Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.06.2012

20:28 Uhr

Finanzminister Schäuble

"Obama soll sich erstmal um eigenes Defizit kümmern"

Immer wieder ermahnte Barack Obama die Europäer zum Kampf gegen die Schuldenkrise. Finanzminister Schäuble hält von der Kritik wenig. Der US-Präsident solle sich vor allem um die Reduzierung des eigenen Defizits kümmern.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Kritik von US-Präsident Barack Obama am Kurs der Bundesregierung in der Eurokrise zurückgewiesen. "Herr Obama soll sich doch vor allen Dingen mal um die Reduzierung des amerikanischen Defizits kümmern. Das ist höher als das in der Euro-Zone", sagte der CDU-Politiker am Sonntag im ZDF. Man könne sehr schnell Anderen Ratschläge geben. Obama hatte die Europäer in letzter Zeit immer wieder aufgefordert, alles zu tun, um die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum einzudämmen. Hintergrund ist, dass die Probleme in Europa mehr und mehr die Weltwirtschaft beeinträchtigen und die Finanzmärkte verunsichern.

Mit Blick auf die Krise in der Euro-Zone sagte Schäuble, so lange die Entscheidungen bei den Nationalstaaten lägen, müssten die Länder auch haften. "Wenn Sie Geld auf meine Rechnung ausgeben können, werden sie mit dem Geld nicht sparsam sein", betonte der Finanzminister.

Schäuble sagte zudem, es sei nicht entscheidend, jetzt viel Geld - etwa durch die Europäische Zentralbank - in die Hand zu nehmen. Die Ursachen der Krise müssten glaubhaft bekämpft werden. Das gelinge in Irland und Portugal sehr gut. "Es gelingt in Griechenland nicht so gut", sagte der Minister. Es müsse eine Struktur für eine gemeinsame Währung geschaffen werden. Reformen könnten schnell geschehen. So könnten am Donnerstag und Freitag auf dem EU-Gipfel glaubwürdige Beschlüsse gefasst werden.

Von

rtr

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Tabu

24.06.2012, 20:55 Uhr

Obama soll sich erstmal um eigenes Defizit kümmern
------------------------
Da wird der Schäuble doch mal frech..wer hätts gedacht:-))
Ich halte ihn,trotz einiger Vorbehalte,für einen klugen
Kopf,der sich unendlich müht,Europa zu einen..
Das was Kohl unterlassen hat..Schröder auch,vollenden
jetzt Merkel und Schäuble.Eine Wirtschaftsunion,deren
Eckdaten taxiert werden müssen..

DERRichter

24.06.2012, 21:27 Uhr

Das Zitat Schäubles zeigt, wie sehr in Europa die Nerven blank liegen. Normalerweise würde sich der Atlantiker Schäuble mit seiner schon an Unterwürfigkeit grenzenden Verehrung alles US-Amerikanischen gar nicht trauen so resolut gegenüber Obama aufzutreten. Auch in der Sache hat er nur begrenzt recht. Ja, das US-amerikanische Staatsdefizit ist noch viel unerquicklicher als das europäischer Staaten. Aber der US-Dollar hat ganz andere psychologisch-emotionale Fundamente als der Euro. Hinter dem US-Dollar steht das
patriotische, eben auch durch die gemeinsamme Währung verkörperte, Zusammengehörigkeitsgefühl der US-Nation.
Für viele Völker Europas sind Euro und Eurokraten in Brüssel hingegen nur die Knechterhuren, für die man emotional nur Hass empfindet, und für die man keine besonderen Opfer bringen will. Schon deshalb ist der Euro im Hinblick auf seine Überlebensfähigkeit ungleich verletzlicher als der US-Dollar. Da können gewisse Kreise noch so sehr das hohe Lied vom europäischen Patriotismus anstimmen.

Account gelöscht!

24.06.2012, 21:49 Uhr

Tja, wie es wohl mit den us-amerikanischen "Fundamenten" steht, wenn einmal die verteilungspolitisch höchst brisanten Entscheidungen nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden können? Ja, noch sieht der Dollar wie ein "sicherer Hafen" aus - bis zum Tsunami???

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×