Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2012

15:41 Uhr

Finanzmärkte

Vier weitere Jahre für Obama – noch mehr billiges Geld

Wer die USA regiert, ist den Investoren eigentlich egal. Hauptsache, er druckt noch mehr Geld. Unter Obama stehen die Chancen darauf gut. Die erste Erleichterung verpufft allerdings schnell.

Die Entscheidung zugunsten Obamas und damit auch für Bernanke wird von den Börsen positiv aufgenommen. Getty Images

Die Entscheidung zugunsten Obamas und damit auch für Bernanke wird von den Börsen positiv aufgenommen.

New York, DüsseldorfObama bleibt Präsident. An den Finanzmärkten wurde die Wahl zunächst mit Wohlwollen aufgenommen. Die Aktienmärkte legten zu. Allerdings hielt die Erleichterung nur kurz an. Am Nachmittag eröffneten die US-Börsen mit einem deutlichen Minus. Der Dow Jones fiel um 1,3 Prozent auf 13.084 Punkte.

Die Probleme sind mit der Wiederwahl Obamas nicht kleiner geworden. Schon bald muss der neue und alte Präsident das Problem anpacken, das für die US-Wirtschaft und die Börsen derzeit die größte Gefahr darstellt: die zum Jahreswechsel drohenden automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen.

Was Börsianer von Obamas Wahlsieg halten

George Soros, Star-Investor

"Die amerikanischen Wähler haben extremistische Positionen abgelehnt. Das öffnet die Tür für eine vernünftigere Politik. Die gewählten Republikaner werden in den kommenden Jahren hoffentlich bessere Partner sein - besonders notwendig ist das für die Vermeidung des sogenannten 'fiscal cliff'."

Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

"Das knappe Resultat und der weiterhin gespaltene Kongress werden es schwer machen, vor Jahresende die notwendigen Kompromisse im Haushaltsstreit zu finden. Sollten beide Seiten sich nicht einigen, würden unmittelbar zum Jahresbeginn 2013 automatisch die US-Staatsausgaben gekürzt und die Steuern erhöht in einem Umfang, der 5,1 Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung entspricht. Dies könnte die US Wirtschaft in eine erneute Rezession stürzen."

Roger Peeters, Analyst bei Close Brothers Seydler

"Anleger werden ihre Aufmerksamkeit sofort auf die anstehenden Themen wie die sogenannte 'Fiskalklippe' richten. Die Wahl-Entscheidung selbst sollte keinen allzu großen Einfluss haben. Die Differenzen zwischen den beiden Kandidaten waren gering und beide standen vor denselben Problemen wie der hohen Verschuldung."

Christian Schmidt, Analyst der Helaba

"Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Wahlausgang werden nun aus dem Markt weichen. Allerdings kann von Euphorie keine Rede sein. Denn die Republikaner haben ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behalten. Es muss damit gerechnet werden, dass der Kongress gespalten bleibt und die Blockaden der Vergangenheit auch in Zukunft zu erwarten sein werden."

Iaon Smith, Anlagestratege bei Knight Capital

"Die Aussichten für Investoren werden von denselben Themen bestimmt wie vor der Wahl: Die eigentliche Sorge ist, wie die Politik mit der Frage der 'Fiskalklippe' umgehen wird."

Lutz Karpowitz, Analyst der Commerzbank

"Größeren Rückenwind für den Euro/Dollar dürfte das Wahlergebnis nicht mit sich bringen, da Obama bereits nach den Umfragen als Favorit galt. Obama wird weiterhin mit Gegenwind aus dem Kongress rechnen müssen, da die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigten und in den nächsten Jahren ein politische Blockade nicht auszuschließen ist. Eine längere Hängepartie, in der ein sehr knappes Ergebnis von der unterlegenen Partei angefochten wird, ist aber zumindest vermieden worden."

Das sogenannte „Fiscal Cliff“ („Fiskalklippe“) hat nach Ansicht vieler Ökonomen das Zeug, die USA in eine schwere Krise zu stürzen. Der weiterhin gespaltene Kongress werde es schwer machen, vor Jahresende die notwendigen Kompromisse im Haushaltsstreit zu finden, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Dies könnte die US Wirtschaft in eine erneute Rezession stürzen."
Die US-Aktienmärkte wären von einem solchen Absturz von der Klippe direkt betroffen, fürchtet Analyst David Kostin von Goldman Sachs. Denn eine wirtschaftliche Abschwächung dürfte die Kauflaune der Anleger ebenso dämpfen wie höhere Steuern auf Kapitalgewinne und Dividenden. Und wenn die Leitbörsen in den USA schwächeln, könnte es auch in Europa mit den Kursen bergab gehen.

„Die amerikanischen Wähler haben extremistische Positionen abgelehnt. Das öffnet die Tür für eine vernünftigere Politik“, sagte der Starinvestor George Soros. „Die gewählten Republikaner werden in den kommenden Jahren hoffentlich bessere Partner sein - besonders notwendig ist das für die Vermeidung des Fiscal Cliff.“

Immerhin können sich die Investoren unter dem alten und neuen Präsidenten darauf verlassen, dass die Geldflut nicht abebbt. Mit der Wahl Obamas ist die Entscheidung für die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik gefallen. Das heißt: Noch mehr billiges Geld. „Obamas Sieg bedeutet, dass die quantitative Lockerung der US-Geldpolitik weitergehen wird“, sagte Yuji Saito, Chef des Devisenhandels der Credit Agricole.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Overkill

07.11.2012, 12:02 Uhr

Der Overkill geht weiter.

Wie zerstöre ich die Menschheit ...

Account gelöscht!

07.11.2012, 12:09 Uhr

Die Wiederwahl ist ein Drama und wenn Yellen den Bernanke abloest, wird dies noch ein viel groesseres Drama. Egal wie, der Schuldenkoenig wird weiter drucken und seine gigantischen Bubbles weiter ausbauen.

Mini-Me

07.11.2012, 12:10 Uhr

Ja !! Druckt Geld !!
Genau 40.000 Dollar pro Sekunde oder 4,50 Dollar pro Tag für jeden der rund 320 Millionen Einwohner der USA.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×