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17.02.2015

16:45 Uhr

Finanzkrise in Griechenland

Athen übt sich in Gelassenheit

Bis Freitag muss sich Athen entscheiden, ob es eine Verlängerung des laufenden Rettungsprogramm beantragt – doch danach sieht es nicht aus. Die griechische Regierung gibt sich lässig, die Märkte reagieren mit Verlusten.

Dem griechischen Parlament läuft die Zeit davon. Doch die Athener Regierung übt sich im Schuldenstreit in Gelassenheit. Reuters

Finanzkrise in Griechenland

Dem griechischen Parlament läuft die Zeit davon. Doch die Athener Regierung übt sich im Schuldenstreit in Gelassenheit.

BrüsselDer Machtpoker zwischen Griechenland und seinen europäischen Geldgebern über eine Lösung für die Schuldenkrise sorgt für Nervosität. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mahnte Athen am Dienstag erneut, die Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms zu beantragen. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis gab sich trotz Abbruchs der Gespräche vom Vortag zuversichtlich. Doch die Börse in Athen reagierte mit Kursverlusten.

Am Montagabend hatten die Finanzminister der Eurogruppe der neuen Regierung in Athen ein Ultimatum bis Freitag gesetzt, um eine Verlängerung das Ende Februar auslaufenden Rettungsprogramms zu beantragen. Athen lehnte dies wegen der damit verbundenen Spar- und Reformauflagen ab und erklärte die Gespräche für beendet.

Finanzminister Varoufakis meinte aber, in Europa wisse man, wie man trotz anfänglicher Uneinigkeit noch zu einer ehrbaren Lösung komme. Regierungschef Alexis Tsipras reagierte unterdessen mit scharfen Worten auf Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Schäuble habe seine Selbstbeherrschung verloren und sich abwertend über das griechische Volk geäußert, sagte Tsipras am Dienstag in Athen. Er schätze den deutschen Minister und wolle ihm freundschaftlich sagen: „Es wäre besser, er würde Völker bemitleiden, die mit hängendem Kopf gehen.“

Schäuble hatte am Vortag im Rundfunk gesagt, die Griechen täten ihm leid. Sie hätten eine Regierung gewählt, die sich im Augenblick ziemlich unverantwortlich verhalte.

Tsipras erklärte weiter, sein Land drohe niemandem, lasse sich aber nicht erpressen. Niemand könne mit Griechenland reden, als wäre es eine Kolonie, sagte der Chef des Linksbündnisses Syriza auf einer im Fernsehen übertragenen Sitzung der Parlamentsfraktion. Tsipras hatte mit Syriza die Wahlen vor allem gewonnen, weil er ein Ende der von Brüssel verlangten Spar- und Reformpolitik versprach.

Die nächsten Stationen im griechischen Schuldendrama

27. Februar

Genau drei Jahre, nachdem der Bundestag dafür gestimmt hatte, ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland aufzulegen, haben die Abgeordneten dieses um vier Monate verlängert. Damit soll Athen mehr Zeit bekommen, die Auflagen umzusetzen, damit noch nicht ausgezahltes Geld aus den Hilfstöpfen fließen kann. Das geschieht aber nicht sofort.

28. Februar

Um Mitternacht wäre das geltende Hilfsprogramm ausgelaufen.

Ende April

Bis dahin sollen Athen und die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die bislang nur grob vereinbarten Reformvorhaben weiter ausarbeiten und mit konkreten Zahlen unterlegen. Sind alle einverstanden, kann Geld ausgezahlt werden. Dafür ist auch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags nötig.

Wie viele Euro Griechenland noch zustehen, ist nicht ganz klar. Da ist zum einen die noch ausstehende Tranche aus dem Hilfsprogramm von 1,8 Milliarden Euro. Außerdem liegen rund 1,9 Milliarden Euro aus Gewinnen der EZB mit griechischen Staatsanleihen bereit. Einschließlich weiterer Mittel des IWF hofft Athen auf eine Summe von 7,2 Milliarden Euro.

30. Juni

An diesem Tag läuft das nun verlängerte zweite Hilfsprogramm aus. Viele Fachleute und Finanzpolitiker gehen davon aus, dass anschließend ein drittes Hilfspaket für Griechenland nötig sein wird. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dies nie ausgeschlossen. Ob und in welcher Höhe ein solches Programm kommt, dürfte für neue harte Debatten sorgen.

20. Juli

Griechenland muss Schulden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Analysten zufolge dürfte Athen bis zu diesem Termin finanziell über die Runden kommen. Danach wäre das Land aber vermutlich auf weitere Hilfe angewiesen, um den Staatsbankrott zu verhindern.

20. August

Weitere 3,2 Milliarden Euro an die EZB werden fällig.

Eurogruppen-Chef Djisselbloem sagte, die Griechen könnten „ihre politischen Prioritäten einbringen“, sofern sie die Verlängerung beantragten. Die Eurogruppe könne dann eine Flexibilität erlauben.

Die Ungewissheit über die griechische Schuldenkrise und den Verbleib des Landes im Euro belastete die Finanzmärkte. Griechische Aktien verloren zu Handelsbeginn vier Prozent, auch andere Börsen reagierten mit Kursverlusten.

Kommentare (1)

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Herr reiner tiroch

17.02.2015, 19:11 Uhr

wie lange soll denn diese dämliche nachhaltige Routineretterei noch gehen? wenn heute schon alles wackelt, was macht ihr dann, wenn der 2 Billiarden schwere zusammenbricht? hahahahahaDerivatemarkt

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