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23.04.2013

15:25 Uhr

Finanzminister Georgiades

Zypern will bei Goldverkauf nichts überstürzen

Das Land habe den Verkauf von Goldreserven zwar auf der Agenda, dringend sei dieser Punkt aber nicht, so Zyperns Finanzminister Harris Georgiades. Gleichzeitig kündigte er eine Lockerung der Kapitalkontrollen an.

Zyperns Finanzminister Harris Georgiades: Ein Verkauf der Goldreserven steht nicht im Fokus. Reuters

Zyperns Finanzminister Harris Georgiades: Ein Verkauf der Goldreserven steht nicht im Fokus.

NikosiaZypern setzt bei seinen eigenen Sanierungsbemühungen nicht in erster Linie auf den Verkauf von Gold. Dies sei nicht der wichtigste Punkt, sagte Finanzminister Harris Georgiades der Nachrichtenagentur Reuters. "Es steht auf der Agenda, aber es ist nichts, was wir jetzt angehen." Sein Land werde tun, was notwendig sei und alle Haushaltsziele erreichen. Er betonte zudem, die Ende März eingeführten Kapitalkontrollen könnten in den "nächsten Tagen oder Wochen" gelockert werden.

Zypern erhält von seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) rund zehn Milliarden Euro zur Abwendung einer Pleite. Das Land muss im Rahmen der 23 Milliarden Euro schweren Rettungsaktion für die Inselrepublik einen Großteil der Sanierungskosten aber selber stemmen. Dies soll etwa über höhere Unternehmenssteuern und eine Abgabe auf Kapitalgewinne gelingen. Etwa 400 Millionen Euro könnten aus Goldverkäufen erlöst werden.

Eckpunkte des Zypern-Hilfspakets

Finanzbedarf

Hier gab es zuletzt Irritationen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Zypern Hilfen von gut 17 Milliarden Euro beantragt. Nach langen Verhandlungen steht nun fest, dass die internationalen Geldgeber „nur“ bis zu zehn Milliarden Euro Hilfskredite bereitstellen werden bis zum ersten Quartal 2016. Bis zu neun Milliarden kommen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, eine Milliarde will der Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen.

Beitrag der Banken

Eigentümer und andere Gläubiger zyprischer Banken und deren Anleger mit Guthaben über 100.000 Euro werden zur Kasse gebeten. Die Laiki Bank wird abgewickelt, die Bank of Cyprus saniert. Allein über die Beteiligung ungesicherter Einlagen beider Banken sollen zur Rekapitalisierung schätzungsweise 8,3 Milliarden zusammenkommen. Der endgültige Betrag ist aber noch offen.

Weitere Einnahmen und Reformen

Die Unternehmens- und Zinsertragsteuer in Zypern steigen, Betriebe sollen privatisiert und Gold verkauft werden. Inländische Anleger sollen zu längeren Laufzeiten bei den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bewegt werden. Gefordert sind ferner auch eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter, Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem. Zypern soll zudem den Kampf gegen Geldwäsche verstärken.

Wirtschaftswachstum

Unterstellt wird, dass die zyprische Wirtschaft ab 2015 wieder mit positiven Wachstumsraten anzieht – nach einem Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt um 8,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr.

Schuldenabbau und Etatsanierung

Der Schuldenstand wird nach fast 87 Prozent der Wirtschaftsleistung nach der Projektion bis zum Jahr 2015 auf den Spitzenwert von 126 Prozent klettern. Danach soll er sinken – auf 122 Prozent bis Ende 2016 und 2020 auf 104 Prozent.

Haftungsanpassung

Deutschland muss etwas mehr beim auslaufenden Rettungsfonds EFSF absichern. Zypern hatte beantragt, bei den Garantieleistungen für den EFSF entlastet zu werden. So ein „Stepping Out“ wurde auch anderen Ländern gewährt. Der deutsche Haftungsanteil erhöht sich damit von 29,07 auf 29,13 Prozent.

Portugal und Irland

Die Laufzeiten der Hilfskredite an beide Länder sollen um sieben Jahre verlängert werden. Das mindert Ansteckungsgefahren. Volumen und Auflagen ändern sich nicht.

Obwohl die Summe relativ niedrig anmutet, hatte die Nachricht, dass eine Notenbank in einem klammen Land der Eurozone zu Verkäufen von Edelmetall gezwungen sein könnte, Schockwellen am Goldmarkt verstärkt. Befördert von den Turbulenzen um Zypern war der Preis des gelben Metalls in einem nervösen Markt gefallen wie ein Stein - die Kurseinbußen waren so drastisch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Einen Teil dieser Verluste machte das Edelmetall in den vergangenen Tagen aber wieder wett. Aktuell notiert es rund 100 Dollar über seinem Zweieinhalb-Jahres-Tief der Vorwoche.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Kurssturzes haben einige Analysten ihre Preis-Prognosen aber gesenkt. Von Reuters befragte Experten rechnen zum Jahresende im Schnitt mit einem Goldpreis zwischen 1450 und 1550 Dollar, nach 1674,34 Dollar Ende Dezember 2012. Dies wäre das erste Minus nach zwölf Jahresgewinnen in Folge, wobei sich der Preis zeitweise versiebenfacht hatte.

Georgiades schloss nicht aus, dass Zypern auf den Goldverkauf verzichtet, wenn das Geld an anderer Stelle hereingeholt wird. "Alle Möglichkeiten sollten ausgelotet werden", betonte der Minister.

Er zeigte sich zugleich optimistisch, dass das Rettungspaket in Kürze von den Abgeordneten in Nikosia abschließend gebilligt wird. "Das Parlament wird sehen, dass es derzeit keine Alternative dazu gibt", sagte Georgiades in dem am Montagabend geführten Gespräch. Die Wirtschaft des Landes stöhnt weiter unter den Kapitalverkehrskontrollen, die Zypern zur Abwehr einer Staatspleite Ende März eingeführt hat.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Damit soll eine massive Geldflucht abgewendet werden, nachdem im Rahmen des Notkredits auch Kontoinhaber mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro zur Kasse gebeten wurden. Zyprer dürfen pro Tag nur noch 300 Euro abheben und bis zu 2000 Euro mit ins Ausland nehmen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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johnfredrik

30.04.2013, 16:48 Uhr

Zypern könnte ja das Gold an http://www.briefgold.de/ verkaufen. Dort kriegen sie bestimmt einen guten Preis dafür...

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