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31.07.2011

10:38 Uhr

Finanzkrise

Wie die Geldmacht China zur Weltmacht wird

VonAndrea Böhm, Uwe Jean Heuser
Quelle:Zeit Online

Armer Westen, starkes China: Die Schuldenkrise verschiebt die globalen Kräfteverhältnisse. Die Zukunftsszenarien sehen düster aus, auch weil der Westen nicht aus der Schuldenkrise lernen will.

Dicht an dicht fahren die Autos in Chinas Hauptstadt Peking. China profitiert von den Krisen in Europa und den USA und kann seine Macht weiter ausbauen. Quelle: dpa

Dicht an dicht fahren die Autos in Chinas Hauptstadt Peking. China profitiert von den Krisen in Europa und den USA und kann seine Macht weiter ausbauen.

»Auf dem Times Square in New York kam es heute Morgen erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Nationalgarde und Demonstranten. Sämtliche Banken und Geschäfte in Manhattan sind geschlossen. Seit die US-Regierung im vergangenen Jahr die Sozialversicherungszahlungen ausgesetzt hat, besetzen Bürger jede Woche in einem Konsumboykott Shopping Malls und zentrale Plätze in den Großstädten. Für den bevorstehenden Besuch des chinesischen Premierministers werden Massendemonstrationen in Washington erwartet. Chinesische Rating-Agenturen haben amerikanische Staatsanleihen inzwischen auf Schrott-Status herabgestuft. Der amerikanischen Bitte um ein weiteres Rettungspaket will Peking nur nachkommen, wenn Washington seine bereits gekürzten Militärausgaben um ein weiteres Drittel zusammenstreicht.«

So könnte Amerikas Zukunft aussehen. So ähnlich jedenfalls hat sie der amerikanische Bestsellerautor Gary Shteyngart in seinem jüngsten RomanSuper Sad True Love Story beschrieben. Ursprünglich wollte er in seiner literarischen Untergangsvision das Bankensystem kollabieren lassen, doch beim Schreiben holte ihn die Pleite von Lehman Brothers ein. Auch jetzt ist ihm die Gegenwart auf den Fersen. Vergangene Woche drohte eine chinesische Rating-Agentur den USA, ihre Kreditwürdigkeit herabzustufen. Wenn schon die Fantasie der Schriftsteller zu langsam wird für die Realität, wie steht es dann um die Kreativität der Krisenmanager?

Europa ringt um Griechenland – und um sich selbst. In Washington liefert sich der Präsident mit der Opposition eine ideologische Schlacht um Schuldendeckel und Steuern, und zwar haarscharf am Rande der Zahlungsunfähigkeit des immer noch führenden Landes der Erde.

Schlagzeilen über das »Ende des Euro« und »Amerikas Staatspleite« beherrschen die Nachrichten. Gleichzeitig macht der Internationale Währungsfonds (IWF) von sich reden, der einst überschuldeten Ländern wie Argentinien, Thailand oder Ghana eiserne Sparprogramme vorschrieb. Heute dirigiert der IWF Länder aus unserer Mitte und ermahnt die USA.

Die paradoxe Folge dieser medialen Endlosschleife: Sie stumpft die Bürger ab. In einem diffusen »Alles wird immer schlimmer«-Gefühl verpufft der womöglich heilsame Schock über das Ausmaß der Krise: Die größte Gefahr für unseren Wohlstand sind wir selbst, Europäer und Amerikaner. Die Schuldenkrise ist eine Krise unserer Staaten, unserer Politik, unserer Lebensart. Und sie beschleunigt auf dramatische Weise das, was viele Experten für einen langwierigen Prozess gehalten haben: die Machtverschiebung in der Geopolitik. Sie verändert die Balance zwischen den USA und China, Europas politische Zukunft und seine Stellung in der Welt. Chinas hat innerhalb kürzester Zeit sein politisches Machtpotenzial als größter Gläubiger der USA massiv ausgebaut. Europa droht gerade, sich politisch obsolet zu machen, und die Schwellenländer fragen sich inzwischen, ob und in welcher Verfassung die beiden immer noch wichtigsten Mächte auf die globale Bühne zurückkehren.

Kommentare (32)

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Bernd

31.07.2011, 11:21 Uhr

China ist mal überhaupt nicht stark ! Der Schein trügt.
Es dauert nicht mehr lange, dann platzt dort die Immobilienblase.
Künstlichen Aufschwung suggerieren mit leeren Städten und Malls......
Ausserdem dat USA ein "Chapter 11" auf Staatsebene geplant.
Dann ist es auch vorbei mit dem "starken" China

Account gelöscht!

31.07.2011, 11:39 Uhr

@ Bernd
Träumen sie weiter! China ist viel stärker als wir es ahnen. Ihre Planwirtschaft ermöglicht es ihnen, unvorstellbare Geldmittel einzusetzen um ALLE strategischen Ziele zu erreichen.
Und die geldgierige westliche Welt denkt nur kurzfristig, mehr läßt die Gier nach dem schnellen Geld nicht zu.
Hinzukommt die immer schneller sich vergrößernde Schere zwischen arm und reich, was künftig ein Problem sein wird, wenn die Politik keinen Rückhalt mehr bei der Bevölkerung finden wird.
All das spielt den Chinesen in die Hände.

Wie verblödet müssen unsere "Leistungsträger" sein, wenn sie die westliche Technologien nach China verramschen - um jeden Preis, nur um für die Banken noch den letzen Cent Einsparung zu erzielen? Um den Preis, daß die Chinesen in Kürze auch dieses Feld beherrschen werden.

Ich kann nur lachen über die Reden von Volkswirtschaftlern und BWLern über Marktwirtschaftliche Spielregeln. Vergessen sie diese! Die gelten bei den Chinesen nicht! Die haben ihre eigenen Regeln. Und da zählen leider auch die westlichen Werte nichts mehr.

Die Gier der Reichen hat uns an China verkauft.

EIne Hoffnung bleibt, eine kleine: Große Reiche sind immer von innen zerstört wurden, doch das hat oft Jahrzehnte gedauert.

Account gelöscht!

31.07.2011, 12:11 Uhr

Man muß den Chinesen eines lassen - im gegensatz zum restlichen (ehemals) sozialistischen Lager haben sie etwas begriffen - nämlich wie man den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen schlägt.

@ihr

Danke für diese Einschätzung - sie haben nicht unrecht ;-)

Durch die westliche Geldgier wurden in China vom Westen Produktionsstätten geschaffen die Devisen ins Land holen. Bei jedem Dollar, die dadurch ins Land fließen verdient der chinesische Staat mit - und nicht zu wenig. Dieses Geld nehmen sie dann und "kaufen" den Westen Stück für Stück auf (siehe Staatsanleihen Europa und Amerika ect.). Die daraus resultierende ständig wachsende Wirtschafts- und Politische Macht wird geschickt ausgenutzt um die eigenen Ziele zu erreichen (dabei bleiben sie möglichst weit im Hintergrund).

Nun, wenn man so blöd ist und selbst seine "Mutter" verkaufen würde für Profit (was nunmal das Prinzip des Kapitalismus ist) darf man sich nicht wundern, wenn andere diese dann auch kaufen und für ihre Zwecke mißbrauchen.
Ob das dem Westen nun passt oder nicht - die Chinesen sind nicht dumm...sie wissen wie man handelt ;-)

Die Alliierten haben aus dem DDR Bankrott nix gelernt, denn da haben sie es doch genauso gemacht wie jetzt China mit uns. Erst mit Krediten "Einkaufen" und danach dann "Übernehmen"^^

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