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.06.2011

16:54 Uhr

Finanzkrise

Bargeld wird in Griechenland Mangelware

ExklusivDie griechischen Unternehmen leiden stark unter der chaotischen Lage des Landes. Im griechischen Geldverkehr zwischen Unternehmen wird immer seltener mit Bargeld bezahlt.

Ein streikender Arbeiter im Hafen von Piräus. Quelle: dapd

Ein streikender Arbeiter im Hafen von Piräus.

DüsseldorfEtwa 75 Prozent aller Firmen würden ihre Rechnungen inzwischen mit nachdatierten Schecks zahlen, die übertragbar sind und durch viele verschiedene Hände gehen, sagte der griechische Logistikmanager Panagiotis Manolopoulos in einem Interview mit dem Handelsblatt: "Am Ende weiß keiner mehr, ob der Scheck überhaupt noch gedeckt ist – weil sie mit dem Zehnten in der Reihe in der Regel keine Geschäftsbeziehung haben."

Der Griechenland-Geschäftsführer des Schweizer Logistik-Dienstleisters Militzer + Münch International nannte den schrumpfenden Anteil der Bargeld-Zahlungen als drängendstes Problem im Geschäftsalltag und forderte die Athener Regierung auf, das Zahlen mit nachdatierten Schecks bald zu unterbinden: "Das wäre ein mutiger Schritt. Er würde im Geldgeschäft die Spreu vom Weizen trennen und Vertrauen zurückbringen, das unsere Wirtschaft dringend benötigt."

Manolopoulos sieht Griechenlands Unternehmen auch durch Streiks und die anhaltenden politischen Diskussionen schwer gebremst: "Die zentrale Frage ist, was noch alles auf die Wirtschaft zukommt. Wenn morgen etwa das neue Sparpaket verabschiedet wird, wovon ich ausgehe, wird sofort wieder die Frage aufkommen: Wie lange hält es diesmal? Wie wird die Lage in zwölf Monaten aussehen, wie die Finanz- und Steuerpolitik? Wegen dieser großen Ungewissheit kann fast keine Firma mehr über den Tag hinaus planen."

Jeder Streiktag verursache zudem Mehrkosten, führe zu enormen Behinderungen und Nacharbeit, sagte der Manager: "Wenn an Häfen und Flughäfen keine Fracht mehr abgefertigt wird, gerät die Transportkette durcheinander. Zudem gibt es seit Tagen immer wieder Stromausfälle für ein bis zwei Stunden. Dann läuft keine Maschine mehr, kein PC – und im Grunde auch kein Geschäft."

Von

ebe

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer_J

28.06.2011, 21:24 Uhr

In Griechenland wurde viel Geld nicht verwendet, um die Produktivität des Landes zu steigern, sondern wurde privatisiert (höhere Gehälter und Prämien). Dieses Geld wird jetzt abgehoben und im Ausland (Schweiz, Deutschland, England usw.) eingezahlt oder es werden dort Sachwerte (z.B. Häuser) gekauft und bar gezahlt. Damit will man das gestohlene Geld retten.

Das-ist-doch-der-Beschiss

29.06.2011, 00:19 Uhr

Firmen zahlen untereinander in Bargeld ??? DAS ist doch der ewige Beschiß, der Griechenland kennzeichnet! Hat man schon einmal etwas von Rechnung und Banküberweisung gehört ? Wohl nicht, denn da könnte man den Fiskus nicht betrügen - und das wäre ja völlig ungriechisch.

Account gelöscht!

29.06.2011, 05:31 Uhr

aber hallo...drängendstes Problem!

als nächstes schreiben die dann auch noch Drachme drauf und denken sich

"Das wäre ein mutiger Schritt. Er würde im Geldgeschäft die Spreu vom Weizen trennen und Vertrauen zurückbringen, das unsere Wirtschaft dringend benötigt"

da bekommen die schon ne dicke Krise spendiert und dann sowas....

:-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×