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06.06.2012

17:27 Uhr

Finanzkrise

Märkte nehmen Spanien auf die Hörner

VonAnne Grüttner

Muss Spanien unter Europas Rettungsschirm schlüpfen? Die Regierung will zunächst einen IWF-Bericht über den Zustand des Finanzsektors abwarten, bevor sie sich entscheidet. Aber schon Donnerstag haben die Märkte das Wort.

„Die Männer in Schwarz werden nicht kommen“, versicherte der spanische Finanzminister Cristobal Montoro. Reuters

„Die Männer in Schwarz werden nicht kommen“, versicherte der spanische Finanzminister Cristobal Montoro.

MadridDer Countdown läuft. Seit Wochen muss Spanien hilflos mit ansehen, wie seine Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt mit horrenden, mittelfristig unhaltbaren Renditen bestraft werden. Zehnjährige Staatsbonds rentieren derzeit deutlich über sechs Prozent, ein Niveau, dass nicht mit einem nachhaltigen Schuldenmanagement vereinbar und nicht allzu weit entfernt ist von den Renditen, die bereits Portugal, Griechenland oder Irland unter den europäischen Rettungsschirm trieben.

Immer aufgeregter werden die Krisengespräche unter den Euroländern, den EU-Institutionen oder den G7-Regierungen, immer verzweifelter die Aufrufe der spanischen Regierung an die europäischen Partner und Institutionen, etwas zu ihrer Rettung zu unternehmen. Aber: Einen EU-Rettungskredit mit harten Auflagen im Stile des Nachbarlandes Portugal wollen die Spanier um keinen Preis. Das, so meint die vor einem halben Jahr mit harten Reformen angetretene Regierung Rajoy, habe sie nicht verdient.

Wie lange hält Spanien noch durch?

Muss als nächstes Spanien unter den Rettungsschirm?

Die Madrider Regierung schloss es lange Zeit völlig aus, Hilfen aus dem EU-Rettungsfonds zu beantragen. Spanien ist aber auf den Finanzmärkten so sehr unter Druck geraten, dass es nun in vorderster Front der Problemländer steht, dicht gefolgt von Italien.

Wie ernst ist die Lage Spaniens?

Die Höhe der Risikoaufschläge, die Madrid bei den Zinsen für seine Anleihen zahlen muss, hat ein bedrohliches Niveau erreicht. Ein Wert von über 500 Basispunkten gilt als gefährlich. Dieser Index gibt die Differenz zwischen dem Zinssatz der deutschen Zehn-Jahres-Anleihen und der Rendite der Staatsanleihen anderer Länder wieder. Griechenland, Irland und Portugal mussten wenige Wochen nach Überschreiten dieser Marke unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen. Spanien wies am Freitag einen Wert von zeitweise über 540 Basispunkten auf.

Ist der Bankrott Spaniens nur noch eine Frage der Zeit?

Nein. Die Basispunkte bezeichnen nur die Differenz zum deutschen Zinssatz, sagen aber nichts über die effektive Höhe der Risikoaufschläge aus. Bei der EU-Rettungsaktion für Griechenland, Irland und Portugal war der deutsche Zins höher als heute. Die drei Länder mussten damals kurz vor der Rettung für ihre Zehn-Jahres-Anleihen Zinsen von etwa 8,8 Prozent zahlen. Bei Spanien stieg der Wert am Freitag auf knapp 6,7 Prozent. Ein Niveau von über 7,0 Prozent gilt nach Ansicht von Experten als gefährlich.

Was sagt die spanische Regierung zu der drohenden Gefahr?

Madrid räumt ein, dass das jetzige Zinsniveau auf die Dauer nicht tragbar ist. Wirtschaftsminister Luis de Guindos betonte aber, die spanischen Staatsfinanzen seien gesichert. Bis zum Jahresende müsse der Staat neue Anleihen in Höhe von nur 3,0 Milliarden Euro aufnehmen. Er verschwieg allerdings, dass Schulden aus der Vergangenheit fällig werden und neu finanziert werden müssen. Madrid hofft darauf, dass die Lage sich nach den Wahlen in Griechenland entspannt und das Zinsniveau dann wieder sinkt.

Wieso hat sich die Krise in Spanien wieder zugespitzt?

Der Auslöser war die Krise der maroden Großbank Bankia. Die Regierung war davon ausgegangen, dass zur Sanierung des gesamten Bankensektors eine Summe von 15 Milliarden Euro ausreichend sei. Nun aber muss sie allein für Bankia, das viertgrößte Geldhaus des Landes, mehr als 23 Milliarden aufbringen. Niemand weiß, welche Summen noch für andere Banken fällig werden.

Woher will Spanien das Geld nehmen?

Die spanischen Fonds zur Bankenrettung sind praktisch leer. Der Staat könnte zur Bankia-Sanierung neue Schulden aufnehmen, diese wären aber aufgrund des Zinsniveaus kaum finanzierbar. Nach Ansicht von Experten bieten sich nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt wieder spanische und italienische Staatsanleihen und sorgt damit für ein Sinken der Risikoaufschläge, oder die EU lässt sich doch dazu bewegen, Gelder aus dem EU-Rettungsfonds für die Sanierung spanischer Banken bereitzustellen.

„Die Männer in Schwarz werden nicht kommen“, beschied Finanzminister Cristobal Montoro in Anspielung auf die Abordnungen der sogenannten Troika, dem Dreigespann aus EU, IWF und EZB, die alle drei Monate nach Portugal, Irland oder Griechenland reisen, um die Einhaltung der Rettungskreditauflagen zu prüfen und dann über die Freigabe der nächsten Kredittranche zu entscheiden.

Doch gegen die von den Spaniern bevorzugten Lösungen, etwa die von Premier Mariano Rajoy gerade erneut ins Spiel gebrachten Euro-Bonds, gegen eine Bankenunion oder gegen EU-Rettungskredite direkt an Banken, wehren sich vor allem die Deutschen.

Vermutlich wird jegliche Lösung der Eurokrise, wenn überhaupt, zu spät für die Spanier kommen. Ein Gang zum Rettungsschirm, das sehen mittlerweile selbst spanische Banker wie Santander-Patriarch Emilio Botín so, scheint zunehmend unvermeidlich.

Wie konnte es soweit kommen? Und wie hoch müsste ein Rettungskredit für Spanien ausfallen?

Kommentare (28)

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tbhomy

06.06.2012, 18:31 Uhr

Griechenland, Spanien...wer ist der Nächste? Die Billionen der deutschen Sparer müssen doch irgendwie an die Banken und Hedgefonds gelangen.

Das muss doch gehen...irgendwie.

Furcht

06.06.2012, 18:41 Uhr

Leute, genießt den Krieg - der Frieden wird fürchterlich sein ...

btw

06.06.2012, 18:57 Uhr

bald wird spananien raus sein.
das sind nicht
mal die blöden politiker, die das wollen,
das sind einfach nur kleine spielkinder, die sich die
nationalstaatler zur brust nehmen.
und danach dann wir "der ganze Eurotraum", als den ihn die Nationalstaatler ausgemacht haben "ausgeträumt" sein.

Für solche leute sind das hier alles Volxverräter, die sich für den Euro verwenden.

Und die sich "erpresst" fühlen, weil das grad gestern war mit den Bauernkriegen oder mit der Völkerschlacht in Leipzig.


Die kriegen garnicht genug von Blut.

Wo denen derzeit eigentlich doch Syrien mit 10.000 Toten vollkommen ausreiche n sollte.

Das reicht diesen Leuten nicht.

Aber sagt man denen was sie machen, stecken die einen in den Knast und beahupten man sei Menschenfeind.

Freund der Menschen zu sein bedeutet heute immer noch: sich auf ein Killerkommando einzulassen, das einen zu besuchen wünscht.

Sowas braucht hier niemand: also nun die Spananier, und die frites werden dafür sorgen, dass das weiter so geht.

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