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19.03.2012

13:49 Uhr

Finanzmarktregulierung

Brüssel zerrt Schattenbanken ins Scheinwerferlicht

Formal sind es keine Banken, aber sie handeln wie welche - und machen 46 Billionen Euro Umsatz. Die EU will das Treiben der vielfältigen Fonds und Gesellschaften streng regulieren - und wirft den ersten Stein ins Wasser.

EU-Kommissar Michel Barnier bei der Vorstellung seiner Pläne in Brüssel. dpa

EU-Kommissar Michel Barnier bei der Vorstellung seiner Pläne in Brüssel.

Die EU-Kommission will die wachsende Branche der sogenannten Schattenbanken unter strengere Aufsicht stellen. "Wir müssen Licht in alle Bereiche des Finanzsektors bringen", erklärte der für die Regulierung des
Finanzmarkts zuständige EU-Kommissar Michel Barnier am Montag in Brüssel. Der Vorstoß des Franzosen richtet sich gegen Finanzunternehmen, die zwar nicht den Regeln für offizielle Banken wie zum Beispiel den Eigenkapitalvorschriften unterliegen, aber ähnliche Geschäfte wie etwa die Vergabe von Krediten anbieten.

Der Umsatz dieser Grauzone des Finanzmarkts hat sich in den Jahren 2002 bis 2010 auf weltweit rund 46 Billionen Euro mehr als verdoppelt, wie es in einem von Barnier veröffentlichten Diskussionspapier heißt, einem sogenannten Grünbuch. "Schattenbanken haben im Finanzsystem wichtige Funktionen. So stellen sie beispielsweise eine zusätzliche Finanzierungsquelle dar und bieten Anlegern Alternativen zu Bankeinlagen. Für die langfristige Finanzstabilität können sie allerdings auch mit Risiken verbunden sein", wird in dem Barnier-Papier festgestellt.

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Weltweit wächst die Angst, dass verborgene Gefahren das weltweite Finanzsystem erneut aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Was sich hinter den Schattenbanken verbirgt.

Zu den Schattenbanken zählen etwa Zweckgesellschaften, die Kredite vermitteln, sowie Investmentfonds, Finanzierungsgesellschaften und Versicherer, die Kredite zum Beispiel an Konsumenten vergeben. Da die Branche jedoch nur teilweise von den bestehenden Regeln für den Finanzsektor erfasst wird, befürchtet die EU-Kommission, dass beispielsweise die "ungeordnete Insolvenz einer Schattenbank sowohl direkt als auch indirekt über ihre Verknüpfung mit dem regulären Bankensystem mit Systemrisiken verbunden sein kann".

Kommentare (4)

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Bankenaufsicht

19.03.2012, 16:01 Uhr

Warum so kompliziert, einfach das bewährte Trennbankensystem (Roosevelt ,New Deal) wieder einführen.Das hat schon während
der großen Depression geholfen.

Einfach Invest-und Geschäftsbanken wieder trennen und keine Rettung der ersteren vornehmen. Dann hat sichs ausgespielt mit dem Taschendiebtrick der Systemtrelevanz .

turifo

04.04.2012, 23:25 Uhr

Hierzu die EU-Kommission:

Die Tätigkeiten von Schattenbanken sind oftmals eng mit dem regulären Bankensektor verknüpft. Jede Insolvenz kann erhebliche Ansteckungs- und Spillover-Effekte nach sich ziehen. In Krisensituationen oder bei äußerst unsicheren Rahmenbedingungen können die von Schattenbanken eingegangenen Risiken leicht auf den Bankensektor übertragen werden. Hierfür kommen mehrere Kanäle in Frage: a) direkte Kreditaufnahme beim Bankensystem und Eventualverbindlichkeiten aus dem Bankengeschäft (Bonitätsverbesserungen und Liquiditätslinien) und b) massive Aktivaverkäufe mit Auswirkungen auf die Preise von Finanz- und Sachaktiva. (
http://ec.europa.eu/internal_market/bank/docs/shadow/green-paper_de.pdf)

Account gelöscht!

21.04.2012, 07:33 Uhr

Was hier mit dem Begriff 'Schattenbanken' bezeichnet wird, ist in der Volkswitschaftslehre als financial intermediaries (FI) oder auch Finanzintermediäre bekannt. Die Auswirkungen der Tätigkeiten der FI auf das Geldwesen und auf die Geldpolitik wurden bereits vor 40 in der VWL diskutiert. Man kann zeigen, daß die Wirkungen in mehrfacher Hinsicht beachtlich sind.

Allerdings wurden die Ergebnisse der VWL von der Praxis kaum zur Kenntnis genommen und auch nur unzureichend durch entsprechende Maßnahmen bzw. Regeln berücksichtigt.

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